PRAC schließt Risikobewertung zu Canagliflozin ab

Freitag, den 10. Februar 2017

Der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der europäischen Arzneimittelagentur hat in der vergangenen monatlichen Sitzungen die Ergebnisse seiner Risikobewertung bezüglich Canagliflozin bekannt gegeben.

Das im April letzten Jahres eröffnete Verfahren (wir berichteten) befasste sich mit dem möglicherweise erhöhten Risiko für Amputationen der unteren Extremitäten unter Anwendung des Natrium-Glukose-Cotransporter 2 (SGLT2)- Inhibitors Canagliflozin. Ziel war es mehr Erkenntnisse zu sammeln und zu beurteilen, ob das Risiko einer Amputation wirklich mit dem Wirkstoff Canagliflozin, der Wirkstoffgruppe von SGLT2 Inhibitoren oder aber mit der Stoffwechselerkrankungen Diabetes mellitus selbst zusammenhängt, zu deren Therapie SGLT2-Inhibitoren indiziert sind.

Grundlage der Bewertung bilden vor allem die klinischen Studien CANVAS und CANVAS-R, welche auf ein erhöhtes Risiko für Amputationen, insbesondere Zehamputationen, bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 unter Canagliflozin im Vergleich zu Placebo hinweisen. Der Mechanismus, durch welchen sich Canagliflozin negativ auf das Amputationsrisiko auswirkt ist dabei noch unklar.
Anzumerken ist jedoch, dass die noch nicht abgeschlossenen Studien Patienten einschließt, welche ohnehin aufgrund ihrer Grunderkrankung (Diabetes mellitus), als auch aufgrund von Begleiterkrankungen wie Herz- oder Gefäßerkrankungen bereits einem erhöhten Risiko für Infektionen und Ulzera unterliegen.
Studien mit Dapagliflozin und Empaglifloziln, beides weitere Vertretern der Klasse der SGLT2-Inhibitoren zeigten bisher keine vergleichbaren Nebenwirkungen. Da die Datenlage diesbezüglich eingeschränkt ist, kann eine ähnliche Wirkung jedoch auch für diese Antidiabetika nicht ausgeschlossen werden.

Die vorliegende Sachlage lässt den PRAC dazu anhalten, eine Änderung der Fachinformationen erwähnter SGLT2-Inhibitoren anzustreben. Die Produktinformationen sollen künftig vor einem erhöhten Risiko für Amputationen der unteren Extremitäten (meist die Zehen betreffend) warnen und die Bedeutung einer sorgfältigen, präventiven Fußpflege erneut hervorheben.
Im Falle von Canagliflozin soll das Ereignis als gelegentliche Nebenwirkung (Häufigkeit größer als 1/1000 und kleiner als 1/ 100) gelistet werden. Treten bedeutende, die Füße betreffende, Komplikationen wie Hautulkus oder Infektionen auf, sollen Ärzte einen  Abbruch der Therapie in Erwägung ziehen.

Während Canagliflozin-haltige Arzneimittel nicht mehr auf dem deutschen Markt im Handel sind (ehemals unter den Namen Invokana®; Vokanamet® vermarktet), sind die SGLT2-Inhibitoren Dapagliflozin (Forxiga®, Xigduo®) als auch Empagliflozin (Jardiance®) nach wie vor in Deutschland erhältlich.

Die Empfehlungen werden im Folgenden dem Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) zur endgültigen Bewertung vorgelegt. Weitere Details und Informationen werden laut EMA Patienten und Ärzten zum Zeitpunkt des CHMP-Beschluss bereitgestellt werden.

Quellen:
[1] Veröffentlichung EMA (Referral); 10. Februar 2017: SGLTS-Inhibitors (previously  canagliflozin)- PRAC  concludes that diabetes medicine canagliflozin may contribute to risk of toe amputation - Risk may also apply to other medicines in the same class
[2] Veröffentlichung EMA; 10. Februar 2017: Meeting highlights from the Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) 6-9 February 2017