"Z-Substanzen": FDA verstärkt Warnung vor gefährlichem Schlafwandeln

Mittwoch, den 15. Mai 2019

Die amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) warnt aktuell im Zuge ihrer Drug Safety Communication vor schwerwiegenden Folgen, die durch ein verändertes Schlafverhalten nach Einnahme von Benzodiazepin-ähnlichen Schlafmitteln auftreten können.

Betroffen ist die Wirkstoffgruppe der Z-Substanzen. Die sedierenden und hypnotischen Eigenschaften dieser kurzwirksamen Arzneimittel entstehen durch spezifische Bindung an den GABA-Rezeptoren, was die Aktivität im Gehirn verlangsamt und somit den Schlaf ermöglicht. Mit der Indikation kurzzeitige Behandlung von Schlaflosigkeit bei Erwachsenen stehen auf dem europäischen Arzneimittelmarkt die Vertreter Zopiclon und Zolpidem zur Verfügung. Strukturell unterscheiden sie sich von den ebenfalls hypnotischen und sedativ wirksamen Benzodiazepinen. Da diese aber an denselben Rezeptor binden, werden Z-Substanzen auch als Benzodiazepin-ähnliche Substanzen oder Nicht-Benzodiazepin-Agonisten bezeichnet.

Zu den unerwünschten Wirkungen der schlafinduzierenden Arzneimittel gehören Schlafwandeln und damit assoziierte Verhaltensweisen. Patienten berichteten unter anderem über schlafwandelndes oder übermüdetes Führen eines Fahrzeuges sowie Zubereiten und Verzehren von Mahlzeiten, ohne dass sich die Betroffenen später daran erinnern konnten. Dieses komplexe Schlafverhalten führte laut FDA in den zurückliegenden 26 Jahren zu 66 schweren Unfällen, auch mit tödlichem Ausgang. Am häufigsten kam es zu Stürzen, Selbstverletzungen, versehentliche Überdosierungen, Unterkühlungen, Ertrinken oder Beinahe-Ertrinken, Verbrennungen, Suizidversuchen als auch Autounfällen, Kohlenmonoxidvergiftung und Schussverletzungen. Diese Ereignisse können bei Patienten mit oder ohne komplexem Schlafverhalten in der Anamnese nach der ersten Dosis, nach einer längeren Behandlungsdauer oder bei der niedrigsten empfohlenen Dosis auftreten.

Nun verlangt die FDA, dass spezielle, durch eine Umrahmung hervorgehobene Warnhinweise (sog. "boxed warning") in die Produktinformationen von Z-Substanz-haltigen Arzneimitteln aufgenommen werden. Zusätzlich soll eine Gegenanzeige ergänzt werden, um Patienten mit komplexem Schlafverhalten nach Einnahme dieser Arzneimittel in der Anamnese von einer Anwendung auszuschließen. Die FDA hatte bereits in den letzten Jahren drei Sicherheitswarnungen zu dieser Wirkstoffklasse veröffentlicht. Im Januar 2013 wurde vor Beeinträchtigungen am Morgen nach der Einnahme von Zolpidem gewarnt und vier Monate später die empfohlene Dosis für den Wirkstoff gesenkt. Im Mai 2014 folgte dieselbe Warnung der FDA für Eszopiclon, das in den USA unter dem Namen Lunesta® vertrieben wird. Die empfohlene Dosis für den Arzneistoff wurde daraufhin ebenfalls reduziert.

Die aktuell von der FDA empfohlenen Maßnahmen sollen das Risiko in Verbindung mit den vielfach verordneten Schlafmitteln weiter minimieren. Demnach sollen medizinische Fachkräfte die betroffenen Wirkstoffe nicht an Patienten verschreiben, bei denen nach Einnahme dieser Medikamente in der Vergangenheit ein komplexes Schlafverhalten aufgetreten ist. Außerdem sollten die Betroffenen darauf hingewiesen werden, dass seltene, aber schwere Verletzungen und Todesfälle möglich sind. Die Patienten sollten die Einnahme dieser Arzneimittel abbrechen und sich unverzüglich an ihren Arzt wenden, wenn sie sich nicht an Aktivitäten erinnern, die während der Einnahme des Arzneimittels ausgeführt wurden.

Des Weiteren werden Angehörige von Gesundheitsberufen und Patienten aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden, damit die FDA sicherheitsrelevante Probleme mit Arzneimitteln nachverfolgen kann.

Quellen:
[1] Drug Safety Communication FDA; 30. April 2019:  FDA adds Boxed Warning for risk of serious injuries causes by sleepwalking with certain prescription insomnia medicines
[2] Fachinformation Stilnox®; Sanofi-Aventis; März 2019