Flurbiprofen: Mögliches Risiko für Hypersensitivitätsreaktionen

Freitag, den 18. Mai 2018

Die Arzneimittelkommission der deutschen Apotheker (AMK) sprach zuletzt eine Warnung vor flurbiprofenhaltigen Rachentherapeutika aus und fordert Apotheker auf, die Abgabe solcher Präparate behutsam abzuwägen. 

Zu den bekanntesten flurbiprofenhaltigen Arzneimitteln gehört Dobendan® Direkt, welches zur kurzzeitigen symptomatischen Behandlung bei schmerzhaften Entzündungen der Rachenschleimhaut indiziert ist. Die Lutschtabletten enthalten jeweils 8,75 mg Flurbiprofen, wobei sich die maximale Tagesdosis bei Erwachsenen und Kindern ab 12 Jahren auf fünf Lutschtabletten eingrenzt. Die Fachinformation empfiehlt, das Arzneimittel sowie auch das sich im Handel befindliche Rachenspray nicht länger als drei Tage anzuwenden. Die Wirksamkeit des nichtsteroidalen Antirheumatikums (NSAR) Flurbiprofen beruht auf der Hemmung der Prostaglandinsynthese, indem es konkret die Cyclooxygenasen 1 und 2 inhibiert. Damit ist das Propionsäurederivat verantwortlich für analgetische, antipyretische und entzündungshemmende Effekte.

Unter den Nebenwirkungen führt die Fachinformation bereits als Symptome Überempfindlichkeitsreaktionen betreffend Atemwege, Haut, Verdauungstrakt oder Kreislauf auf und versieht diese mit entsprechenden Warnhinweisen. Nun warnt die AMK nochmals deutlich vor diesen unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW), welche über einen Zeitraum von fünf Jahren als Verdachtsfälle zu flurbiprofenhaltigen Arzneimitteln gemeldet wurden. Insgesamt gingen 78 Berichte ein, davon 53 UAW, die bei 16 Patienten als "schwerwiegend" eingestuft wurden und die obig beschriebenen Symptome aufwiesen. Dazu zählten drei Betroffene mit zuvor bekanntem Asthma, ein Allergiker gegen Wespenstiche und ein Patient mit Heuschnupfen. Vier Patienten waren über 75 Jahre alt. Die UAW traten vorwiegend im Laufe des ersten Behandlungstages auf, bei 14 Fällen musste ein sofortiger Therapieabbruch erfolgen. Die Angabe "ohne Schaden erholt" wurde im Berichtsformular in nur fünf Fällen angegeben. 

Als Konsequenz werden Apotheker nun angehalten, bei der Abgabe flurbiprofenhaltiger Rachentherapeutika sorgfältig Nutzen gegenüber Risiken abzuwägen und Patienten hinsichtlich möglicher Hypersensitivitätsrisiken zu informieren. Vor allem soll ein besonderes Augenmerk auf Patienten mit bekannter NSAR-Unverträglichkeit, bei anamnestisch belegtem allergischem Asthma oder Allergien und älteren Personenkreisen gelegt werden. 

Ferner bittet die AMK Apotheker, Verdachtsfälle zu UAW in Verbindung mit einer Flurbiprofentherapie zu melden.

Quellen:

[1] AMK-Nachrichten 19/18 Informationen der Institutionen und Behörden: AMK: Flurbiprofen-haltige Rachentherapeutika - Risiko für Hypersensivitätsreaktionen beachten; 08. Mai 2018

[2] Fachinformation Dobendan® Direkt Flurbiprofen 8,75 mg Lutschtabletten; Reckitt Benckiser Deutschland GmbH; Januar 2015