Metamizol: Möglicher Einfluss auf die gerinnungshemmende Wirkung von ASS

Dienstag, den 08. Mai 2018

Das Analgetikum Metamizol ist angezeigt bei akuten starken Schmerzen, wie etwa nach Operationen oder Verletzungen sowie verursacht durch Koliken und Tumorerkrankungen. Wenn andere Therapiemaßnahmen nicht indiziert sind, kann es zudem bei sonstigen starken Schmerzen, akuter oder chronischer Natur eingesetzt werden. Bekannte unerwünschte Arzneimittelwirkungen sind dabei hypotensive Reaktionen bei parenteraler Anwendung und das sehr seltene Auftreten von Agranulozytose oder Thrombozytopenie, unabhängig von der Darreichung. Trotz dieser und weiterer, teilweise schwerwiegender Nebenwirkungen, wie starker Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut oder anaphylaktischer Reaktionen, bleibt Metamizol ein Spitzenreiter unter den in Deutschland verordneten Arzneimitteln.

Häufig eingesetzt wird ebenso der blutgerinnungshemmende Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) in niedrigen Dosierungen von 50 mg bis 300 mg zur Kardioprotektion. Etwa nach einem Herzinfarkt oder bei instabiler Angina pectoris ist das als "Blutverdünner" verbreitete Medikament auch ohne Rezept in Apotheken erhältlich. Eine verminderte Wirkung des Wirkstoffs durch gleichzeitige Metamizol-Einnahme, wie sie aktuell erneut diskutiert wird, würde daher eine Vielzahl an Patienten betreffen.

Genau ein solcher Zusammenhang wird auch seit einigen Jahren vermutet, weshalb ein entsprechender Warnhinweis bereits im Jahre 2014 in die Produktinformationen Metamizol-haltiger Arzneimittel aufgenommen wurde. Demnach soll das Schmerzmittel bei Patienten, die niedrig dosiertes ASS einnehmen mit Vorsicht angewendet werden. Auf den möglichen Einfluss von Metamizol auf die Thrombozytenaggregation-hemmende Wirkung von ASS weist die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) aktuell in einer Drug Safety Mail hin. Diese potenzielle Wechselwirkung erfordert aus Sicht der AkdÄ dringend weitere klinische Studien. Zwar legen einige experimentelle Untersuchungen sowie einzelne Beobachtungsstudien an Patienten den Zusammenhang verminderter Wirkung von niedrig dosiertem ASS auf die Thrombozytenaggregation bei gleichzeitiger Anwendung mit Metamizol nahe, doch um die klinische Relevanz besser einschätzen zu können und um evidenzbasierte Empfehlungen für eine sichere Behandlung von Patienten ableiten zu können sind Studien mit größeren Patientenzahlen sowie ggf. pharmakoepidemiologische Untersuchungen notwendig. 

Die Kommission rät daher verordnenden Ärzte bis zum Vorliegen weiterer Daten hinsichtlich der kombinierten Verabreichung von Metamizol und niedrig dosiertem ASS, sich insbesondere bei Patienten mit einem hohen Risiko für kardio- oder zerebrovaskuläre Ereignisse, dieser möglichen Interaktion bewusst zu sein. Außerdem soll die Indikation für Metamizol kritisch geprüft werden und eine Verordnung nur in der niedrigsten wirksamen Dosis für den kürzest möglichen Zeitraum erfolgen. Patienten, die beide Medikamente erhalten, sollen ASS immer mindestens 30 Minuten vor dem Schmerzmittel einnehmen, damit ein zeitlicher Abstand gewährleistet wird und der Effekt des Gerinnungshemmers uneingeschränkt zur Wirkung kommen kann. 

Ob und in wieweit ein solches Vorgehen mögliche Wechselwirkungen bei einer längerfristigen Einnahme beider Arzneimittel verhindern kann, bleibt bislang jedoch noch ungeklärt. 

Quellen:

[1] Veröffentlichung Deutsches Ärzteblatt - AkdÄ Meldung; 04. Mai 2018: Kann Metamizol die Wirkung von ASS auf die Thrombozytenaggregation behindern? – hinsichtlich klinischer Relevanz und Empfehlungen für die Praxis bleiben Fragen offen („UAW-News International")

[2] AkdÄ Drug Safety Mail 21-2018; 07. Mai 2018: „UAW-News International": Kann Metamizol die Wirkung von ASS auf die Thrombozytenaggregation behindern? – hinsichtlich klinischer Relevanz und Empfehlungen für die Praxis bleiben Fragen offen 

[3] Fachinformation Novalgin® Tropfen; Sanofi-Aventis; März 2017  

[4] Fachinformation Aspirin®protect; Bayer Vital; März 2017