Dosierempfehlung künftig auf jedes Rezept

Montag, den 17. Juni 2019

Die Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) regelt hierzulande, welche Arzneimittel (nur) auf Vorlage von ärztlichen, tierärztlichen oder zahnärztlichen Verordnungen durch die Apotheken an die Bevölkerung abgegeben werden dürfen und wie solche Rezepte auszusehen zu haben. Die Angaben hierzu könnten bald um einen wesentlichen Punkt erweitert werden: die Dosierung.

Paragraph § 2 Absatz 1 der AMVV definiert sämtliche Angaben, die für eine ordnungsgemäße Ausstellung einer ärztlichen Verschreibung erforderlich sind. Neben diversen, u. a. personenbezogenen Angaben bildet natürlich das rezeptierte Arzneimittel einen Kernbestandteil der ärztlichen Verordnung. Bisher galt es hier die Bezeichnung des Fertigarzneimittels oder des Wirkstoffes einschließlich der Stärke zu nennen bzw. bei Rezepturen die Zusammensetzung nach Art und Menge oder die Bezeichnung des Fertigarzneimittels, von dem Teilmengen abgegeben werden sollen, aufzuführen. Angaben zur Darreichungsform (sofern sich nicht eindeutig aus der Bezeichnung ergebend) wie auch die abzugebende Menge des Arzneimittels sind ebenfalls ergänzend zu vermerken. Eine Gebrauchsanweisung oder Angaben zur Dosierung und Dauer der Anwendung waren lediglich für in der Apotheke hergestellte Arzneimittel (§ 2 Abs. 1 Nr. 7) sowie bei tierärztlichen Verschreibungen (§ 2 Abs. 1 Nr. 9) notwendig. Dies könnte sich nun jedoch ändern.

Einem Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) und des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zur Achtzehnten Verordnung zur Änderung der AMVV folgend soll künftig auch die Dosierung für jedes verordnete Arzneimittel konkret aufgeführt werden - mit Ausnahmen. Dazu ist folgender Wortlaut vorgesehen: " § 2 (1) Die Verschreibung muss enthalten [...] Nr. 7: die Dosierung; dies gilt dann nicht, wenn dem Patienten ein Medikationsplan, der das verordnete Arzneimittel umfasst, oder eine entsprechende schriftliche Dosierungsanweisung der ärztlichen Person vorliegt und die verschreibende Person dies in der Verschreibung kenntlich gemacht hat."

Allgemein dem Ziel gewidmet, die Gesundheit der Patienten bestmöglich nach aktuellstem Stand medizinischer Erkenntnisse zu schützen und Anwendungsrisiken zu minimieren, scheinen die vorgeschlagenen Ergänzungen die AMVV hierin zu unterstützen. Sollte der Vorschlag schlussendlich Eingang in die AMVV finden, so ist laut BMG für Ärzte mit einem Erfüllungsaufwand von jährlich rund 108 Millionen Euro zu rechnen. Diese Schätzung basiert auf den Angaben des Arzneiverordnungs-Reports aus dem Jahre 2018, welchem nach 2017 ca. 664 Millionen Rezepte zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ausgestellt wurden. Gesetzt der Annahme, dass zusätzlich weitere 10% für den Bereich der privaten Krankenversicherungen anfallen werden, geht das BMG von einer Gesamtsumme von etwa 730 Millionen Verschreibungen aus. Jedoch wird lediglich für die Hälfte die Notwendigkeit einer Auftragung der Dosierung erwartet, da in allen anderen Fällen das Vorliegen eines Medikationsplanes oder einer andere schriftliche Dosierungsanweisung vermutet wird. Für die somit verbleibenden rund 365 Mio. Verschreibungen ergibt sich bei einem Aufwand von ca. einer halben Minute und einem Lohnkostensatz von 35,60 Euro laut Ministerien oben erwähnter, jährlicher Erfüllungsaufwand in Höhe von 108 Millionen Euro. Wie es im Entwurf heißt, wird das BMG prüfen, ob dieser Belastung zur Kompensation eine Entlastung in anderen Regelungsbereichen im Rahmen der „One in, one out“-Regel gegengestellt werden kann. Es wird allerdings auch darauf hingewiesen, dass der Medikationsplan generell in den kommenden Jahren weiter steigende Akzeptanz finden und somit der Aufwand für das Vermerken der Dosierung auf den Rezepten fortlaufend sinken wird.

Quellen:
[1] Veröffentlichung Bundesministerium für Gesundheit (BMG); 10. Mai 2019: Referentenentwurf - 18. Verordnung zur Änderung der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV)
[2] Veröffentlichung Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: Verordnung über die Verschreibung von Arzneimitteln (Arzneimittelverschreibungsverordnung); Stand: zuletzt geändert am 27.03.2019