Rote-Hand-Brief Zaltrap®: Informationen über das Risiko von Osteonekrosen des Kieferknochens

Donnerstag, den 17. März 2016

In Abstimmung mit der europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informiert das pharmazeutische Unternehmen Sanofi-Aventis mittels eines Rote-Hand-Briefes über das Auftreten von Osteonekrosen des Kieferknochens während der Behandlung mit Zaltrap® (Aflibercept). Das Arzneimittel wird bei Erwachsenen in Kombination mit Irinotecan/5-Fluorouracil/Folinsäure (FOLFIRI) bei metastasierenden kolorektalen Karzinomen (MCRC) angewendet, die unter oder nach einem Oxaliplatin-haltigem Regime fortgeschritten sind.

Zaltrap® zählt mit seinem Wirkstoff Aflibercept zu der Gruppe der antineoplastischen Arzneimittel. Es hemmt die Angiogenese, damit Tumore nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden können. Hierzu bindet Aflibercept an die vaskulären endothelialen Wachstumsfaktoren A und B (VEGF-A, VEGF-B) und an den plazentaren Wachstumsfaktor (PlGF). Ungehindert könnten diese Wachstumsfaktoren zu einer übermäßigen Aktivierung von Rezeptoren führen, was wiederrum eine pathologische Neovaskularisation und übermäßiger vaskulärer Durchlässigkeit , wie auch eine Rekrutierung von inflammatorischen Zellen in den Tumor zur Folge hätte. Da der Wirkstoff aber z.T. mit höherer Affinität als die endothelialen Liganden an diese Rezeptoren bindet, wird die für die Angiogenese notwendige Signalübertragung unterbrochen und es kommt zu einer Stagnation des Tumorwachstumes.

Anlass für den Rote-Hand-Brief gab u.a. das Ergebnis einer Meta-Analyse von drei Phase-3-Studien (EFC10262/VELOUR, EFC10261/VITAL, EFC10547/VANILLA). Es wurden insgesamt drei von 1333 Patienten ermittelt, die unter der Behandlung mit Zaltrap® eine Osteonekrose des Kieferknochens entwickelten im Vergleich zu Patienten, die eine Placebo-Therapie erhielten.
Bei einer Osteonekrose verschließt sich ein im Knochen liegendes Blutgefäß, so dass Teile dieses Knochens nicht mehr ausreichend versorgt werden und letztendlich absterben können.

Bis zum Sommer letzten Jahres wurde bei acht Patienten, die mit Aflibercept behandelt wurden, Osteonekrosen des Kieferknochens festgestellt. In insgesamt sechs Fällen wurden die Patienten entweder zuvor oder zeitgleich mit z.T. intravenös verabreichten Bisphosphonaten therapiert, unter anderem im Rahmen von invasiven zahnmedizinischen Eingriffen.

Sowohl Bisphosphonate, v.a. intravenös verabreicht, als auch invasive zahnmedizinische Eingriffe steigern jedes für sich genommen die Gefahr des Auftretens dieser nekrotischen Nebenwirkung. In Kombination mit Aflibercept wird das Risiko jedoch nochmals potenziert, weshalb während der Therapie mit Zaltrap® beides vermieden werden sollte. Eine zahnärztliche Abklärung und ggf. vorsorgliche zahnmedizinische Maßnahmen sollten deshalb vor Therapiebeginn mit Aflibercept in Betracht gezogen werden.  
 
Die Fachinformation und Packungsbeilage von Zaltrap® wird von Sanofi-Aventis um das Risiko von Ostenekrosen des Kieferknochens und Behandlungsempfehlungen für Patienten erweitert. Weitere Informationen stehen auf der Internetseite der EMA zur Verfügung.


Quellen:
[1] Rote-Hand-Brief Zaltrap® (Aflibercept); Sanofi-Aventis; 17. März 2016: Informationen über das Risiko von Osteonekrosen des Kieferknochens
[2] EPAR Zaltrap®; Sanofi-Aventis; Februar 2013