Risiko für Herzinsuffizienz unter Saxagliptin und Alogliptin - FDA informiert

Dienstag, den 05. April 2016

Die amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) informiert mittels Drug Safety Communication über ein erhöhtes Risiko für Herzversagen unter der Anwendung von Saxagliptin- und Alogliptin-haltigen Arzneimitteln.
Bereits seit 2014, wir berichteten, prüfte die FDA im Rahmen eines Risikobewertungsverfahrens das Sicherheitsprofil von Saxagliptin, nachdem eine Studie im renommierten New England Journal of Medicine (NEJM) über eine erhöhte Rate von Krankenhauseinweisungen in Zusammenhang mit dessen Anwendung, berichtete.

Saxagliptin, in Deutschland als Monopräparat Onglyza® oder in Kombination mit dem Wirkstoff Metformin als Komboglyze® erhältlich wird zur ergänzenden Therapie des Diabetes mellitus Typ II neben Diät und körperlicher Aktivität eingesetzt. Wie für die Wirkstoffgruppe der Gliptine typisch, erzielt Saxagliptin seine pharmakologische Wirkung über die Hemmung des Enzyms Dipeptidylpeptidase-4 (DPP-4). Wichtige Botenstoffe, sog. Inkretinhormone, die nach Nahrungsaufnahme glucoseabhängig ausgeschüttet werden und zur Freisetzung von Insulin führen, werden nun nur noch verlangsamt durch DPP-4 abgebaut. Erhöhte Insulinspiegel und damit eine therapeutisch beabsichtigte Erniedrigung des Blutzuckerspiegels sind die Folge.

Wie die FDA nun bekannt gibt, kann die Anwendung von Saxagliptin, wie auch die von Alogliptin (ein weiterer Vertreter der Gliptine) jedoch ein erhöhtes Risiko für Herzinsuffizienz bergen.
Zu diesem Ergebnis kam die Behörde nach Bewertung zweier großangelegter, klinischer Studien von Patienten mit Herzerkrankungen. Jede Studie verzeichnete mehr Hospitalisationen aufgrund von Herzversagen bei Patienten, die Saxagliptin oder Alogliptin erhielten im Vergleich zu Placebo.
Wurden unter Anwendung von Saxagliptin 3,5% der Patienten mit einer Herzinsuffizienz eingeliefert, so waren es im Falle einer Placebo-Therapie lediglich 2,8%. Ähnlich sehen die Zahlen für die Therapie mit Alogliptin aus: war unter Alogliptin in 3,9% der Fälle eine Krankenhauseinweisung aufgrund von Herzinsuffizienz nötig, so mussten lediglich 3,3% der Placebo-behandelte Patienten hospitalisiert werden.
Insbesondere Patienten mit bestehenden Herz – oder Nierenerkrankungen können durch das erhöhte Risiko betroffen sein. Herzinsuffizienz beeinträchtigt die Pumpfunktion des Herzens, wodurch Organe folglich nur noch unzureichend mit Blut versorgt werden.

Sollten mit Saxagliptin oder Alogliptin behandelte Patienten daher Symptome wie Kurzatmigkeit beim Nachgang täglicher Aktivitäten, Atemschwierigkeiten im Liegen oder Müdigkeit, Schwäche sowie Gewichtszunahme in Verbindung mit geschwollenen Gelenken, Füßen, Beinen oder Bauch auffallen, so sollten sie ihren behandelnden Arzt konsultieren.
Von einem eigenmächtigen Absetzten der antidiabetische Therapie ohne vorherige Rücksprache mit dem Arzt ist abzuraten. Unbehandelter Diabetes Typ II kann zu schweren gesundheitlichen Problemen, einschließlich Erblindung, Nerven- und Nierenschädigung wie auch Herzerkrankungen führen.

Ärzten wird empfohlen, fortan das Risiko für Herzinsuffizienz bei der Anwendung besagter Antidiabetika zu berücksichtigen. Sollten Patienten im Rahmen einer Behandlung eine Herzinsuffizienz entwickeln, so sollte ggf. ein Therapieabbruch in Betracht gezogen werden. Dabei darf die Blutzuckerkontrolle ebenfalls nicht vernachlässigt werden. Im Falle nur unzureichend kontrollierter Blutzuckerspiegel mit der bestehenden Behandlung ist u.U. auf alternative antidiabetische Therapeutika auszuweichen.

Zur Ergänzung der Drug Safety Communication wurden laut FDA sämtliche Warnhinweise auch der Rubrik „Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“ der jeweiligen Produktinformationen zugefügt.

Quellen:
[1] FDA Drug Safety Communication; 05. April 2016: FDA adds warnings about heart failure risk to labels of type 2 diabetes medicines containing saxagliptin and alogliptin
[2] FDA Drug Safety Communication; 11. Februar 2014: Saxagliptin (marketed as Onglyza and Kombiglyze XR): Drug Safety Communication - FDA to Review Heart Failure Risk
[3] Fachinformation Onglyza® 2,5mg Filmtabletten; AstraZeneca; Oktober 2015