Erhöhte Rhabdomyolysegefahr durch Interaktion von Simvastatin und Amiodaron

Montag, den 20. Februar 2017

Mittels einer  Drug Safety Mail möchte die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) auf eine relevante Interaktion aufmerksam machen, welche im Alltag womöglich nicht immer berücksichtigt wird.
Durch die gleichzeitige Anwendung von Simvastatin und Amiodaron kann sich das Rhabdomyolyserisiko erhöhen, was folgendes aktuelles Fallbeispiel illustrieren soll.
Eine multimorbide (Hyperlipidämie, arterieller Hypertonie, koronarer Herzkrankheit, Vorhofflimmern) 71-jährige Patienten erhielt gegen ihre Erkrankungen über Jahre Ramipril, Metoprolol und Simvastatin (40mg proTag). Nachdem die Frau über vier Wochen lang zusätzlich zu ihrer bestehenden Medikation täglich 200mg Amidaron und 20mg Rivaroxaban einnahm, entwickelte sich bei ihr eine Rhabdomyolyse mit einer Kreatinkinase (CK) von über 30.0000 U/l und ein Myoglobin von über 12.000 µg/l.
Die Patientin musste daraufhin zehn Tage lang stationär behandelt werden und erst nach Abbruch der Therapie entwickelten sich CK-und Myoglobinwerte zurück.
Die behandelnden Ärzte vermuten eine Wechselwirkung zwischen dem Cholesterin-Synthese-Hemmer Simvastatin und dem Antiarrhythmikum Amiodaron. Amiodaron kann die Verstoffwechselung mancher Statine über ein bestimmtes Enzym in der Leber hemmen, was die Konzentration der betroffenen Cholesterinsenker im Körper ansteigen lässt und damit auch deren Risiko von bekannten Nebenwirkungen wie Rhabdomyolyse.
Bei einer Rhabdomyolyse kann sich die quergestreifte Skelett- und Herzmuskulatur auflösen, was sich wiederrum in Muskelschwäche- und schmerzen bei den Betroffenen bemerkbar macht. Labordiagnostisch äußert sich die unerwünschte Arzneimittelwirkung insbesondere durch erhöhte CK- und Myoglobinwerte. Die Erkrankung kann im schlimmsten Fall tödlich enden und bedarf in jedem Fall ärztlicher Behandlung.
Obwohl die Wechselwirkung in den jeweiligen Fachinformationen der interagierenden Arzneimittel aufgeführt ist, werden laut Auswertung von US- Verordnungszahlen, knapp die Hälfte der Amiodaron- Patienten gleichzeitig mit einem Statin behandelt.
In einer Studie wurde das Risiko durch sieben Fälle von Rhabdomyolyse bei Patienten mit der Kombination von Amiodaron und 80mg Simvastatin täglich bestätigt.
Lässt sich eine Kombination mit Amiodaron nicht vermeiden, so muss die Dosis von einigen Statinen reduziert werden: die maximale Tagesdosis von Simvastatin ist auf 20mg pro Tag anzupassen, den Cholesterin-Synthese-Hemmer Lovastatin betreffend sollten maximal 40mg pro Tag angewendet werden. Im Fall von Atorvastatin wird eine erniedrigte Maximaldosis erwogen und die Patienten sollten während der gleichzeitigen Therapie beobachtet werden.
Die AkdÄ empfiehlt deshalb, wenn möglich auf andere Statine zu wechseln, deren Metabolismus nicht signifikant durch Amiodaron gehemmt wird. Hierzu zählen Pravastatin, Fluvastatin, Rosuvastatin oder Pitavastatin.


Quellen:
[1] AkdÄ Drug Safety Mail 2017-06: 20 Februar 2017: Rhabdomyolyse durch Interaktion von Simvastatin und Amiodaron
[2] Fachinformation Cordarex®; Sanofi-Aventis; Februar 2016
[3] Fachinformation SimvaHexal®; Hexal; Juni 2016
[4] Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch; 260. Auflage; Berlin; de Gruyter; 2004
[5] Arznei- Aktuell App; Programmversion 2.3.6; Datenstand 01.01.2017