Fingolimod (Gilenya®): Risiken im Zusammenhang mit den Auswirkungen auf das Immunsystem

Mittwoch, den 20. Januar 2016

In Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informiert das pharmazeutische Unternehmen Novartis Pharma GmbH mittels eines Rote-Hand-Briefes über die Anpassung der Fachinformation von Gilenya® (Fingolimid) im Zusammenhang mit den immunsuppressiven Effekten.

Fingolimod ist als krankheitsmodifizierende Monotherapie von hochaktiver schubförmig-remittierend verlaufender Multipler Sklerose bei Erwachsenen indiziert. Nach Aktivierung durch eine Sphingosin-Kinase, fungiert Fingolimod-Phosphat als funktioneller Antagonist an Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptoren (S1P-Rezeptoren) auf Lymphozyten und blockiert so deren Migration aus den Lymphknoten. Daraus resultiert eine Umverteilung der Lymphozyten.
Tierexperimentellen Studien zufolge reduziert sich damit die Infiltration pathogener Lymphozyten, einschließlich proinflammatorischer Th17-Zellen in das ZNS, wodurch neuroanale Entzündungsprozesse und die Zerstörung von Nervengewebe eingedämmt werden. Andere tierexperimentelle Studien und In-vitro- Untersuchungen deuten auf eine Beeinflussung der Nervenzellen durch  Interaktion mit S1P-Rezeptoren hin.

Durch seine immunsuppressiven Effekte kann Fingolimod das Auftreten schwerwiegender Nebenwirkungen begünstigen. Mit der Bekanntgabe zur Aktualisierung der Fachinformation von Gilenya® soll gleichzeitig an einige wichtige Empfehlungen für den Gebrauch erinnert werden.

Da es bei Patienten unter der Einnahme von Fingolimod, sowohl im klinischen Studienprogramm als auch im Rahmen der Postmarketing-Phase zum Auftreten von Basalzellkarzinomen (BCC) kam, wird eine medizinische Beurteilung der Haut vor Therapiebeginn und während der Therapie mit Fingolimod empfohlen. Wenn verdächtige Läsionen entdeckt werden, sollte ein Dermatologe zur Abklärung  hinzugezogen werden. Bei bestehenden aktiven malignen Erkrankungen, einschließlich BCC darf Fingolimod nicht angewendet werden.
Da das Risiko für Infektionen mit opportunistischen Erregern, einschließlich Infektionen des zentralen Nervensystems erhöht sein kann, sollte bei Patienten mit schwerer aktiver Infektion der Behandlungsbeginn so lange verschoben werden, bis diese abgeklungen ist. Falls während der Therapie mit Fingolimod eine schwerwiegende Infektion auftritt, sollte ein Absetzen der Behandlung in Betracht gezogen und vor Wiederaufnahme eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung vorgenommen werden.
Des Weiteren sollten Ärzte das Risiko für eine Progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML) im Auge behalten. Bei der PML handelt es sich um eine durch das John-Cunningham-Virus (JCV) hervorgerufene opportunistische Infektion, die zu schweren Behinderungen führen kann und im schlimmsten Fall tödlich endet. Vor Behandlungsbeginn sollte daher eine Basis-MRT-Aufnahme als Referenz gemacht und bei weiteren MRT- Routineuntersuchungen besonders auf Läsionen geachtet werden, die einen Verdacht auf PML geben könnten. Wird eine PML vermutet, ist eine sofortige MRT-Untersuchung zur diagnostischen Abklärung nötig. Die Behandlung mit Fingolimod ist dann solange auszusetzen, bis eine PML ausgeschlossen wurde. Patienten und Pflegepersonal müssen über frühe klinische Anzeichen einer PML aufgeklärt und sollten beim Auftreten dieser Symptome dazu angewiesen werden ärztlichen Rat einzuholen.
Generell sollte die Therapie aufgrund des immunsuppressiven Effekts von Fingolimod mithilfe eines großen Blutbildes, vor und während der Behandlung zur Abklärung von vorherigen Immuneffekten (z.B. Zytopenie) oder Anzeichen einer Infektion, überwacht werden.

Um eine vollständige Information zum Sicherheitsprofil von Fingolimod und den damit verbundenen Empfehlungen für die Anwendung zu erhalten, soll die Fachinformation hinzugezogen werden.

 
Quellen:
[1] Rote-Hand-Brief Gilenya®(Fingolimod); 20. Januar 2016: Risiken im Zusammenhang mit den Auswirkungen auf das Immunsystem
[2] Fachinformation Gilenya®; Novartis Pharma GmbH; November 2015