AkdÄ: Aus der UAW-Datenbank zu Humira®

Freitag, den 08. April 2016

AkdÄ informiert über fulminante Myokarditis mit akuter kardialer Dekompensation nach Erstgabe von Adalimumab (Humira®) bei Colitis ulcerosa

In der Rubrik „Aus der UAW-Datenbank“ berichtet die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) über einen Fall von fulminanter Myokarditis mit biventrikulärer kardialer Dekompensation bei Colitis ulcerosa eine Woche nach der Erstgabe von 160 mg Adalimumab.


Das Arzneimittel Humira® (Adalimumab) des pharmazeutischen Unternehmens AbbVie Ltd ist für verschiedene Autoimmunerkrankungen zugelassen. Hierzu zählen sowohl unterschiedliche Formen der Arthritis wie die rheumatoide oder juvenile idiopathische Arthritis, wie auch die axiale Spondylarthritis. Des Weiteren findet das Arzneimittel Anwendung bei Psoriasis (- Arthritis), Plaque- Psoriasis, Acne inversa und bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Verantwortlich für die Vielfalt der zugelassenen Indikationengebiete ist der rekombinante humane monoklonale Antikörper Adalimumab, der in Ovarialzellen des Chinesischen Hamsters exprimiert wird. Durch die spezifische Bindung an Tumornekrosefakor (TNF) neutralisiert er dessen biologische Funktion. Adalimumab hemmt hierbei die Interaktion mit den zellständigen p55- und p75-TNF-Rezeptoren und beeinflusst weitere TNF- bedingte Reaktionen, wie die Konzentration von Adhäsionsmoleküle, die für die Leukozytenmigration verantwortlich sind.

Hintergrund für die Meldung der AkdÄ ist der Fall eines 22 Jahre alten Patienten, der wegen eines akuten Colitis ulcerosa- Schubes erstmalig mit Adalimumab behandelt wurde und daraufhin eine fulminante Myokarditis mit biventrikulärere kardialer Dekompensation entwickelte.
Colitis ulcerosa gehört zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Die Ursache für den entzündlichen Befall des Dickdarms ist bisher noch nicht vollständig geklärt, diskutiert werden neben autoimmunen und genetischen Dispositionen auch psychosomatische, welche den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen können.
Laut Leitlinie kann ein akuter Schub unter remissionserhaltender Therapie zur zügigen Besserung der Symptomatik mit einer systemischen Steroidtherapie initiiert werden.
Da der Patient in diesem Fall jedoch unter einer Steroid- und Mesalazin- resistenten Colitis ulcerosa litt, wurde ihm eine hohe Induktionsdosis von 160mg Adalimumab verabreicht. Eine Woche nach der Behandlung des akuten Schubes musste der 22 Jährige aufgrund einer fulminanten Myokarditis mit kardialer Dekompensation stationär aufgenommen werden. Zur Stabilisierung des klinischen Zustandes waren maximale intensivmedizinische Maßnahmen einschließlich Extracorporaeal Life Support Systems (ELCS) und eine Implantation einer intraaortalen Ballonpumpe (IABP) nötig.
Abgesehen von der chronischen Darmerkrankung befand sich der Patient vor Therapiebeginn mit Adalimumab in einem guten gesundheitlichen Zustand.
Als Ursache für den Herzmuskelschaden kann neben einem toxischen auch ein viraler Zusammenhang mit Adalimumab und Prednisolon infrage kommen. Untersuchungen ergaben jedoch keine weiteren Hinweise auf eine virale Genese.

Die Fachinformation von Humira® führt unter dem Punkt 4.3 ‚Gegenanzeigen‘ eine mäßige bis schwere Herzinsuffizienz ((NYHA Klasse III/IV) als Kontraindikation auf. Da bereits zuvor unter der Behandlung von Humira® über Fälle berichtet wurde, die zu einer Verschlechterung der dekompensierten Herzinsuffizienz führten, wird der besondere Hinweis gegeben, die Behandlung mit Humira® bei Entwicklung neuer oder sich verschlechternder Symptome abzusetzen. Laut Hersteller tritt die Nebenwirkung ‚dekompensierte Herzinsuffizienz‘ gelegentlich auf, d.h. einem aus 100 bis 1000 der behandelten Patienten.

Aufgrund der neusten Vorkommnisse und um die Frage zu klären ob die empfohlenen hohen Initialdosen von Adalimumab bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen mit einem erhöhten Risiko für kardiale Nebenwirkungen bei vorher Herzgesunden einhergeht, bittet die AkdÄ alle beobachteten Nebenwirkungen , auch Verdachtsfälle, zu melden. Diese Aufforderung zur Meldung bezieht sich auf alle im Handel befindlichen TNF- alpha- Antagonisten.


Quellen:
[1] AkdÄ Drug Safety Mail 2016-15; 08. April 2016; Aus der UAW-Datenbank: Fulminante Myokarditis mit akuter kardialer Dekompensation nach Erstgabe von Adalimumab (Humira®) bei Colitis ulcerosa
[2] Fachinformation Humira®; AbbVie Ltd; November 2015
[3]Veröffentlichung Website AWMF online; Aktualisierte Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa 2011 Ergebnisse einer Evidenzbasierten Konsensuskonferenz (zugegriffen am 08.04.2016)