AkdÄ informiert über progrediente interstitielle Lungenerkrankung unter Abirateron

Freitag, den 22. Januar 2016

In der Rubrik „Aus der UAW-Datenbank“ berichtet die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) über einen Fall von progredienter interstitieller Lungenerkrankung (drug-induced interstitial lung disease [DILD]) während einer Behandlung mit Zytiga® (Abirateron).

Das Präparat Zytiga® wird in Kombination mit Prednison oder Prednisolon zur Behandlung von metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinomen bei erwachsenen Männern eingesetzt, bei denen entweder ein asymptomatischer oder mild symptomatischer Verlauf nach Versagen einer Androgenentzugstherapie vorliegt und eine Chemotherapie noch nicht klinisch indiziert ist oder der Krankheitsverlauf während oder nach einer Docetaxel-haltigen Chemotherapie progredient ist.

Abirateron wirkt selektiv hemmend auf das Enzym 17α-Hydroxylase/C17, 20-lyase (CYP17) welches in Hoden-, Nebennieren- und Prostata-Tumorgewebe gebildet wird und für die Androgenproduktion erforderlich ist. Durch die Drosselung der Androgenbiosynthese an verschiedenen Angriffspunkten, senkt Zytiga® die Serumkonzentration von Testosteron und anderen Androgenen effektiver, als durch die alleinige Gabe von LHRH-Analoga oder nach einer Orchiektomie.  Die Hemmung von CYP17 bedingt jedoch auch eine erhöhte Mineralcorticoidproduktion in den Nebennieren, die mit Symptomen wie Hypertonie, Hypokaliämie und Flüssigkeitsretention einhergehen kann. Deshalb erfolgt die Anwendung von Zytiga® in Kombination mit einem Glucocorticoid, um die Ausschüttung von adrenocorticotropem Hormon (ACTH) zu supprimieren und diese Nebenwirkungen abzumildern.

Generell kann eine DILD kann Lungenabschnitte betreffen, am häufigsten ist aber das Lungenparenchym betroffen. Meist kommt es zu einer akut oder subakut verlaufenden Alveolitis, welche potentiell reversibel ist. Im weiteren Verlauf kann dann eine Fibrosierung des Lungengewebes folgen. Daher ist die Diagnose im Frühstadium bedeutend, kann sich jedoch aufgrund der unspezifischen Symptomatik mit Husten, Fieber, Dyspnoe und Hypoxämie als schwierig darstellen. Liegen klinische Symptome und passende Befunde in der Bildgebung vor und können eine dekompensierte Herzinsuffizienz und eine ursächliche Tumor- oder Infektionserkrankung ausgeschlossen werden, sollte die Möglichkeit einer Alveolitis und DILD in Betracht gezogen werden. Bessert sich die klinische Symptomatik nach einem Absetzten der Medikation, kann sich dieser Verdacht erhärten.

Die AkdÄ berichtet nun über den Fall eines 70-jährigen Patienten, der unter einem PSA-progredienten, lokal fortgeschrittenen Prostatakarzinom mit Metastasen in Knochen und Lymphknoten litt. Dieser wurde stationär aufgenommen, nachdem eine zunehmende Belastungsdyspnoe und ein entgleister Diabetes mit Blutzuckerwerten bis 700 mg/dl aufgetreten waren. Zu diesem Zeitpunkt erhielt der Patient seit etwa 18 Monaten eine Therapie aus Abirateron und Prednisolon, welche zur Entwicklung eines Hyperaldosteronismus und Steroid-Diabetes führten. Stationär wurden verschiedenste Untersuchungen (u.a. Lungenfunktionstest, Sauerstoffsättigung, Röntgenthorax, Bronchoskopie, Blutbild und mikrobiologische Untersuchungen) durchgeführt und zunächst eine Antibiotikabehandlung eingeleitet. Der Zustand des Patienten verschlechterte sich weiterhin  und eine nicht-invasive Beatmung wurde erforderlich. Nachdem alle mikrobiologischen Tests negativ ausfielen, wurde auf den Verdacht hin, dass Abirateron der Auslöser einer interstitiellen Lungenerkrankung sein könnte, die Behandlung unterbrochen und eine Stoßtherapie von 500 mg Prednisolon täglich für drei Tage initiiert. Dies führte zu einer Verbesserung der klinischen Symptomatik und zur Beendigung der Beatmung. Nach der Verlegung des Patienten in eine pneumologische Klinik und den dort durchgeführten Untersuchungen blieb der Verdacht auf eine medikamentös ausgelöste Alveolitis bestehen.

Bisher wurden in Deutschland keine weiteren Verdachtsfälle dieser Art in Verbindung mit Abirateron gemeldet. In der Datenbank der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) sind etwa 200 Verdachtsberichte von Nebenwirkungen im Bereich Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und des Mediastinums aufgenommen worden. In 14 Fällen handelte es sich um eine interstitielle Lungenerkrankung. Ein kausaler Zusammenhang kann jedoch bisher nicht abschließend beurteilt werden.

Die AkdÄ empfiehlt bei Auftreten entsprechender Symptome unter der Therapie mit Zytiga® die Differenzialdiagnose einer DILD einzubeziehen und Verdachtsfälle zu melden.

Quellen:

[1] AkdÄ Drug Safety Mail 2016-05; 22. Januar 2016; Aus der UAW-Datenbank: Progrediente interstitielle Lungenerkrankung unter Abirateron (Zytiga®)

[2] Fachinformation Zytiga®; Janssen-Cilag; Juni 2015