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Aktualisierung der Maßnahmen zur Minimierung des PML-Risikos

Freitag, den 11. März 2016

Bereits im Februar wurde durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) über Maßnahmen zur Eindämmung des Risikos, an einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) unter der Behandlung mit Tysabri® zu erkranken, berichtet. Nun möchte die Firma Biogen in Absprache mit der EMA und dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) mittels eines Rote-Hand-Briefes diese Maßnahmen aktualisieren und Empfehlungen aussprechen, wie der Krankheitsausgang bei einer frühzeitigen Erkennung der PML positiv beeinflusst werden kann.

Tysabri® mit dem Wirkstoff Natalizumab ist zugelassen zur Behandlung der hochaktiven, schubförmig remittierenden Multiplen Sklerose (MS). Ein erhöhtes Infektionsrisiko geht durch den immunsuppressiven Wirkmechanismus von Natalizumab mit der Therapie einher. Dadurch steigt die Gefahr an einer PML zu erkranken, welche durch das John-Cunningham-Virus (JCV) hervorgerufen wird und bei immungeschwächten Patienten auftreten kann. Die PML kann tödlich verlaufen oder zu schweren Behinderungen führen.

Zu einem positiven Krankheitsverlauf der PML beitragen kann die frühzeitige Diagnose, idealerweise im asymptomatischen Zustand. Als besonders gefährdet gelten Patienten, die länger als zwei Jahre mit Tysabri® behandelt wurden und entweder anti-JCV-Antikörper positiv sind und bereits zuvor immunsuppressive Medikamente erhalten haben oder einen hohen anti-JVC-Antikörper-Index haben, aber zuvor nicht mit Immunsuppressiva behandelt wurden. Bei diesen Patienten empfehlen sich alle drei bis sechs Monate Untersuchungen im Magnet-Resonanz-Tomographen (MRT). Dabei kann ein verkürztes MRT-Protokoll unter Berücksichtigung bestimmter Parameter wie FLAIR, T2-gewichteter und diffusionsgewichteter Bildgebung, ausreichend sein. Besteht allerdings der Verdacht einer PML, sollte das MRT-Protokoll um eine kontrastverstärkte T1-gewichtete Bildgebung erweitert werden und der Liquor auf das Vorhandensein des JC-Virus untersucht werden.

Bezüglich des anti-JCV-Antikörper-Index bei einer Behandlung mit Tysabri® von mehr als zwei Jahre gilt: bei einem Wert von 0,9 oder weniger ist das Risiko an einer PML zu erkranken gering, ab Werten größer 1,5 erhöht sich das Risiko erheblich. Bei Patienten mit einem negativen anti-JCV-Antikörperstatus oder einem niedrigen Index und ohne vorangegangener Gabe von immunsuppressiv wirkenden Arzneimitteln, sollte ab einer Behandlungsdauer mit Tysabri® von zwei Jahren, der anti-JCV-Antikörper alle sechs Monate kontrolliert werden.

Folgende weitere Maßnahmen können ergriffen werden, um das PML-Risiko zu minimieren:

  1. Vor Beginn der Tysabri®-Behandlung sollten sowohl die Patienten, als auch deren Pflegepersonal, über die Risiken einer PML informiert werden. Dies beinhaltet auch die Aufklärung über mögliche Symptome und die Notwendigkeit der sofortigen Meldung an den betreuenden Arzt bei deren Auftreten. Ebenso sollten ein anti-JCV-Antikörper-Test und eine aktuelle MRT-Aufnahme zu Vergleichszwecken vor Behandlungsbeginn vorliegen.

  2. Solange die Patienten mit Tysabri® behandelt werden, sollte mindestens einmal pro Jahr eine umfassende MRT-Untersuchung erfolgen. Unabhängig davon sollte regelmäßig auf Anzeichen neurologischer Funktionsstörungen geachtet werden. Nach einer Behandlungsdauer von zwei Jahren, sollten die Patienten erneut über das Risiko einer PML informiert werden.

  3. Nach Absetzen von Tysabri® sollten die Patienten und deren Pflegepersonal bezüglich der Anzeichen einer PML wachsam bleiben. Die MRT-Protokolle sollten weitere sechs Monate nach Therapieende geführt werden, da in diesem Zeitraum Fälle von PML bekannt sind.  

Grundsätzlich gilt bei Verdacht einer PML, die Therapie mit Tysabri® sofort zu unterbrechen und entsprechende diagnostische Methoden zur Aufklärung einzuleiten.

Quellen:

[1] Rote-Hand-Brief Tysabri® (Natalizumab); 11. März 2016: Natalizumab (TYSABRI®): Aktualisierung der Maßnahmen zur Minimierung des PML-Risikos
[2] Fachinformation Tysabri®; Biogen; Oktober 2013.