Aktualisierte Empfehlungen zur Anwendung von Zydelig® in einem Rote-Hand-Brief

Montag, den 22. August 2016

Über die Ergebnisse einer Sicherheitsüberprüfung von Zydelig® mit dem Wirkstoff Idelalisib informiert das pharmazeutische Unternehmen Gilead Sciences mittels eines Rote-Hand-Briefes in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Das Nutzen-Risiko-Verhältnis für die Indikationen vorbehandelte chronisch lymphatische Leukämie (CLL) und refraktäres follikuläres Lymphom (FL) wird als weiterhin positiv bewertet. Insgesamt beurteilt die EMA jedoch das Risiko für schwerwiegende Infektionen unter Zydelig® für erhöht und ordnet daher Maßnahmen zur Risikominimierung an. 

Auslöser der EU-weiten Untersuchung waren Zwischenergebnisse aus drei klinischen Phase III-Studien, welche ein erhöhtes Auftreten von unerwünschten Ereignissen und Todesfällen durch Infektionen bei mit Idelalisib behandelten Patienten im Vergleich zur Kontrollgruppe aufzeigten. In diesen Studien kam Idelalisib zusätzlich zur standardmäßigen Erstlinientherapie der CLL sowie zur frühen Therapielinie bei indolentem Non-Hodgkin-Lymphom/kleinzelligem lymphozytischen Lymphom (iNHL/SLL) zum Einsatz, d. h. in derzeit nicht zugelassenen Konstellationen. Als ursächliche Erreger für die vermehrten infektionsbedingten Todesfälle konnten u. a. das Cytomegalievirus (CMV) und Pneumocystis jirovecii identifiziert werden.

Nachdem zunächst seitens der EMA empfohlen wurde, eine Therapie mit Zydelig® als Erstlinientherapie der CLL bei Patienten mit 17p-Deletion oder TP53-Mutation während der laufenden Sicherheitsüberprüfung nicht zu beginnen, kann eine Behandlung dieser Patientengruppe nun wieder initiiert werden, sofern keine anderen Therapieoptionen in Frage kommen. Die aktualisierte Indikation lautet nun wie folgt: In Kombination mit Rituximab zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit CLL als Erstlinientherapie bei Vorliegen einer 17p-Deletion oder einer TP53-Mutation bei Patienten, für die keine anderen Therapien geeignet sind. Die weiteren Anwendungsgebiete bleiben unverändert bestehen.

Um das Risiko für schwerwiegende Infektionserkrankungen möglichst gering zu halten, sollten Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden, welche auch in der aktualisierten Fachinformation aufgeführt werden. Eine prophylaktische Behandlung gegen eine Pneumocystis jirovecii-Pneumonie (PJP) aller Patienten sollte während der Zydelig®-Therapie und noch zwei bis sechs Monate nach Therapieende durchgeführt werden. Wie lange die Prophylaxe nach dem Absetzen fortgeführt wird, richtet sich nach den vorhandenen Risikofaktoren der Person, darunter z. B. eine gleichzeitige Behandlung mit Corticosteroiden oder eine vorliegende Neutropenie. Patienten, die eine positive CMV-Serologie zu Behandlungsbeginn oder andere Hinweise auf eine CMV-Infektion in der Anamnese aufweisen, sollten klinisch und mittels Laboruntersuchungen überwacht werden. Dies gilt auch für Patienten, bei denen eine CMV-Virämie ohne Anzeichen einer CMV-Infektion festgestellt wurde. Eine Therapieunterbrechung von Zydelig® sollte in Betracht gezogen werden, sobald eine CMV-Virämie mit klinischen Anzeichen einer CMV-Infektion einhergeht. Nach Abklingen der Infektion kann die Therapie wieder aufgenommen werden, sofern das Nutzen-Risiko-Verhältnis positiv eingeschätzt wird. Eine prophylaktische CMV-Behandlung sollte dann jedoch in Erwägung gezogen werden.

Unverändert bleiben weitere allgemeine Empfehlungen, welche dem Infektionsrisiko entgegenwirken sollen. So soll die Behandlung mit Idelalisib nicht bei Verdacht auf bestehende systemische Infektionen durch Pilze, Bakterien oder Viren begonnen werden und während der Therapie eine Überwachung auf Anzeichen von Atemwegserkrankungen erfolgen. Des Weiteren sind regelmäßige Bestimmungen der absoluten Neutrophilenzahl (ANZ) angezeigt und eine Unterbrechung der Behandlung erforderlich, sobald die ANZ unter 500/mm³ sinkt.

Eine Aufklärung der Patienten bezüglich des Risikos für schwerwiegende und u. U. tödlich verlaufende Infektionserkrankungen unter der Therapie mit Zydelig® sowie dem Hinweis darauf, dass jegliche neu auftretende Anzeichen einer Atemwegserkrankung dem Arzt zu melden sind, sollte durchgeführt werden.

Quellen:

[2] Veröffentlichung EMA; 22. Juli 2016: CHMP confirms recommendations for use of Zydelig® - Patients should be monitored for infection and given antibiotics during and after treatment