FDA verschärft Warnungen bezüglich des Auftretens von akutem Nierenversagen im Zusammenhang mit SGLT2-Inhibitoren

Dienstag, den 14. Juni 2016

Wie die Amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) mitteilte, wurden die bereits bestehenden Warnhinweise über ein akutes Nierenversagen im Zusammenhang mit der Einnahme von Canagliflozin bzw. Dapagliflozin in den jeweiligen Produktinformationen verschärft und Empfehlungen gegeben, um das Risiko des Auftretens dieser schwerwiegenden Nebenwirkung zu minimieren. Die Arzneimittel werden bei Typ 2 Diabetes mellitus zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle eingesetzt, wenn Diät und Bewegung allein nicht ausreichend helfen. Sie können sowohl als Monotherapie, als auch zusammen mit anderen Antidiabetika, einschließlich Insulin, verwendet werden.

Beide Wirkstoffe sind potente, selektive und reversible Inhibitoren des Natrium-Glucose-Cotransporters 2 (sodium-glucose cotransporter-2, SGLT2), wovon nur einer, Dapagliflozin (Forxiga®), in Deutschland erhältlich ist. In den USA sind beide Antidiabetika unter den Produktnamen Invokana® (Canagliflozin) und Farxiga® (Dapagliflozin) auf dem Markt.

SGLT2 wird in der Niere exprimiert und ist hauptverantwortlich für die Rück-Resorption von renaler Glucose in den Kreislauf. Inhibitoren dieses Transporters bewirken eine Senkung dieser Reabsorption und eine vermehrte Ausscheidung von Glucose durch den Urin. Mit Hilfe dieses selektiven Mechanismus können bei Diabetikern sowohl die Nüchtern-, als auch die postprandialen Plasma-Glucosespiegel gesenkt werden.   

Seit der Zulassung von Canagliflozin in Amerika im März 2013 erhielt allein die FDA über 100 Berichte über Fälle von akutem Nierenversagen im Zusammenhang mit der Einnahme von Canagliflozin oder Dapagliflozin, wovon der Großteil Krankenhausaufenthalte oder Dialysen erforderlich machten.
Deshalb werden Ärzte nun dazu aufgefordert, prädisponierende Faktoren für akutes Nierenversagen, wie ein vermindertes Blutvolumen, chronische Niereninsuffizienz, Herzinsuffizienz oder Comedikationen mit z.B. Diuretika, Blutdruck-senkendenden Arzneimitteln wie ACE-Hemmer oder nicht-steroidalen Entzündungshemmer (NSAIDs) ihrer Patienten zu berücksichtigen, bevor sie eine Behandlung mit den SGLT2-Inhibitoren beginnen. Darüber hinaus wird empfohlen die Nierenfunktion sowohl vor Behandlungsbeginn, als auch während der Behandlung regelmäßig zu überprüfen. Sobald erste Symptome von akuten Nierenversagen auftreten, muss die Therapie sofort beendet und die Nierenerkrankung behandelt werden.

Patienten sollten mit den Symptomen eines akuten Nierenversagens vertraut gemacht werden. Diese beinhalten z.B. reduzierte Urinausscheidung oder geschwollene Füße. Wenn die Niere plötzlich das Arbeiten aufhört und sich Schadstoffe im Körper anreichern können, stellt dies einen bedrohlichen Zustand dar. Allerdings wird Patienten davon abgeraten, eigenmächtig ihre Medikation abzusetzen, da unkontrollierte Blutzuckerspiegel ebenfalls zu lebensbedrohlichen Situationen führen können, weshalb die Absprache mit ihrem behandelnden Arzt zwingend notwendig ist.  

Empfehlungen zu der Anwendung von Forxiga® bei Nierenfunktionsstörungen werden bereits auch in der entsprechenden deutschen Fachinformation des pharmazeutischen Herstellers AstraZeneca gegeben.


Quellen:
[1] FDA Drug Safety Communication; 14. Juni 2016: FDA strengthens kidney warnings for diabetes medicines canagliflozin (Invokana, Invokamet) and dapagliflozin (Farxiga, Xigduo XR)
[2] Fachinformation Forxiga®; AstraZeneca; Oktober 2014
[3] Produktinformation (FDA) Invokana®; Janssen Cilag; Mai 2016