Keine NSAR ab der 20. Schwangerschaftswoche

Montag, den 26. Oktober 2020

Die amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) warnt vor der Einnahme nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) um bzw. nach der 20. Schwangerschaftswoche, da dies seltene, aber ernsthafte Nierenprobleme beim Fötus zur Folge haben kann.

NSAR sind eine Klasse von Medikamenten, die verschreibungspflichtig und rezeptfrei erhältlich sind. Sie werden auch als nichtsteroidale Antiphlogistika oder NSAID (engl. nonsteroidal antiinflammatory drugs) bezeichnet und gehören zu den am häufigsten verwendeten Arzneimitteln gegen Schmerzen und Fieber. Außerdem werden sie zur Behandlung von Krankheiten wie Arthritis, Menstruationskrämpfen, Kopfschmerzen, Erkältungen und Grippe eingesetzt. Sie wirken, indem sie die Produktion bestimmter Entzündungsmediatoren im Körper blockieren und sind sowohl allein, als auch in Kombination mit anderen Arzneistoffen erhältlich. Beispiele für NSAR sind u. a. Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac und Celecoxib.

In einer kürzlich erschienenen Drug Safety Communication warnt die FDA nun vor Komplikationen im Zusammenhang mit der Einnahme von NSAR um bzw. nach der 20. Schwangerschaftswoche. Es kann zu fetalen Nierenfunktionsstörungen kommen, welche ein Oligohydramnion, einen Mangel an Fruchtwasservolumen, sowie in einigen Fällen (tödliche) Nierenschäden und Nierenversagen zur Folge haben können. Obwohl über Oligohydramnion in selten Fällen bereits 48 Stunden nach Beginn der NSAR-Behandlung berichtet wurde, können diese Nebenwirkungen im Durchschnitt Tage bis Wochen nach der Behandlung auftreten. Häufig, aber nicht immer, ist das Oligohydramnion drei bis sechs Tage nach Behandlungsabbruch reversibel - es kann jedoch bei erneuter Einnahme wieder auftauchen.
Zu den Komplikationen eines langanhaltenden Oligohydramnion können Gliederkontrakturen und eine verzögerte Lungenreifung gehören. Nach Marktzulassung waren in einigen Fällen bei neonataler Nierenfunktionseinschränkung invasive Verfahren wie Blutaustauschtransfusion oder Dialyse erforderlich.

Die FDA empfiehlt, dass die Verordnung von NSAR zwischen der 20. und 30. Schwangerschaftswoche eingeschränkt und eine Verschreibung nach 30 Schwangerschaftswochen vermieden werden soll. Falls eine NSAR-Behandlung dennoch als notwendig erachtet wird, so soll die Anwendung auf die niedrigste effektive Dosis und die kürzest mögliche Dauer begrenzt werden. Außerdem soll eine Ultraschallüberwachung des Fruchtwassers in Betracht gezogen werden, wenn die NSAR-Behandlung länger als 48 Stunden andauert. Bei Feststellung eines Oligohydramnion soll die Behandlung mit NSAR eingestellt werden. Warnhinweise zur Vermeidung der Einnahme von NSAR nach 30 Schwangerschaftswochen sind bereits in den Fach- und Gebrauchsinformationen enthalten, da hier zusätzlich das Risiko eines vorzeitigen Verschlusses des fetalen Ductus arteriosus botalli besteht. Für verschreibungspflichtige NSAR verlangt die FDA zusätzliche Änderungen der Verschreibungsinformationen, um auf das Risiko von Nierenproblemen mit der Folge zu niedriger Fruchtwasserspiegel bei Ungeborenen hinzuweisen. Bei rezeptfreien Arzneimitteln werden die "Drug Facts"-Etiketten aktualisiert.

Ausgenommen von dieser Empfehlung ist der Einsatz von NSAR direkt ins Auge sowie niedrig dosierte ASS (81 mg). Niedrig dosierte Acetylsalicylsäure kann unter Umständen für einige Schwangere eine wichtige Behandlungsoption sein und sollte, wenn verordnet, weiter eingenommen werden.

Quellen:
(1) Veröffentlichung (FDA) Drug Safety Communication; 15. Oktober 2020: Nonsteroidal Anti-Inflammatory Drugs (NSAIDs): Drug Safety Communication - Avoid Use of NSAIDs in Pregnancy at 20 Weeks or Later
(2) Veröffentlichung Website Pschyrembel online; April 2020: Oligohydramnion (zugegriffen am 23.10.2020)
(3) Veröffentlichung Website gesundheitsinformation.de: NSAR (zugegriffen am 20.10.2020)