Permethrin - neue Sicherheitserkenntnisse

Freitag, den 16. August 2019

Schulanfang bedeutet häufig auch Kopflaus-Zeit! Vermehrt wird dann über ein starkes Jucken der Kopfhaut, verbunden mit hochroten Papeln geklagt. Pediculus humanus capitis heißt der Übeltäter, der hinter dieser Erkrankung steckt. Medikamentöse Behandlungsoptionen sind glücklicherweise zahlreich verfügbar. Zu einem häufig genutzten Therapeutikum wurden nun jedoch neue Sicherheitshinweise bekannt.

Kopfläuse sind keine gern gesehenen Gäste. Die flügellosen Ektoparasiten kommen weltweit vor und leben permanent im Kopfhaar ihres einzigen Wirtes - dem Menschen. Ein Befall mit Pediculus humanus capitis, wie die Kopflaus im Fachjargon heißt, hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, eine Übertragung erfolgt zumeist direkt - von Mensch zu Mensch oder gelegentlich indirekt, über Gegenstände wie Kämme, Bürsten, Mützen oder Schals, die mit den Haaren eines Befallenen in Berührung gekommen sind. Enge zwischenmenschliche Kontakte, v.a. in Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder und Jugendliche bieten damit ideale Voraussetzungen für eine Verbreitung.

Solange keine adäquate Behandlung der Betroffenen erfolgt, ist Ansteckungsgefahr gegeben. Dies ist auch der Grund, warum ein Befall innerhalb von Gemeinschaftseinrichtungen als benachrichtigungspflichtig gilt und Selbige Maßnahmen zur Eindämmung der Weiterverbreitung zu ergreifen haben. Eine optimale Behandlungsmethode stellt nach heutiger Kenntnis die synergistische Kombination aus chemischen, mechanischen und physikalischen Wirkprinzipien dar. Diese kann topische Mittel mit pedikuloziden Substanzen sowie nasses Auskämmen umfassen. Ein für die topische Behandlung eines Kopflausbefalles häufig eingesetztes Mittel ist der Crysanthemen-Abkömmling Permethrin, enthalten in Präparaten wie z. B. InfectoPedicul® Lösung, BiomoPedicul® Lösung oder permethrin-biomo® Lösung.

Nach Abschluss eines europäischen, die periodische Sicherheitsberichte bewertenden Verfahrens gem. Art. 107e) der Richtlinie 2001/83/EG, wurde basierend auf den Empfehlungen des Ausschusses für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) sowie dem Beschluss der Koordinierungsgruppe (CMDh) nun durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ein Umsetzungsbescheid erlassen. Demnach ergeben sich für die Anwendung von permethrinhaltigen Produkten Änderungen in den Gebrauchs- und Fachinformationen. Betroffen sind hiervon die Hinweise zur Anwendung während der Schwangerschaft, das Nebenwirkungsprofil sowie die Aspekte Therapieversagen und Resistenzentwicklung.

Nach derzeitiger Daten- und Sachlage sieht die CMDh einen sicherheitsbezogenen Ansatz gerechtfertigt, die Exposition des Ungeborenen gegenüber Permethrin zu vermeiden. Hintergrund ist, dass sich unter Berücksichtigung sämtlicher aktuell vorhandener Daten zum derzeitigen Stand laut CMDh ein mögliches Risiko für das ungeborene Kind nach Einsatz von Permethrin bei der Mutter nicht eindeutig bestätigen oder ausschließen lässt. Zudem scheint die Wirksamkeit von Permethrin zur Therapie von Kopflausbefall während der Schwangerschaft möglicherweise vermindert. Dies sowie die Tatsache, dass wirksame physikalische und damit weniger toxische Therapieoptionen als Alternativen verfügbar sind (Dimeticon, pflanzliche Öle), veranlasst die CMDh daher nun eine entsprechende Änderung der Produktinformationen zu beschließen. Künftig soll als Vorsichtsmaßnahme die Verwendung permethrinhaltiger Arzneimittel zur Behandlung von Kopflausbefall während der Schwangerschaft generell vermieden werden, unabhängig vom Trimenon wie z.T. bisher in den Fachinformationen vorzufinden. Einzig wenn physikalisch wirkende Behandlungsalternativen unzureichend wirksam waren oder der klinische Zustand der schwangeren Patientin es erfordert, darf eine Therapie mit Permethrin noch erfolgen.

Weitere Ergänzungen betreffen die Themen Therapieversagen und Resistenzbildung. Sogenannte "knockdown resitence (kdr)"-Gene können bei Kopfläusen zu einer erhöhten Permethrin-Toleranz und Resistenz führen. Die Prävalenz selbiger Gene ist zwar hoch, eine eindeutige Korrelation zwischen dem entsprechenden Genotyp und der Erfolgsrate von Permethrin-Behandlungen fehlt jedoch. Unklar ist, ob nicht stattdessen auch eine fehlerhafte Anwendung oder ein Wiederbefall für den ausbleibenden Therapieerfolg verantwortlich ist.

Um dem Problem eines Therapieversagens vorzubeugen, werden daher die Warnhinweise der entsprechenden Produktinformationen erweitert. Auch die Rubrik Dosierung soll diesbezüglich Anpassungen erfahren: Sofern nach sieben bis 10 Tagen Behandlung noch lebende Läuse gefunden werden, wird fortan eine Wiederholung der Permethrin-Behandlung empfohlen. Liegt anschließend, nach 14-20 Tagen noch ein aktiver Befall vor, sollte ein alternatives Produkt zur Bekämpfung des Kopflausbefalles in Erwägung gezogen werden. Neben diesen Änderungen soll auch ein Verweis auf die Nebenwirkung "Haarausfall" Eingang finden, sofern noch nicht vorhanden.

Betroffene Zulassungsinhaber haben nun bis zum 11. September 2019 Zeit besagte Anpassungen in den Produktinformationen der entsprechenden Medikamente vorzunehmen.

Quellen:

[1] Veröffentlichung BfArM; 02. August 2019: Bescheid - Änderung von Arzneimittel-Zulassungen infolge des Europäischen PSUR Single Assessment Verfahrens (PSUSA/00002355/201808) nach Artikel 107d bis g der Richtlinie 2001/83/EG
[2] Veröffentlichung Robert-Koch-Institut Webseite rki.de; Infektionsschutz: RKI-Ratgeber - Kopflausbefall (zugegriffen am 09. August 2019)
[3] Veröffentlichung Anlage 2 CMDh; 29. Mai 2019: Position of the Co-ordination Group for Mutual
Recognition and Decentralised Procedures for human use on Periodic Safety Update Reports for Active substance(s): permethrin
[4] Fachinformation InfectoPedicul® Lösung 430 mg/100 ml; InfectoPharm; September 2013
[5] Fachinformation BiomoPedicul® 0,5 % Lösung; biomo® pharma; März 2015
[6] Fachinformation permethrin-biomo Lösung 0,5 % ; biomo® pharma; Juli 2018