FDA fordert verschärfte Sicherheitshinweise auf Opioid-haltigen Schmerzmitteln

Dienstag, den 22. März 2016

Opioid-haltige Schmerzmittel werden aufgrund ihrer starken Wirkung dort eingesetzt, wo andere Schmerztherapien an ihr Limit stoßen. Neben Risiken wie Missbrauch, Abhängigkeit und Überdosierungen bergen sie die Gefahr, mit einer Vielzahl anderer Arzneimittel potentiell gesundheitsschädliche Wechselwirkungen einzugehen, wovor bisher laut Amerikanischer Zulassungsbehörde (FDA) nur unzureichend gewarnt wird. Ebenfalls wurde von eingeschränkten Nebennierenrindenfunktionen und verringerten Sexualhormonspiegeln im Zusammenhang mit deren Einnahme berichtet. Die FDA fordert nun deshalb eine verschärfte Kennzeichnung dieser Arzneimittel-Gruppe hinsichtlich dieser Sicherheitsrisiken.

Opioide können mit Antidepressiva und Migränetherapeutika interagieren und unter Umständen zu dem sog. Serotonin-Syndrom führen. Dabei handelt es sich um einen akut lebensbedrohlichen Zustand, der durch eine vermehrte Anreicherung von Serotonin im Gehirn und der damit verbundenen Toxizität dieses Stoffes zustande kommt. Speziell im Zusammenhang mit der therapeutischen Anwendung der beiden Opioide Fentanyl und Methadon wurde im Rahmen des FDA Adverse Event Reporting System (FAERS) vermehrt über das Auftreten des Serotonin-Syndroms berichtet. Nachdem allerdings auch andere Opioide mit einer Erhöhung des Serotoninspiegels in Verbindung gebracht werden können bzw. bei einigen Wirkstoffen wie z.B. Tramadol und Tapentadol bereits ein Warnhinweis dazu existiert, wird künftig unter den Rubriken Wechselwirkungen und unerwünschte Wirkungen aller Opioid-bezogener Produktinformationen auf diese lebensbedrohliche Nebenwirkung verwiesen werden.

Patienten, die bereits mit opioiden Schmerzmitteln wie z.B. Fentanyl, Tramadol, Morphin oder Codein behandelt werden und gleichzeitig Serotoninspiegel erhöhende Medikamente wie z. B. Citalopram, Venlafaxin, Amitriptilin oder Johanniskrautpräparate einnehmen, sollten über das Serotonin-Syndrom aufgeklärt werden. Treten Symptomen wie Agitation, Halluzinationen, Fieber, Übelkeit und Tachykardie auf, so ist schnellstmöglich der behandelnde Arzt aufzusuchen. Die Anzeichen können innerhalb von Stunden, aber auch Tagen nach der zeitgleichen Einnahme eintreten, v.a. nach Dosissteigerung besteht ein erhöhtes Risiko.

Außerdem kann es unter der Therapie mit Opioid-haltigen Schmerzmitteln zu einer nicht mehr ausreichenden Produktion an Cortisol in den Nebennieren kommen. Dieser körpereigene Stoff wird v.a. in Stresssituationen ausgeschüttet. Darin begründet, fordert die FDA eine Kennzeichnung der Präparate mit dem Hinweis auf eine mögliche Nebenniereninsuffizienz.
Symptome einer eingeschränkten Nebennierenfunktion können sein Übelkeit, Appetitsverlust, Müdigkeit, Schwäche- und/ oder Schwindelgefühl oder Hypotonie. Patienten, die eines dieser Symptome während einer Therapie mit Opioiden erfahren, sollten daher medizinischen Rat einholen.

Wie die FDA aus bereits veröffentlichten Studien zusätzlich feststellte, kann der Langzeitgebrauch von Opioiden möglicherweise zu einer Absenkung des Sexualhormonspiegels führen, was mit einer verminderten Libido, erektiler Dysfunktion, Impotenz, Ausbleiben der Monatsblutung oder Infertilität einhergehen kann. Die Beurteilung, ob diese Symptome alleinig von der Einnahme der Opioide ausgehen, oder ob noch andere Faktoren eine Rolle spielen, ist jedoch schwierig. Da bereits in manchen Opioid-haltigen Medikamenten ein Sicherheitshinweis aufgeführt ist, möchte die FDA den Hinweis unter der Rubrik Unerwünschte Wirkungen nun für alle Opioide vereinheitlichen. Sollte bei Patienten eine der vorher genannten Nebenwirkungen auftreten, sollen sie sich an ihren behandelnden Arzt wenden.


Quelle:
[1] FDA Drug Safety Mail; 22. März 2016: Opioid Pain Medicines: Drug Safety Communication - New Safety Warnings Added to Prescription Opioid Medications
[2] FDA Drug Safety Communication; 22. März 2016: FDA Drug Safety Communication: FDA warns about several safety issues with opioid pain medicines; requires label changes