Risiko für Kieferosteonekrosen unter Denosumab

Mittwoch, den 29. Juli 2015

Bereits im März berichteten wir über die Empfehlung des Ausschusses für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zur Aufklärung über ein erhöhtes Risiko für Kieferosteonekrosen unter Bisphosphonaten und dem Antikörper Desonumab. Nun informiert der Hersteller AMGEN in Abstimmung mit der EMA und dem Paul-Ehrlich-Institut mittels eines Rote-Hand-Briefes über eine neue Kontraindikation und die Aktualisierung der Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen, die das Produkt Xgeva® betreffen, sowie über die Einführung einer Patientenerinnerungskarte, um das Risiko für die Entwicklung von Kieferosteonekrosen zu minimieren.

Xgeva® mit dem Wirkstoff Denosumab wird angewendet bei Erwachsenen mit Knochenmetastasen aufgrund solider Tumoren, zur Prävention von skelettbezogenen Komplikationen (pathologische Fraktur, Bestrahlung des Knochens, Rückenmarkkompression oder operative Eingriffe am Knochen). Außerdem wird es zur Behandlung von Erwachsenen und skelettal ausgereiften Jugendlichen angewendet, die unter Riesenzelltumoren des Knochens leiden, welche nicht reserzierbar sind oder bei denen eine operative Resektion wahrscheinlich zu einer schweren Morbidität führen würde. Denosumab ist ein humaner monoklonaler IgG2-Antikörper, der hoch affin und spezifisch an den RANK-Ligand (RANKL) bindet und dadurch die Wechselwirkung zwischen RANKL und RANK, welches von Osteoklasten exprimiert wird, verhindert. RANKL kommt als lösliches Protein oder Transmembranprotein vor und ist für die Bildung, Funktion und das Überleben von Osteoklasten essentiell. Durch erhöhte Osteoklastenaktivität, die durch RANKL stimuliert wird, kommt es zu einem gesteigerten Knochenabbau bei Knochenmetastasen und multiplem Myelom. Bei Riesenzelltumoren kommt es zur Bildung von neoplastischen Stromazellen die RANKL exprimieren und Riesenzellen, die Osteoklasten ähneln und RANK exprimieren. Durch Denosumab wird die Anzahl der Osteoklasten bzw. der Osteoklasten-ähnlichen Riesenzellen und deren Funktion vermindert und dadurch die Knochenresorption und Knochenzerstörung durch den Tumor reduziert.

Das Risiko für die Entwicklung einer Kieferosteonekrose unter Denosumab ist bereits bekannt und unter den Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen der Fachinformation beschrieben. Kieferosteonekrosen treten bei der Anwendung von Xgeva® häufig auf (bei bis zu einem von zehn Personen). Um eine Risikominimierung zu erreichen, sollen nun die Produktinformationen auf den aktuellen Wissenstand aktualisiert, sowie eine neue Kontraindikation aufgenommen werden, welche Patienten einschließt, die nicht verheilte Läsionen aus Operationen an den Zähnen oder im Mundbereich aufweisen. Zusätzlich soll in Zukunft die Aufmerksamkeit der Patienten für das Risiko einer Kieferosteonekrose mittels einer Patientenerinnerungskarte erhöht werden, die auch auf die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen zur Risikominimierung hinweist. Diese Maßnahmen schließen die Einhaltung einer entsprechenden Mundhygiene und zahnärztliche Routineuntersuchungen ein, sowie die Information des Arztes bzw. Zahnarztes über bestehende Probleme im Mundraum, wie auch auftretende Beschwerden während der Behandlung. Alle Patienten, die mit Xgeva® therapiert werden, müssen diese Patientenerinnerungskarte sowie die Packungsbeilage erhalten. 

Quellen:

[2] Fachinformation Xgeva® 120mg Injektionslösung; AMGEN; September 2014.