FDA warnt– Schwerwiegende Herzprobleme nach Loperamid- Missbrauch und Fehlanwendung

Dienstag, den 07. Juni 2016

Mittels Drug Safety Communication weist die amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) aktuell eindringlich auf die, insbesondere das Herz betreffenden, Gefahren einer missbräuchlichen oder falschen Anwendung zu hoher Loperamid-Dosen hin.

Loperamid-haltige Präparate wie Imodium® zur symptomatischen Behandlung des akuten Durchfalls ab 12 Jahren, fehlen als typische over-the-counter Arzneimittel in fast keiner Reise- oder Hausapotheke. Liegt ein unproblematischer, nicht länger als zwei Tage andauernder Durchfall vor, dessen Ursache z.B. auf Grund einer Reise nicht anders behandelt werden kann, so wird gerne auf das Anitdiarrhoikum zurückgegriffen.
Gerade deshalb ist jedoch auch auf die damit verbunden Risiken zu achten und eine missbräuchliche Anwendung auszuschließen. Denn nicht nur der an Durchfall erkrankte Patient verschafft sich mit Loperamid Erleichterung; immer wieder kommt es auch zu bewusstem Missbrauch und gezielter Überdosierung des Arzneimittels – nicht ohne Folgen.
 
Innerhalb von fast 40 Jahren (1976 bis 2015), seit Zulassung von Loperamid in den USA, wurden der FDA 48 Berichte über schwere, mit der Anwendung von Loperamid-assozierte Herzprobleme gemeldet . In 31 der 48 Fälle war eine Krankenhauseinweisung nötig und in 10 Fällen verstarben die Patienten. Mehrheitlich waren Patienten betroffen, die den Wirkstoff in wesentlich höheren Dosen als empfohlen angewendet hatten. In anderen Fällen wurde sich zwar an die therapeutische Dosierempfehlung gehalten, jedoch wurden gleichzeitig andere, mit Loperamid wechselwirkende Arzneimittel eingenommen, wodurch es zu erhöhten Loperamid-Konzentrationen im Körper kam.
Laut FDA lassen sowohl die Berichte, als auch Fälle in der medizinischen Literatur darauf schließen, dass einzelne Personen Loperamid absichtlich missbräuchlich anwenden mit dem Ziel Opioid-Entzugssymptome selbst zu lindern oder Euphoriegefühle auszulösen. Bewusste Überdosierung oder die gezielte, gleichzeitige Einnahme anderer Arzneistoffe scheinen dabei Wege zum Ziel.

Beabsichtigt oder nicht, zu hohe Loperamid-Dosen können zu schweren Herzrhythmusstörungen, mit QT-Zeit-Verlängerung, Torsade-de-Pointes, ventrikulären Arrhythmien, Kreislaufkollaps und Herzstillstand führen; somit also auch tödlich enden. 
Die FDA warnt deshalb sowohl Ärzte als auch Patienten eindringlich, sich an die empfohlene Dosierung zu halten. Ärzte sollten ihre Patienten ferner bei der Einnahme von Loperamid auf mögliche Wechselwirkungen, insbesondere mit häufig angewendeten, anderen Arzneistoffen wie Clarithromycin, Omeprazol oder Gemfibrozil hinweisen.
Wird eine Loperamid-induzierte Kardiotoxizität vermutet, sollte die Behandlung sofort unterbrochen und geeignete Maßnahmen ergriffen werden. In manchen Fällen, in denen sich eine medikamentöse Therapie von Torsade-de-Pointes als nicht effektiv erweist, sind ggf. elektrische Schrittmacher oder Defibrillation zu erwägen.

Patienten sollten sich in der Selbstmedikation an die Angaben der Gebrauchsinformation halten:
Erwachsene nehmen zu Beginn eine Erstdosis von 4mg Loperamidhydrochlorid ein, anschließend kann bei erneutem Auftreten von ungeformtem Stuhl eine Wiederholungsdosis von 2 mg Loperamidhydrochlorid eingenommen werden. Diese kann ggf. nach jedem ungeformten Stuhl wiederholt werden, sofern die Tageshöchstdosis von 12mg Loperamidhydrochlorid eingehalten wird.
Generell darf eine über zwei Tage hinausgehende Behandlung mit Loperamid nur unter ärztlicher Verordnung und Verlaufsbeobachtung erfolgen.
Wie die FDA weiter empfiehlt, sollte bei Patienten, die unter der Einnahme des Wirkstoffes Ohnmacht, schnellen Herzschlag oder einen unregelmäßigen Herzrhythmus spüren bzw. nicht mehr auf Ansprechen o.ä. reagieren sofort medizinische Hilfe aufgesucht werden. Jegliche Begleitmedikation sollte ebenfalls dem behandelnden Arzt mitgeteilt werden.

Die Risiken und Warnhinweise betreffend gilt Gleiches selbstverständlich nicht nur für die Selbstmedikation, sondern auch für ärztlich verordnete,  verschreibungspflichtige Loperamid-haltige Arzneimittel.


Quellen:
[1] FDA Drug Safety Communication; 07. Juni 2016: FDA warns about serious heart problems with high doses of the antidiarrheal medicine loperamide (Imodium®), including from abuse and misuse
[2] FDA Safety Alerts; 07. Juni 2016: Loperamide (Imodium®): Drug Safety Communication - Serious Heart Problems With High Doses From Abuse and Misuse
[3] Gebrauchsinformation Imodium® akut lingual; Johnson&Johnson; Februar 2013
[4] Fachinformation Loperamid akut 2mg ratio; ratiopharm; Februar 2015