Lorlatinib - Neuer Tyrosinkinase-Inhibitor zur Behandlung von Lungenkrebs

Montag, den 03. Juni 2019

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat in seiner Sitzung Ende Februar eine bedingte Zulassung für den nun verfügbaren Tyrosinkinase-Inhibitor Lorviqua® erteilt.

Wie der pharmazeutische Unternehmer Pfizer mitteilt, umfasst die Zulassung den Einsatz als Monotherapie zur Behandlung erwachsener Patienten mit Anaplastische Lymphomkinase (ALK)-positivem, fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC), deren Erkrankung nach Alecitinib oder Ceritinib als erste Therapie mit ALK-Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) oder Crizotinib und mindestens einer weiteren Behandlung fortgeschritten ist.

Lungenkrebs ist weltweit die häufigste Krebserkrankung. Im Jahre 2018 wurden weltweit mehr als zwei Millionen neue Fälle diagnostiziert. Etwa 85% aller Lungenkrebserkrankungen werden als nicht-kleinzellig eingestuft und ungefähr 75% davon sind zum Zeitpunkt der Diagnose metastasierend oder fortgeschritten.
Die Umlagerung von ALK-Genen ist eine genetische Veränderung, die die Entwicklung von Lungenkrebs bei einigen Patienten antreibt. Gemäß epidemiologischen Studien sind etwa drei bis fünf Prozent der NSCLC-Tumore ALK-positiv.  
Der in Lorviqua® enthaltene Proteinkinase-Inhibitor Lorlatinib hemmt die Autophosphorylierung von ALK, die ALK-vermittelte Phosphorylierung von nachgeschalteten Signalproteinen und die Proliferation von ALK-abhängigen Krebszellen. Lorlatinib ist ein ALK-TKI der dritten Generation, der speziell dafür entwickelt wurde, um in Gegenwart oder Abwesenheit von Resistenzmutationen die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden.

Die erteilte Zulassung beruht auf den Ergebnissen einer einarmigen, multizentrischen Phase-I/II-Studie, an der Patienten mit fortgeschrittenem ALK-positiven NSCLC teilgenommen haben, die zuvor einen oder mehrere ALK-TKI erhalten hatten. Die Gesamt-Ansprechrate unter Lorlatinib betrug 42,9% für Patienten mit vorheriger Behandlung mit einem ALK-TKI, beziehungsweise 39,6% bei Patienten, die zuvor mit mindestens zwei ALK-TKI behandelt wurden. Die intrakranielle Ansprechrate als Wirksamkeitsparameter lag in den beiden Gruppen bei 66,7% (ein vorheriger ALK-TKI) beziehungsweise 52,1% (zwei oder mehr vorherige ALK-TKI).
Zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Anwendung von Lorlatinib zählen Hypercholesterinämie, Hypertriglyceridämie, Ödeme, periphere Neuropathie, Fatigue, Gewichtszunahme und affektive Effekte.

Gemäß den Vorgaben einer bedingten Zulassung wird Pfizer zusätzliche Daten aus Post-Marketing-Studien zur Verfügung stellen, inklusive der noch laufenden Phase-III-Studie CROWN, in welcher Lorlatinib gegenüber Crizotinib als Erstlinientherapie bei ALK-positivem NSCLC untersucht wird.

Lorviqua® unterliegt wie alle neuartigen Arzneimittel nach Marktzulassung dem "Additional Monitoring", einer zusätzlichen Überwachung durch die Behörden, um eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse sicherzustellen. Angehörige von Gesundheitsberufen sind daher aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden.


Quellen:
[1] Fachinformation Lorviqua®; Pfizer Europe; Mai 2019
[2] Veröffentlichung Website pfizer.com: European commission approves Lorviqua® (Lorlatinib) for certain adult patients with previously-treated ALK-positive advanced non-small cell lung cancer (zugegriffen am 22. Mai 2019)
[3] Veröffentlichung (Summary of opinion) EMA; 28. Februar 2019: Lorviqua
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