Erhöhte Rezidivrate hämatologischer Malignome und erhöhte Mortalität

Freitag, den 04. Mai 2018

Azithromycin

Die Arzneimittelkomission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) informierte zuletzt über die Veröffentlichung eines Rote-Hand-Briefes des pharmazeutischen Herstellers Pfizer zu Azithromycin-haltigen Arzneimitteln. In Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) wie auch der in Deutschland zuständigen nationalen Arzneimittelbehörde wurde bekannt gegeben, dass Azithromycin, eingesetzt bei Patienten nach hämatopoetischer Stammzelltransplantation (HSZT), mit einer erhöhten Rezidivrate hämatologischer Malignome und einer erhöhten Mortalität assoziiert sein könnte.

Azithromycin, ein Makrolid-Antibiotikum wird eingesetzt zur Behandlung diverser Infektionen; dazu zählen sowohl Infektionen im Hals-Nasen-Ohren Bereich als auch Infektionen der unteren Atemwege sowie Haut- und Weichteilinfektionen oder unkomplizierte Genitalinfektionen mit Chlamydien oder Gonorrhoe-Erregern.

In der klinischen Studie ALLOZITHRO sollte nun die immunmodulatorische Wirkung eines prophylaktischen Einsatzes bei Patienten mit allogener HSZT aufgrund von hämatologischen Malignomen untersucht werden. Konkret sollte erforscht werden, ob mittels frühzeitiger Gabe von Azithromycin das Überleben ohne Verschlechterung des Luftstroms zwei Jahre nach einer HSZT im Vergleich zu Placebo bei diesen Patienten verbessert werden kann (primärer Endpunkt) und somit das sog. Bronchiolitis-obliterans-Syndrom (BOS) vermieden werden kann. Dazu wurden zwischen Februar 2014 und August 2015 insg. 480 Studienteilnehmer randomisiert, welche entweder dreimal wöchentlich 250 mg Azithromycin (n=243) oder Placebo (n=247) erhielten. Im Dezember 2016, 13 Monate nach Abschluss der Patientenaufnahme wurde die Studie jedoch abgebrochen. Hintergrund war eine Zwischenauswertung durch einen unabhängigen Datenüberwachungsausschuss (DSMB), welcher bei Prüfung der verblindeten Daten eine Diskrepanz zwischen der Anzahl der hämatologischen Rezidive unter den beiden Behandlungsgruppen feststellte. Der Ausschuss zog den Schluss, dass eine präventive Azithromycin-Behandlung bei Patienten nach allogener HSZT zur Behandlung hämatologischer Malignome zu einer erhöhten Mortalität ohne Verschlechterung des Luftstroms im Vergleich zu Placebo führte. Die Aussagekraft dieser Ergebnisse wird allerdings aufgrund des vorzeitigen Studienabbruches und anderer Faktoren eingeschränkt. Laut Aussage der Autoren, müsste die potentielle Gesundheitsschädigung durch Rezidive weiter untersucht werden.

Der pharmazeutische Hersteller Pfizer sah die Evidenz dennoch als ausreichend genug, um ein erhöhtes Risiko für Rezidive eines hämatologischen Malignoms bei einer (Off-label)-Langzeitbehandlung mit Azithromycin nach einer HSZT abzuleiten. Die Sicherheit einer prophylaktischen Langzeitbehandlung mit Azithromycin wird in dieser Patientengruppe daher als fraglich eingestuft.
Betreffend andere Patientenpopulationen bzw. innerhalb der bereits zugelassenen Indikationen scheint sich nach Analyse sämtlicher derzeit verfügbarer, relevanter Daten laut Hersteller keine Evidenz für ein solches Risiko ausmachen zu lassen.

Angehörige von Gesundheitsberufen werden aufgefordert Verdachtsfälle von Nebenwirkungen an den Zulassungsinhaber zu melden.


Quellen:
[1] AkdÄ Drug Safetey Mail 20-2018; 04. Mai 2018: Rote-Hand-Brief zu Azithromycin: Erhöhte Rezidivrate für hämatologische Malignome und Mortalität bei Patienten nach hämatopoetischer Stammzelltransplantation (HSZT)
[2] Rote-Hand-Brief Azithromycin Pfizer; 02.Mai 2018: Azithromycin: Erhöhte Rezidivrate für hämatologische  Malignome und Mortalität bei Patienten nach  hämatopoetischer  Stammzelltransplantation (HSZT) unter Azithromycin
[3] Fachinformation Zithromax® 250/500 mg Filmtabletten; Pfizer; November 2017