Darminvagination nach Rotavirus-Impfung

Dienstag, den 12. Mai 2015

Die Ständige Impfkommission (STIKO) sowie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) informieren über die Möglichkeit einer Impfkomplikation bei der Immunisierung gegen das Rotavirus. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass der französische „Haute Conseil de la Santé Publique“ seine Empfehlung zur Rotavirus-Impfung aufgrund möglicher Darminvagination zurückgenommen hat.

Die Impfung gegen Rotavirus-Gastroenteritis ist in Deutschland seit September 2013 Bestandteil der Standardimpfungen für Säuglinge. Die Schluckimpfung sollte im Alter von 6-12 Wochen begonnen und möglichst bis zum Alter von 16 bzw. 22 Wochen, je nach Impfstoff, abgeschlossen sein. Hierfür stehen in Deutschland zwei Impfstoffe zur Verfügung, Rotarix® und RotaTeq®, die in leicht unterschiedlichen Schemata (Rotarix® zwei Impfdosen; RotaTeq® drei Impfdosen) verabreicht werden.

Die Impfung wird von der STIKO empfohlen, da die häufigste Ursache von kindlichen Gastroenteritiden (Alter < 5 Jahre) auf die Infektion mit dem Rotavirus zurückgeführt werden kann und auch wenn es nur äußerst selten zu Todesfällen kommt, so werden doch in Deutschland mindestens 20 000 Kinder unter fünf Jahren jährlich stationär wegen Rotavirus-Gastroenteritis behandelt.

Bereits bei Aufnahme der Rotavirus-Impfung in die Impfempfehlungen war bekannt, dass diese mit einem geringfügig erhöhten Risiko für Darminvagination, also die Einstülpung eines proximalen (oberen) in den distalen (unteren) Darmanteil in Verbindung gebracht wird. Vor allem bei Vorliegen von weitere Faktoren, wie z.B. Meckel-Divertikeln, Vergrößerung der Peyer-Plaques und weiteren die Darmmotilität beeinflussenden Zuständen, kann dieses Risiko weiter erhöht sein. In Deutschland wurden bisher 82 Fälle einer Darminvagination aufgezeichnet, die in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Rotavirus-Immunisierung stehen, von denen 68 der Kinder wieder vollständig genesen sind. Bei den anderen lagen oft weitere Risikofaktoren vor, die Komplikationen oder ein verstärktes Krankheitsbild bedingten.

Dabei steigt das Risiko einer Invagination, welches vor allem in den ersten Wochen nach der ersten Impfung am höchsten ist, mit dem Alter der Impflinge. Aus diesem Grund ist die Immunisierung möglichst früh zu beginnen und die Eltern sind darauf hinzuweisen, dass die geimpften Kinder besonders in den Wochen nach der ersten Impfung besonders auf Symptome hin zu beobachten sind, die auf einen Darmverschluss hindeuten könnten, z.B. starke Bauchschmerzen, andauerndes Erbrechen oder blutige Stühle. Werden diese Anzeichen beobachtet, so sollten die Eltern nicht zögern, die Kinder einem Arzt vorzustellen um die Ursachen abzuklären und eine Impfkomplikation auszuschließen.

Quellen:
[1] Information PEI; 11. Mai 2015; Information des Paul-Ehrlich-Instituts zu Fällen von Darminvagination nach Impfung gegen Rotavirus-Gastroenteritis
[2] Mitteilung STIKO; 12. Mai 2015; Mitteilung der Ständigen Impfkommission (STIKO) zur Rotavirus-Impfung
[3] Epidemiologisches Bulletin Nr. 35/2013; Robert Koch-Institut; 2. September 2013