Luxturna® - Gentherapie bei erblich bedingter Netzhautdystrophie

Montag, den 15. April 2019

Bereits seit November 2018 in Europa zugelassen, wird Luxturna® von Novartis Pharma nun auch ab dem 15. April 2019 auf dem deutschen Markt vertrieben.

Das Gentherapeutikum mit dem Wirkstoff Voretigen Neparvovec ist ein Arzneimittel für neuartige Therapien und wird zur Behandlung erwachsener und pädiatrischer Patienten mit Sehverlust aufgrund einer erblichen Netzhautdystrophie eingesetzt. Voraussetzung für die Anwendung ist eine nachgewiesene biallelische RPE65-Mutation sowie ausreichend lebensfähige Retinazellen.

Das RPE65-Gen codiert für das retinale Protein RPE65, welches für die biologische Umwandlung eines Lichtphotons in ein elektrisches Signal innerhalb der Retina entscheidend ist. Bei Mutation beider Allele des RPE65-Gens kommt es zu Aktivitätsverlust des Enzyms. In Folge dessen akkumulieren toxische Zwischenprodukte, die zum Absterben der Zellen des retinalen Pigmentepithels führen und letztlich den schrittweisen Verlust des Sehvermögens nach sich ziehen. 

Da eine erblich bedingte Netzhautdystrophie weniger als vier von 10.000 Personen betrifft, erhielt Luxturna® für zwei Formen der Augenerkrankung bereits in der Vergangenheit den sogenannten „Orphan-Drug“ Status. Das innovative Gentherapeutikum wurde am 28. Juli 2015 für Retinitis pigmentosa und am 2. April 2012 für Lebersche kongenitale Amaurose von der Europäischen Arzneimittelagentur als Arzneimittel für seltene Leiden ausgewiesen.

Für die europaweite Zulassung wurde Voretigen Neparvovec in einer offenen, randomisiert-kontrollierten Studie an 31 Patienten mit erblicher Netzhautdystrophie aufgrund von RP65-Mutationen untersucht. Die Wirksamkeit wurde mittels "multi-luminance mobilitiy testing" (MLMT), einem Mobilitätstest, der die Fähigkeit des Patienten, einen Parcours präzise und in akzeptabler Geschwindigkeit bei unterschiedlich heller Umgebungsbeleuchtung zu absolvieren, überprüft. Bereits an Tag 30 wurde für die Luxturna®-Behandlungsgruppe eine signifikante Verbesserung in den MLMT-Ergebnissen festgestellt, die über alle weiteren Studienvisiten im Drei-Jahres-Gesamtzeitraum aufrechterhalten werden konnten. 

Als sehr häufige unerwünschte Arzneimittelwirkungen wurden dabei Hyperämie der Konjunktiva, Katarakt sowie ein Anstieg des Augeninnendrucks in Zusammenhang mit der Verabreichung beobachtet. 

Luxturna® wird direkt unter die Netzhaut appliziert und wirkt durch Einbringen der korrekten Kopie des RPE65-Gens in die Zellen des retinalen Pigmentepithels, vermittelt durch einen nicht pathogenen Adeno-assoziierten Virus (AAV), der als Vektor dient. Um das Fortschreiten der Erkrankung wirksam zu verlangsamen, muss jedoch sichergestellt sein, dass der Patient noch über ausreichend funktionsfähige Netzhautzellen verfügt. Ein möglichst früher Therapiebeginn sollte daher angestrebt werden.

Konzentrat und Lösungsmittel werden tiefgekühlt gelagert und nach Auftauen und Rekonstitution als Einzelinjektion durch einen Netzhautchirurgen in den hinteren Teil jedes Auges subretinal injiziert. Mindestens sechs Tage nach Behandlung des ersten Auges, kann die Therapie des zweiten Auges durchgeführt werden. 

Patienten sollten drei Tage bevor Luxturna® in das erste Auge injiziert wird, Immunsuppressiva erhalten, damit das Risiko verringert wird, dass das Arzneimittel vom Körper abgestoßen wird. Diese Behandlung sollte 14 Tage lang postoperativ fortgesetzt werden. Bei Patienten mit Augeninfektion oder -entzündung darf Voretigen Neparvovec nicht angewendet werden.

Luxturna® unterliegt wie alle neuartigen Arzneimittel nach Marktzulassung dem "Additional Monitoring", einer zusätzlichen Überwachung durch die Behörden, um eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse sicherzustellen. Angehörige von Gesundheitsberufen sind daher aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden.

Quellen:
[1] Produktinformation (EMA) Luxturna®; Nova Laboratories; 11. Januar 2019
[2] Veröffentlichung (Übersicht und Zulassungsbegründung) EMA; 11. Januar 2019: Luxturna® - Voretigen Neparvovec
[3] Veröffentlichung (Orphan Designation for the Treatment of Leber's Congenital Amaurosis) EMA; 2. April 2012
[4] Veröffentlichung (Orphan Designation for the Treatment of Renitis Pigmentosa) EMA; 28. Juli 2015
[5] Veröffentlichung Website luxturna.com (zugegriffen am 09.04.2019)