Erhöhtes Risiko diabetischer Ketoazidosen durch SGLT-2-Hemmer

Mittwoch, den 26. September 2018

Typ 2 -Diabetes mellitus

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) warnt aktuell via Drug Safety Mail vor dem Risiko einer atypischen diabetischen Ketoazidose, das mit der Einnahme von Gliflozinen bei Diabetes mellitus assoziiert wird. Die Stoffwechselerkrankung, die sich durch erhöhten Blutzuckerspiegel auszeichnet, ist vor allem in den westlichen Industrieländern weit verbreitet. Für die Therapie stehen insbesondere für den Typ 2-Diabetes etliche Wirkstoffklassen mit zahlreichen Vertretern auf dem Arzneimittelmarkt zur Verfügung. Besonders der Einsatz von Gliflozinen ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Die Arzneistoffklasse umfasst in Deutschland derzeit die Substanzen Dapagliflozin, Empagliflozin und Ertugliflozin.

Um den erhöhten Blutzuckerspiegel zu kontrollieren, sind Gliflozine ergänzend zu Diät und Bewegung als Monotherapie oder in Kombination mit anderen blutzuckersenkenden Arzneimitteln bei erwachsenen Patienten mit Typ 2-Diabetes indiziert. Gliflozine hemmen selektiv und reversibel den Natrium-Glucose-Cotransporter 2 (SGLT-2), welcher den Haupttransporter für die Reabsorption von Glucose aus dem glomerulären Filtrat zurück in den Kreislauf darstellt. Auf diese Weise wird die renale Glucose-Rückresorption gesenkt und die Glucose-Ausscheidung mit dem Harn gefördert, was eine Verbesserung sowohl der Nüchtern- als auch der postprandialen Blutzuckerspiegel zur Folge hat.

Unerwünschte Wirkungen der Gliflozine sind unter anderem Infektionen der Harnwege, genitale Infektionen wie Vaginitis und Balanitis, Volumenmangel, verstärkte Harnausscheidung und Dysurie. Auch seltene Fälle von Gliflozin-assoziierten Ketoazidosen wurden berichtet. Als mögliche Ursache hierfür könnten Änderungen des Gleichgewichts von Insulin und Glukagon durch den Verlust von Glukose über den Urin sowie weitere Effekte der Gliflozine an der Bauchspeicheldrüse und auf die renale Ausscheidung von Ketonkörpern in Frage kommen.

Das Risiko einer Ketoazidose sei laut AkdÄ erhöht in Situationen mit vermehrtem Insulinbedarf, wie z. B. bei größeren Operationen, niederkalorischen Diäten oder akuten schweren Erkrankungen, aber auch bei relativem Insulinmangel, etwa durch Aussetzen bzw. Reduktion einer Insulindosis. In diesen Situationen wird daher ein vorübergehendes Pausieren der Gliflozineinnahme empfohlen. Nach chirurgischen Eingriffen kann die Behandlung fortgesetzt werden, wenn der Patient klinisch stabil und normhydriert ist und eine normale Ernährung toleriert.

Eine Ketoazidose sollte insbesondere beim Auftreten von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Anorexie, Bauchschmerzen, starkem Durst, Schwierigkeiten beim Atmen, Verwirrtheit, ungewöhnliche Müdigkeit oder Schläfrigkeit in Betracht gezogen werden. Patienten sollen angewiesen werden, in diesem Fall umgehend einen Arzt hinzuzuziehen. Die Diagnose einer Gliflozin-assoziierten Ketoazidose erfolgt über den Nachweis von Ketonkörpern, pH-Werten unter 7,3, einem Serumbicarbonatspiegel von bis zu 15 mmol/l sowie einer Anionenlücke über 12 mmol/l und wird dadurch erschwert, dass der Blutzucker nur mäßig erhöht oder sogar normal sein kann. Wurde ein Verdacht auf eine Ketoazidose bestätigt, muss die Behandlung mit Gliflozinen sofort abgesetzt werden und sollte nur dann wieder aufgenommen werden, wenn ein anderer eindeutiger auslösender Faktor für die Ketoazidose festgestellt und beseitigt wurde.

Etwa 50 Verdachtsfälle von Gliflozin-assoziierter diabetischer Ketoazidosen wurden der AkdÄ bislang im Rahmen eines Spontanmeldesystems berichtet. Weitere Verdachtsfälle oder Nebenwirkungen in Verbindung mit einer Gliflozinbehandlung sollen ebenfalls an die AkdÄ gemeldet werden.

Quellen:

[1] AkdÄ Drug Safety Mail 2018-54; 24. September 2018: Aus der UAW-Datenbank: Atypische diabetische Ketoazidosen im Zusammenhang mit SGLT-2-Hemmern (Gliflozine)

[2] Fachinformation Forxiga®; AstraZeneca; Oktober 2017