Akutes Leberversagen unter der Therapie mit Methylphenidat

Freitag, den 13. Februar 2015

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) informiert in ihrer Rubrik „Aus der UAW-Datenbank“ über das Risiko für Leberschädigungen bis hin zu akutem Leberversagen unter einer Methylphenidat-Therapie.

Das Psychostimulans Methylphenidat zeigt ausgeprägte Effekte auf die zentrale und motorische Aktivität, die auf einer sympathomimetischen Wirkung (Freisetzung und Wiederaufnahmehemmung von Noradrenalin) sowie bei steigender Konzentration auch auf der Dopaminfreisetzung  und –wiederaufnahmehemmung im Zentralnervensystem beruht. Verwendet wird Methylphenidat vor allem in der Therapie der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) und wird sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen eingesetzt.

Anlass für die Meldung war der Fallbericht eines 16 Jahre alten Jungen ohne somatische Vorerkrankungen, der seit knapp zwei Jahren mit Methylphenidat (Concerta®54 mg Retardtabletten), als einzige Medikation, behandelt wurde. Der Patient entwickelte einen Sklerenikterus und Oberbauchschmerzen, nachdem schon seit einigen Wochen eine leichte Verminderung der Leistungsfähigkeit aufgefallen war. Kurz darauf kam es zu einer schnell fortschreitenden Leberschädigung mit erhöhten Werten an Leberenzymen und Gesamtbilirubin und infolge zu einem akuten Leberversagen. Dieses wurde mittels Plasmapheresen in Kombination mit Hämodialyse behandelt. Der Patient konnte nach etwa fünf Wochen aus der stationären Behandlung entlassen werden. Sämtliche durchgeführte Untersuchungen ergaben keine Hinweise auf Infektionen (z.B. Virushepatitiden, CMV, Varizellen), Substanz-Abusus, Autoimmunerkrankungen oder Stoffwechselstörungen als Ursache für das Leberversagen.

In der Produktinformation zu Concerta® finden sich unter dem Punkt „Nebenwirkungen“ erhöhte Leberenzymwerte als gelegentlich und eine abnormale Leberfunktion einschließlich Leberkoma als sehr selten beobachtete unerwünschte Arzneimittelwirkung. In der Primärliteratur und im deutschen Spontanmeldesystem wurde bisher nur vereinzelt über Leberschädigungen unter Methylphenidat berichtet und in Tierversuchen konnte zwar eine Schädigung unter hohen Dosen gezeigt werden, die Übertragbarkeit auf den Menschen ist jedoch nicht geklärt. Eine europäische Arbeitsgruppe untersuchte 9036 Fälle von Leberschädigungen bei  Kindern, die über das Spontanmeldesystem VigiBase zwischen den Jahren 2000 und 2006 eingegangen waren und führte dabei 96 Fälle auf die Anwendung von Methylphenidat zurück.

Anhand dieser Daten weist die AdkÄ darauf hin, dass es unter der Therapie mit Methylphenidat in sehr seltenen Fällen zu einer Schädigung der Leber kommen kann, vereinzelt bis hin zu einem akuten Leberversagen. Es wird daher empfohlen, nicht nur wegen des Risikos für Leberschädigungen, Methylphenidat gemäß den Angaben in der Produktinformation zu verordnen, die Kontraindikationen einzuhalten und Überdosierungen zu vermeiden. Unter der Therapie sollte auf Symptome einer Leberschädigung geachtet werden und bei Patienten mit vorbestehenden Lebererkrankungen sollte eine regelmäßige Überprüfung der Leberwerte erfolgen.

Quelle: 

Veröffentlichung AkdÄ Drug Safety Mail 02-2015; 13. Februar 2015: Aus der UAW-Datenbank: Akutes Leberversagen unter Methylphenidat-Therapie