AkdÄ berichtet über Induktion und/oder Demaskierung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen unter Secukinumab (Cosentyx®)

Montag, den 16. April 2018

Der Warnhinweis für das Arzneimittel Cosentyx® des pharmazeutischen Unternehmers Novartis Pharma bezüglich der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) Morbus Crohn (M. Crohn) ist bereits bekannt und in der Produktinformation verankert: die Verschreibung dieses Arzneimittels bei Patienten mit Morbus Crohn sollte vorsichtig erfolgen, da in klinischen Studien Exazerbationen der Erkrankung beobachtet wurden, die in einigen Fällen schwerwiegend waren. Patienten, die mit diesem Präparat behandelt werden und an M. Crohn leiden, sollten engmaschig überwacht werden. 

Dieses Risiko ist aufgrund des gemeinsamen Wirkmechanismus als Gruppeneffekt anzusehen, der auch für die Arzneistoffe Ixekizumab (Taltz®) und Brodalumab (Kyntheum®) aus derselben Wirkstoffklasse zutrifft.  In der Herstellerinformation von Ixekizumab wird sogar darauf hingewiesen, dass neben Exazerbation auch Neuerkrankungen von M. Crohn und Colitis ulcerosa beobachtet wurden. Brodalumab ist bei aktivem M. Crohn explizit kontraindiziert.

Zugelassen ist der Antikörper Secukinumab für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis und kann darüber hinaus bei aktiver Psoriasis-Arthritis allein oder in Kombination mit Methotrexat (MTX) eingesetzt werden, wenn krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARDs) versagen. Es ist außerdem zugelassen bei Patienten mit aktiver ankylosierender Spondylitis, die auf eine konventionelle Therapie unzureichend angesprochen haben.

Secukinumab ist ein vollständig humaner monoklonaler Antikörper, der selektiv an das proinflammatorisch wirkende Interleukin- 17A (IL-17A) bindet und es neutralisiert. Als Folge der Interaktion von Secukinumab mit IL-17A werden weniger proinflammatorische Zytokine, Chemokine und Mediatoren der Gewebsschädigung ausgeschüttet und so der Beitrag von IL-17A zur Entstehung von Autoimmunkrankheiten und entzündlichen Erkrankungen reduziert. IL-17-Rezeptoren werden u.a. auf Keratinozyten exprimiert. Therapeutisch wird somit eine Verminderung der bei Plaque-Psoriasis-Herden vorliegenden Erytheme, Verhärtungen und Schuppungen erreicht.  

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) warnt nun in einer Drug Safety Mail vor möglichen unerwünschten Arzneimittelwirkungen, die laut Daten aus klinischen und vorklinischen Studien sowie gemeldeten Einzelfällen mit einer Secukinumab Therapie im Zusammenhang stehen könnten. Der Fall eines 29-jährigen Psoriasis Patienten, bei dem nach Umstellung der Therapie von Fumarsäure auf Secukinumab schwere Symptome einer CED auftraten, sowie weitere Spontanmeldungen deuten darauf hin, dass es neben der Verschlechterung eines vorbestehenden M. Crohn auch zur Demaskierung einer bislang klinisch inapparent verlaufenden CED kommen kann. Die „Maskierung“ einer CED könnte beispielsweise bedingt sein durch die Vorbehandlung mit einem anderen Immunsuppressivum vor der Behandlung mit Secukinumab. Denkbar wäre laut AkdÄ, dass eine solche Vorbehandlung einen bestehenden M. Crohn mitbehandelt und somit maskiert.

Die Datenlage bezüglich eines Zusammenhangs zwischen Anti-IL-17A-Antikörpern und der Verschlechterung bzw. dem erstmaligen Auftreten einer CED ist derzeit noch begrenzt und wird auch dadurch erschwert, dass Patienten mit einer Psoriasis per se ein höheres Risiko sowohl für M. Crohn als auch für Colitis ulcerosa, als die Normalbevölkerung aufweisen.  

Eine abschließende Beurteilung ist aus diesem Grund zwar noch nicht möglich, die biologische Plausibilität, Ergebnisse aus Tierversuchen sowie die Fallberichte aus klinischen Studien und dem Spontanmeldesystem wird von der AkdÄ dennoch als eindeutiger Hinweis für einen möglichen Kausalzusammenhang gedeutet. Betroffene Patienten sollten daher vor Behandlung mit einem Anti-IL-17A-Antikörper über das mögliche Risiko aufgeklärt und gezielt nach Symptomen einer CED wie (chronisch-rezidivierende Bauchschmerzen und Durchfälle) befragt werden. Wenn der Verdacht auf eine bislang nicht diagnostizierte CED besteht, empfiehlt sich eine entsprechende Diagnostik vor der Gabe eines Anti-IL-17A-Antikörpers. Kommt es unter der Behandlung zu verdächtigen Symptomen, sollte rasch eine Diagnostik eingeleitet werden. Außerdem ruft die AkdÄ dazu auf Verdachtsfälle umgehend zu melden, um weitere Informationen zu diesen Nebenwirkungen zu erhalten.

Quellen:

[1] AkdÄ Drug Safety Mail 2018-18; 9. April 2018: „Aus der UAW-Datenbank“: Induktion und/oder Demaskierung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen unter Secukinumab

[2] Fachinformation Cosentyx®; Novartis Pharma; August 2017

[3] Fachinformation Taltz®; Eli Lilly; Januar 2018

[4] Fachinformation Kyntheum®; Leo Pharma; September 2017