Erhöhte Sterblichkeitsrate durch Infektionen bei Saxagliptin-Anwendung?

Donnerstag, den 25. Juni 2015

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informiert über eine Untersuchung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) die eingeleitet wurde, nachdem im Rahmen der kardiovaskulären Studie SAVOR in Bezug auf die Saxagliptin-Therapie Auffälligkeiten entdeckt wurden. 

Die französische Arzneimittelbehörde (ANSM) berichtet, dass es im Rahmen der SAVOR (Saxagliptin Assessment of Vascular Outcomes Recorded in Patients with Diabetes Mellitus) Studie möglicherweise bei mit Saxagliptin behandelten Patienten, im Vergleich zu Placebo zu einer erhöhten Sterblichkeit aufgrund von Infektionen gekommen war. In einer aktuellen Auswertung der Daten bezüglich des Betrachtungszeitraumes bis sieben Tage nach Medikationsende wurde eine statistisch auffällige Häufung von Todesfällen unter Behandlung mit Saxagliptin gegenüber der Vergleichsgruppe gefunden. Diese Auffälligkeit zeigte sich jedoch ausschließlich für diesen Betrachtungszeitraum. Die häufigsten Todesursachen innerhalb der Studie waren kardiovaskuläre Ereignisse; Das zahlenmäßige Ungleichgewicht in der Sterblichkeit wurde in erster Linie den Infektionen, darunter Lungenentzündungen und Sepsis, zugeschrieben.

Das Antidiabetikum Saxagliptin ist als Monotherapeutikum (Onglyza®) oder in Kombination mit Metformin (Komboglyze®) erhältlich und wird angewendet bei erwachsenen Patienten zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle eines Typ-2-Diabetes mellitus, wenn nicht-medikamentöse und andere medikamentöse Maßnahmen den Blutzuckerspiegel nicht ausreichend kontrollieren können. Es kann sowohl als Monotherapie, zusätzlich zu diätetischen Maßnahmen und Bewegung verordnet werden, wenn Metformin nicht vertragen wird oder kontraindiziert ist, aber auch in Kombination mit verschiedenen anderen Antidiabetika, wobei die nicht-medikamentösen Maßnahmen immer Bestandteil der Behandlung sind. 

Saxagliptin, ein hochpotenter, selektiver, reversibler, kompetitiver Hemmstoff der Dipeptidyl-Peptidase-4 (DPP-4) wirkt über 24 Stunden und führt nach oraler Glukoseaufnahme zu einem 2- bis 3-fachen Anstieg aktiver Inkretinhormone  (GLP-1 und GIP), einer Abnahme der Glucagon-Konzentration und zu einer erhöhten Sensitivität der Glucose-abhängigen β-Zellen. Es kommt dadurch zu einer erhöhten Insulin-Ausschüttung. Die Einnahme von Saxagliptin trägt durch eine Erniedrigung des postprandialen Glucose-Anstiegs zu einer verbesserten Blutzuckerkontrolle bei.

Ob wirklich ein Kausalzusammenhang zwischen der erhöhten Sterblichkeit aufgrund von Infektionen und der Anwendung von Saxagliptin innerhalb der Studie besteht oder ob es sich um einen auswertungsbedingten – oder einen Zufallsbefund handelt, ist noch nicht geklärt. Weitere Daten zur Studie wurden angefordert und werden aktuell auf europäischer Ebene diskutiert, woran auch das BfArM beteiligt ist.

Die ANSM wird die Sicherheit des Gebrauchs von Saxagliptin weiterhin aufmerksam überwachen bzw. ermitteln und empfiehlt der Ärzteschaft sowohl bei Neuverordnungen als auch bestehenden Behandlungen, die jeweiligen Produktinformationen und die darin aufgeführten Sicherheitsinformationen bezüglich der Risiken für Herzinsuffizienz und Infektionen zu berücksichtigen. Zusätzlich erinnert die ANSM daran, dass alle unerwünschten Effekte einer Medikation unverzüglich gemeldet werden sollen. Patienten sollten jedoch die Therapie mit Saxagliptin nicht unterbrechen ohne dies mit ihrem behandelnden Arzt abgesprochen zu haben.

Quellen: 

[1] Veröffentlichung BfArM; 25. Juni 2015: Saxagliptin: EMA untersucht Auffälligkeiten bei großer kardiovaskulärer Studie (SAVOR)

[2] Veröffentlichung ANSM; 24.Juni 2015: Saxagliptine (Onglyza® et Komboglyze®): analyses complémentaires sur le risque de mortalité par infection - données de l’étude SAVOR - Point d'Information

[3] Fachinformation Onglyza® 2,5mg/5mg Filmtabletten; AstraZeneca; Oktober 2014