Potenzierung von Strahlenschäden in Zusammenhang mit der Anwendung von Zelboraf®

Montag, den 19. Oktober 2015

Mittels eines Informationsbriefes zu sicherheitsrelevanten Änderungen berichtet das Unternehmen Roche Pharma AG in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) über das Auftreten von strahlenbedingten unerwünschten Ereignissen bei der Anwendung von Zelboraf® (Vemurafenib). In den Produktinformationen wird zukünftig auf das Risiko einer Potenzierung von Strahlenschäden unter Zelboraf®-Therapie hingewiesen.

Zelboraf® ist indiziert bei Patienten mit einem nicht reserzierbaren oder metastasierten Melanom, das eine BRAF-V600 Mutation aufweist. Vemurafenib, der Wirkstoff in Zelboraf®, hemmt das mutierte Protein BRAF, welches für die unkontrollierte Teilung der Tumorzellen verantwortlich ist. So wird die Ausbreitung und das Wachstum des Tumors verlangsamt.

Eine durchgeführte Sicherheitsanalyse zeigte, dass die Potenzierung von Schäden durch Strahlentherapie eine Nebenwirkung von Vemurafenib darstellt. Es waren 20 Fälle von schweren Strahlenschäden aufgetreten, davon acht Radiation Recalls und 12 Strahlensensibilisierungen, die in ihrem Schweregrad größer als erwartet ausfielen. Bei den Radiation Recall-Fällen handelte es sich um akute Entzündungsreaktionen auf vorher bestrahlten Regionen, die durch die Anwendung von Zelboraf® sieben oder mehr Tage nach Beendigung der Bestrahlung ausgelöst wurden. Die Schäden äußerten sich am häufigsten auf vorher bestrahlten Hautregionen in Form von akuten Entzündungen, wie Erythemen, Hyperkeratosen, ekzematösen, vesikulären und ulzerativen Läsionen. Zweimal war die Lunge in Form einer Pneumonitis und einmal die Harnblase in Form einer Zystitis betroffen.  
Bei den Fällen der Strahlensensibilisierung war neunmal die Haut, dreimal die Speiseröhre und je einmal die Leber und das Rectum betroffen. Das Auftreten von Strahlensensibilisierungen endete in 3 Fällen tödlich, wobei hier viszerale Organe betroffen waren. Bei einem Patienten entwickelte sich nach 10-wöchiger, mit fraktionierter 20 Gy-Bestrahlung der Brustwirbelsäule und gleichzeitiger Zelboraf®-Therapie eine Strahlennekrose in der Leber. Bei den anderen beiden kam es zu einer Strahlenösophagitis.
Die mittlere Zeitspanne bis zum Auftreten der Radiation Recall-Hautreaktionen ab der ersten Dosis von Zelboraf® betrug 12 Tage, bei der Pneumonitis 24 Tage und bei der Zystitis einen Tag. Bis auf einen Fall der Strahlensensibilisierungen erhielten alle Patienten Zelboraf® entweder gleichzeitig mit der Bestrahlung oder innerhalb von drei Tagen danach. Die Reaktionen traten im Mittel zwischen dem dritten und 27. Tag nach Beendigung der Strahlentherapie oder nach der Behandlung mit Vemurafenib auf.

Die Roche Pharma AG mahnt zur Vorsicht beim Einsatz von Zelboraf®, wenn vorher, gleichzeitig oder anschließend eine Strahlentherapie erfolgt.

Alle Verdachtsfälle unerwünschter Arzneimittelwirkungen unter Zelboraf® sollten umgehend an Roche Pharma AG oder das BfArM gemeldet werden.

Quellen:
[1] Informationsbrief zu sicherheitsrelevanten Änderungen Zelboraf® (Vemurafenib); 19. Oktober 2015: Potenzierung von Strahlenschäden in Zusammenhang mit der Anwendung von Zelboraf® (Vemurafenib)
[2] Fachinformation Zelboraf®; Roche; April 2015