Meningeom-Risiko unter Cyproteron-Behandlung: Empfehlungen des PRAC

Mittwoch, den 26. Februar 2020

Aufgrund jüngster Ergebnisse einer Überprüfung cyproteronhaltiger Arzneimittel hinsichtlich ihres Risikos für die Entstehung seltener Meningeome, spricht der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) nun konkrete Anwendungsempfehlungen für Cyproteron aus.

Cyproteron ist ein Wirkstoff mit antiandrogener Wirkung, welcher die Effekte von Androgenen, bestimmte Sexualhormone bei Männern und Frauen, blockiert und in seiner Wirkung der des Sexualhormons Progesteron entspricht. Der Arzneistoff kann daher zur Behandlung verschiedener androgenabhängiger Erkrankungen eingesetzt werden.

Aktuelle Empfehlung des PRAC umfassen nun zum einen eine Anwendungseinschränkung für Medikamente, die eine Tagesdosis von 10 mg Cyproteron oder mehr vorsehen. Diese sollten nur dann bei androgenabhängigen Krankheiten wie Hirsutismus (exzessiver Haarwuchs), Alopezie (Haarausfall), Akne und Seborrhoe (übermäßig fettige Haut) genutzt werden, wenn zuvor andere Behandlungsoptionen, einschließlich der Cyproteron-Therapie mit niedrigeren Dosen, keine ausreichende Wirkung erzielt haben. Im Falle des Ansprechens auf höhere Dosen, sollte die Dosierung dann sukzessive auf die niedrigste wirksame Dosis reduziert werden. Zum anderen sollte Cyproteron zur Dämpfung des Sexualtriebs bei Sexualdeviationen bei Männern nur dann erfolgen, wenn bereits andere Therapiemöglichkeiten ausgeschlossen wurden. Hinsichtlich der Nutzung cyproteronhaltiger Medikamente bei Prostatakrebs gibt es keine Empfehlungen zu Änderungen oder Anwendungseinschränkungen durch den Ausschuss.

Eingeleitet wurde die Überprüfung cyproteronhaltiger Arzneimittel auf Antrag Frankreichs nach Artikel 31 der Richtlinie 2001/83/EG. Das aktuelle Risikobewertungsverfahren umfasst unter anderem die Befunde einer epidemiologischen Studie aus Frankreich, die einen kumulativen dosisabhängigen Zusammenhang zwischen Cyproteronacetat und der Entstehung von Meningeomen darlegte, sowie eine Analyse der französischen Arzneimittelbehörde (ANSM), von aufgetretenen Meningeomen unter Behandlung mit Cyproteron in Frankreich.

Bei einem Meningeom handelt es sich um einen seltenen Tumor der Hirnhaut, welcher das Gehirn und das Rückenmark umschließt. Dieser ist meist nicht bösartig und wird nicht als Krebs angesehen. Jedoch kann er aufgrund seiner Lokalisation schwerwiegende Probleme bereiten. Insgesamt treten Meningeome als Nebenwirkung einer Cyproteron-Therapie selten auf und können, abhängig von der Dosis und der Behandlungsdauer, zwischen ein bis 10 von 10.000 Patienten betreffen. Dabei nimmt das Risiko mit steigender Gesamtmenge des eingenommenen Arzneimittels über die Zeit zu.

Nach verfügbaren Daten gibt es zwar keine Hinweise auf ein Meningeom-Risiko bei Kombiarzneimitteln mit Cyproteron in niedriger Konzentration (1 bis 2 mg) und Ethinylestradiol oder Estradiolvalerat, die bei Akne und Hirsutismus, sowie zur Verhütung oder in der Hormonersatztherapie angewendet werden. Vorsichtshalber ist jedoch die Gabe von Cyproteron bei Personen, bei denen ein Meningeom vorliegt oder in der Vergangenheit vorgelegen hat, kontraindiziert. Diese Gegenanzeige galt bereits für höher dosierte cyproteronhaltige Arzneimittel.

Zusammenfassend betont der PRAC, dass das Auftreten von Meningeomen hauptsächlich bei Cyproteron in Tagesdosen von 25 mg oder mehr berichtet wurde, wobei die meisten Fälle nach längerer Exposition gemeldet wurden. Dennoch sollen Ärzte ihre Patienten auf Symptome eines Meningeoms untersuchen. Dazu gehören unter anderem Veränderungen der Sehkraft, Hörverlust, Ohrensausen, Verlust des Riechsinns, Kopfschmerzen, Gedächtnisverlust, Krämpfe, Schwäche in den Armen und Beinen. Falls es während der Behandlung mit Cyproteron zu einem Meningeom kommt, muss die Therapie dauerhaft beendet werden.

Im Rahmen der fortlaufenden Bewertung der Sicherheit dieser Medikamente, wird es für die Zulassungsinhaber von Arzneimitteln mit Cyproteron (10 mg oder mehr) erforderlich sein, eine Studie durchzuführen, um das Bewusstsein der Ärzte für das Risiko eines Meningeoms und seine Vermeidung zu bewerten.


Quellen:
[1] Pressemitteilung EMA; 14. Februar 2020: Restrictions in use of cyproterone due to meningioma risk
[2] Veröffentlichung BfArM (Risikobewertungsverfahren); 14. Februar 2020: Cyproteron: Überprüfung des Meningeomrisikos