Metformin-haltige Arzneimittel bei Niereninsuffizienz

Freitag, den 08. April 2016

FDA fordert Indikationserweiterung inkl. entsprechender Kennzeichnung und aussagekräftiger Labormessung

Metformin-haltige Arzneimittel sind als Einzel- oder Kombinationspräparate, in Deutschland z.B. unter den Markennamen Glucophage® oder Xigduo® erhältlich und sind zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 indiziert, insbesondere bei übergewichtigen Personen, bei denen allein durch Diät und körperliche Betätigung keine ausreichende Einstellung des Blutzuckerspiegel erreicht wird. Unbehandelt hat diese Stoffwechselerkrankung schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit der Patienten – angefangen von Blindheit, über Nerven- und Nierenschädigungen, bis hin zur Erhöhung des Herzinfarktrisikos. Bislang wird bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen von einer Metformin-Therapie, aufgrund der gesteigerten Gefahr zur Ausbildung einer Laktatazidose, dringend abgeraten. Bei dieser potentiell tödlichen Nebenwirkung fällt der Blut pH-Wert durch die Anhäufung von Milchsäure unter den Normbereich (pH 7,36 – 7,42) ab.

Die Amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) hatte den Auftrag, mehrere, bereits veröffentlichte klinische Studien zu der Metformin-Anwendung bei Patienten mit leichter bis moderater Niereninsuffizienz auszuwerten und die Labormessungen abzuändern, auf die bei der Entscheidung, ob einem Patienten initial Metformin verordnet werden soll, bisher zurück gegriffen wurde. Momentan hängt diese Entscheidung allein von den Blut-Kreatinin-Werten ab, welche jedoch nur einen einzigen Laborparameter darstellen. Aussagekräftiger und deshalb von der FDA empfohlen ist die geschätzte, glomeruläre Filtrationsrate (eGFR), die wichtige Parameter, wie das Alter des Patienten, Geschlecht, Herkunft und/oder Gewicht berücksichtigt. Laut der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) wird bei einer eGFR von 60-89 ml/min/1,73m2 Körperoberfläche von einer leichten Niereninsuffizienz gesprochen, bei einer moderaten Niereninsuffizienz liegen die Werte zwischen 30-59 ml/min/1,73m2 Körperoberfläche.

Zu beiden Aspekten äußerte sich die FDA positiv, weshalb sie nun die Hersteller auffordert, einerseits die neuen Erkenntnisse über die Anwendung auch bei leichter bis in Einzelfällen moderater Niereninsuffizienz aufzunehmen und andererseits ihre Produktinformationen bezüglich der Nierenfunktionsmessung folgendermaßen abzuändern:

  • Bestimmung eGFR des Patienten vor einer Metformin-Behandlung
  • Bei Patienten mit einer eGFR unter 30 ml/min/1,73m2 ist Metformin kontraindiziert
  • Bei Patienten mit einer eGFR zwischen 30-45 ml/min/1,73m2 wird die Verwendung von Metformin nicht empfohlen 
  • mindestens jährliche Überprüfung des eGFR von Patienten, die Metformin einnehmen; bei Niereninsuffizienz-Risikopatienten öfters, v.a. bei älteren Patienten
  • Bei Patienten, deren eGFR während der Behandlung unter 45 ml/min/1,73m2 fällt: erneute Nutzen-Risiko-Abwägung der Behandlung durchführen; Abbruch der Behandlung, wenn der Wert unter 30 ml/min/1,73m2 sinkt
  • Unterbrechung der Metformin-Therapie während oder bevor einer Behandlung mit iodhaltigen Kontrastmitteln bei Patienten  
    • mit einem eGFR zwischen 30-60 ml/min/1,73m2 
    • mit vormals aufgetretenen Lebererkrankungen
    • mit Alkoholabusus
    • mit Herzkrankheiten
    • die das Kontrastmittel intraarteriell verabreicht bekommen;

Die eGFR sollte 48 Stunden nach Verabreichung des Kontrastmittels erneut bestimmt werden; die Metformin-Therapie kann fortgesetzt werden, sobald die Nierenfunktion wieder stabil ist.

Ärzte werden angehalten, diese neuen Empfehlungen bei ihren Verschreibungen zu beachten. Patienten, die Fragen zu ihrer Metformin-Behandlung haben, sollten ihren Arzt kontaktieren. Beim Auftreten unerwünschter Nebenwirkungen im Zusammenhang mit den Arzneimitteln sind sowohl Ärzte als auch Patienten aufgefordert, diese weiterhin zu melden.


Quellen:
[1] FDA Drug Safety Communication; 08. April 2016: Metformin-containing Drugs: Drug Safety Communication - Revised Warnings for Certain Patients With Reduced Kidney Function
[2] Laborwerte; 6. Auflage; München; Elsevier GmbH; 2014
[3] Fachinformation Glucophage®; Merck Serono; Dezember 2014
[4] Fachinformation Xigduo®; AstraZeneca; Oktober 2014
[5] Veröffentlichung Website icd.kbv.de: KBV ICD Browser (zugegriffen am 12.04.2016)