Alemtuzumab

Donnerstag, den 29. November 2018

Schwerwiegendes Risiko für Gefäßwandrupturen und Schlaganfall

Mittels Drug Safety Communication informierte die amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) kürzlich über neue Sicherheitserkenntnisse zur Anwendung des Immunsuppressivums Alemtuzumab.
Alemtuzumab, ein rekombinanter, humanisierter monoklonaler humaner Antikörper wird in Europa wie auch den USA bei Erwachsenen zur Therapie der schubförmig-remittierenden Multiplen Sklerose (RR-MS) mit aktiver Erkrankung eingesetzt.
MS ist eine Autoimmunerkrankung, die durch krankhafte Entzündungsprozesse im zentralen Nervensystem (ZNS) zur Schädigung des Gehirns sowie Rückenmarks führt und schwerwiegend körperliche Auswirkungen zur Folge haben kann. Angriffspunkt des Therapeutikums stellt somit auch das Immunsystem, im speziellen die weißen Blutkörperchen, die sog. Lymphozyten dar. Die genaue Wirkweise ist noch nicht vollständig geklärt, jedoch scheint Alemtuzumab eine regulierende Funktion auf diese Zellen und das Immunsystem zu besitzen. Vertrieben als Produkt Lemtrada® kann Alemtuzumab die Betroffen zwar nicht von der Erkrankung MS heilen, jedoch die Anzahl der Schübe senken.

Wie nun bekannt wird, scheint die Anwendung bei erwachsenen MS-Patienten bisher unbekannte Risiken zu bergen. So wurden seit Marktzulassung im Jahre 2014 weltweit insgesamt 13 Fälle ischämischer und hämorrhagischer Schlaganfälle bzw. sogenannter arterieller Dissektionen (Veränderungen der Gefäßwand) unter der Therapie mit Lemtrada® gemeldet. Diese traten, mit einer Ausnahme, alle bereits innerhalb eines Tages nach Einnahme von Alemtuzumab ein.

Die FDA sieht daher Handlungsbedarf, zumal die genannten unerwünschten Wirkungen schwerwiegende Folgen einschließlich bleibender körperlicher Behinderungen oder auch Tod haben können. Produkt- wie auch Gebrauchsinformationen sollen laut Behörde künftig über die Risiken informieren und ein expliziter verstärkter Warnhinweis (sog. Boxed Warning) eingebunden werden.
Neben Lemtrada® gibt es in den USA noch ein weiteres Alemtzumab-haltiges Präparat: Campath®, welches bei der Therapie der chronisch lymphatischen B-Zell-Leukämie (BCLL) Anwendung findet. Auch hier werden die neuen Sicherheitserkenntnisse und Warnhinweise Eingang in die entsprechende Produktinformation finden.

Patienten und deren Betreuern wird dazu geraten sofort medizinische Hilfe aufzusuchen, falls der Patient Anzeichen oder Symptome eines Schlaganfalles oder einer Gefäßruptur im Kopf-Nacken-Bereich aufweist, welche sich wie folgt bemerkbar machen können:
- plötzliche Taubheit und Schwäche in Gesicht, Arme, Beine, insbesondere falls diese einseitig auftritt
- plötzliche Benommenheit, Sprach - oder Verständigungsprobleme
- plötzliche Sehstörungen auf einem oder beiden Augen
- plötzliche Gangunsicherheiten, Schwindel oder Koordinationsschwierigkeiten sowie
- plötzlich auftretende, starke Kopf - oder Nackenschmerzen.

Ärzten und Angehörigen von Gesundheitsberufen wird empfohlen, die Patienten bei jeder Verabreichung von Lemtrada® darauf hinzuweisen sich bei Anzeichen eines Schlaganfalls oder einer Gefäßruptur unmittelbar in ärztliche Hilfe zu begeben. Eine frühzeitige Diagnose wird durch die unspezifische Erscheinung der Kopf- und Nackenschmerzen oft erschwert. Vorstellige Patienten unter Lemtrada®-Therapie sollten daher unverzüglich dahingehend untersucht werden.

Um potentielle Risiken auch in Zukunft schnell identifizieren zu können, werden Ärzte und Angehörige von Gesundheitsberufen sowie Patienten ferner dazu aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden.

Quellen:
[1] FDA Drug Safety Communication; 29. November 2018: FDA warns about rare but serious risks of stroke and blood vessel wall tears with multiple sclerosis drug Lemtrada® (alemtuzumab)
[2] Fachinformation Lemtrada®; Sanofi Belgium; Oktober 2018