FDA verschärft Warnhinweise bei systemischen Fluorchinolon - Antibiotika

Dienstag, den 26. Juli 2016

Wie bereits im Mai dieses Jahres berichtet (Pharmakovigilanzmeldung vom 12.05.2016) äußerte die amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) jüngst Bedenken gegenüber der Anwendung und den Nebenwirkungen peroral und invasiv verabreichter Fluorchinolon-Antibiotika.

Fluorchinolone (z.B. Ciprofloxacin, Moxifloxacin) gehören zu der Antibiotikaklasse der Gyrase-Hemmer und besitzen ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten. Insbesondere im Bereich der Atem- und Harnwegsinfektionen, aber auch bei Infektion des Gastrointestinal- oder Genitaltraktes finden die bakteriziden Antibiotika Verwendung.
Ihr Einsatz kann allerdings mit einer Reihe von Nebenwirkungen, wie Photosensibilisierung, Beschwerden des Bewegungsapparates mit Sehnen-, Muskel- und Gelenkbeteiligung als auch psychotischen Reaktionen, einhergehen. Weitere schwerwiegende Nebenwirkungen, einschließlich Krampfanfälle, Suizidversuche und QT-Zeit-Verlängerungen, führten schon zu entsprechenden Hinweisen in den jeweiligen Fachinformationen.
Bereits 2013 wies die FDA nach eingehender Beurteilung der damaligen Datenlage auf mögliche irreversible, periphere neuropathische Schäden unter Fluorchinolon-Therapie hin. Die folgende, kürzlich abgeschlossene Auswertung weiterer Post-Marketing-Berichte des Zeitraums von November 1997 bis Mai 2015 stützt die Annahme eines Risikos für irreversible Schäden nun ebenso: bei gesunden Patienten wurden demnach bei systemischer Anwendung von Fluorchinolonen vermehrt potentiell dauerhafte und behindernde Nebenwirkungen registriert, welche meist die Skelettmuskulatur sowie das periphere und zentrale Nervensystem betrafen.
Die durchschnittliche Dauer dieser schwerewiegenden Nebenwirkungen lag dabei bei 14 Monaten; neun Jahre wurden als längster andauernder Zeitraum beschrieben. In einigen Fällen wurde nach Absetzen des Antibiotikums über eine Verbesserung oder Heilung berichtet, jedoch gab es auch Fälle, die von einer Verschlechterung des Zustands bis hin zu permanenter Schädigung reichten.
Laut FDA kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass die möglicherweise auftretenden behindernden Nebenwirkungen von Dauer sind, weshalb nun auch das sog. „Boxed Warning“, der stärkste Warnhinweis der FDA, wie auch weitere Teile der amerikanischen Produktinformationen diesbezüglich aktualisiert werden.
Patienten wird geraten bei etwaigen Symptomen wie sonderbaren Gelenk- oder Sehnenschmerzen, Muskelschwäche, Empfindungsstörungen oder Taubheitsgefühl in Armen und Beinen, die während einer Therapie mit Fluorchinolonen auftreten, unverzüglich medizinischen Rat aufzusuchen.

Ergänzend zu den verschärften Warnhinweisen wird ferner die Indikation der sytemischen Fluorchinolon-Antibiotika aufgrund des ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses aktualisiert. Fortan sollten diese nur noch als Reserveantibiotika u.a. im Falle der akuten bakteriellen Sinusitis, der akuten bakteriellen Exazerbation einer chronischen Bronchitis sowie der unkomplizierten Harnwegsinfekte angewendet werden, falls den betroffenen Patienten keine anderen Therapieoptionen zur Verfügung stehen. Denn nur in diesen Fällen und Ausnahmefällen einiger schwerer bakterieller Infektionen sieht die FDA den Nutzen der Fluorchinolone noch deren Risiken überwiegen.
Von den Aktualisierungen betroffen sind die derzeit auf dem amerikanischen Markt erhältlichen Präparate Avelox® (Moxifloxacin), Factive® (Gemifloxacin), Levaquin® (Levofloxacin) sowie Ciprofloxacin- und Ofloxacin-Präparate.

Die Sicherheitsthematik wird seitens der FDA weiter untersucht und die Öffentlichkeit im Falle neuer Erkenntnisse informiert werden. Angehörige der Gesundheitsberufe sind daher weiterhin angehalten Nebenwirkungen, die unter Gyrase-Hemmer-Therapie auftreten an die FDA zu melden.

Quellen:
[1] FDA Drug Safety Communication; 26. Juli 2016: FDA updates warnings for oral and injectable fluoroquinolone antibiotics due to disabling side effects
[2] FDA Drug Safety Communication; 12. Mai 2016: FDA advises restricting fluoroquinolone antibiotic use for certain uncomplicated infections; warns about disabling side effects that can occur together
[3] Fachinformation Ciprobay® 250mg Filmtabletten; Bayer; Juli 2015