Methotrexat: EMA startet Risikobewertungsverfahren von Dosierungsfehlern

Montag, den 23. April 2018

Wie die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) berichtet, wurde für Methorexat-haltige Präparate ein Artikel-31-Verfahren gestartet, um die Risiken immer wieder auftretender Dosierungsfehler dieser Arzneimittel zu untersuchen. 

Methotrexat (MTX) wird sowohl bei entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, juveniler idiopathischer Arthritis, Psoriasis-Arthritis und Psoriasis eingesetzt, ebenso wie bei einigen Formen von Krebserkrankungen, wie akuter lymphatischer Leukämie (ALL). Es gibt sowohl oral einzunehmende Darreichungsformen, als auch Injektabilia. Eklatant sind die unterschiedlichen Dosierungsregimes: bei entzündlichen Erkrankungen wird MTX i.d.R. einmal wöchentlich appliziert, während die Verabreichung bei Krebserkrankungen wesentlich häufiger (z.B. einmal täglich) und in höheren Dosierungen stattfindet. Immer wieder treten unwillentliche Dosierungsfehler durch die Patienten auf, bei denen MTX fälschlicherweise einmal täglich statt einmal wöchentlich eingenommen wird. Eine solche Überdosierung kann mit schwerwiegenden unerwünschten Arzneimittelwirkungen einhergehen.

Das Auftreten solcher und ähnlicher Fälle ist seit Langem bekannt, weshalb in manchen EU-Ländern bereits Maßnahmen zur Risikominimierung ergriffen wurden, u.a. das Anbringen auffälliger visueller Hinweise auf der Umverpackung. Trotz dessen gelangte eine kürzlich durchgeführte Sicherheitsbewertung (Periodic Safety Update Report - PSUR) zu dem Ergebnis, dass nach wie vor zu häufig Fälle von Überdosierung auftreten - vereinzelt sogar mit tödlichem Ausgang. Aufgrund dieses PSUR-Ergebnisses beantragte die spanische Arzneimittelbehörde (AEMPS) bei der EMA nähere Untersuchung des Sachverhalts. 

Der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich Pharmakovigilanz (Pharmacovigilance Risk Assessment Committe - PRAC) der EMA hat dementsprechend das Verfahren gemäß Artikel 31 der Richtlinie 2001/83/EC eröffnet, um nähere Gründe für die Vorfälle aufzuklären und um ggf. geeignete Maßnahmen zur Prävention solcher Dosierungsfehler auszumachen und zu empfehlen. Ein Zeitplan für das Verfahren liegt bereits vor und kann auf der Website der EMA eingesehen werden. Es ist geplant, dass das PRAC bereits im Oktober dieses Jahres das Verfahren an die nächstzuständige Stelle, den Ausschuss für Humanarzneimittel (Committee for Medicinal Products for Human Use - CHMP) weiterleitet. Bis dahin sind alle Zulassungsinhaber von MTX-haltigen Präparaten in der EU aufgefordert, Stellungnahme zu einem vom PRAC vorgelegten Fragenkatalog zu beziehen. Die Einreichungsfrist für die Zulassungsinhaber (vorwiegend betroffen sind national zugelassene Präparate, aber auch zentrale Zulassungen) endet am 23. August 2018.

Quellen:

[1] Veröffentlichung Risikobewertungsverfahren EMA; 13. April 2018: EMA reviewing risk of dosing errors with methotrexate

[2] Veröffentlichung Risikobewertungsverfahren BfArM; 13. April 2018: Methotrexat: Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bewertet das Risiko von Dosierungsfehlern