Risikobewertungsverfahren zu estradiolhaltigen Cremes

Donnerstag, den 10. Oktober 2019

Mit dem Ende des Risikobewertungsverfahren zu hochdosierten, estradiolhaltigen Cremes gibt der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) neue Empfehlungen zur Anwendungsdauer bekannt.

Hochdosierte Cremes mit 100 µg/g (0,01%) Estradiol sind zur Behandlung von vaginaler Atrophie von Estrogenmangel bei postmenopausalen Frauen indiziert. Die Applikation der Cremes in der Vagina kann zu einer Aufnahme von Estradiol in den Blutkreislauf der Patientinnen führen. Zu diesem Ergebnis kam der PRAC nach der Auswertung von verfügbaren Daten über die Sicherheit und Wirksamkeit hochdosierter estradiolhaltiger Cremes, einschließlich Daten über Estradiolkonzentrationen im Blut von Patientinnen im Vergleich zu postmenopausalen Frauen die keine estradiolhaltigen Cremes angewendet haben. So zeigten pharmakokinetische Daten für den intravaginalen Gebrauch eine erhebliche systemische Estradiolresorption auf, deren Werte über dem normalen postmenopausalen Bereich liegen (bis zu fünfmal über der Obergrenze des Referenzwertes für postmenopausale Estradiol-Serumwerte von 10-20 pg/ml). Damit birgt die intravaginale Anwendung das gleiche Risiko für Nebenwirkungen wie orale oder transdermal angewendete Hormonersatztherapien (HRT).


Um die Gefahr für venöse Thromboembolien, Schlaganfall, Endometriumkarzinom und Brustkrebs weitmöglichst zu minimieren, empfiehlt der PRAC die Cremes nur für einen einzigen Behandlungszeitraum von maximal vier Wochen anzuwenden. Des Weiteren sollten die hochdosierten Estradiol- Cremes nicht mit anderen HRT- Arzneimitteln eingesetzt werden. Um die Patientinnen auf diese Änderung aufmerksam zu machen, sollen die Außen- und Innenverpackung künftig einen Warnhinweise tragen, der auf die empfohlene einmalige Anwendungsdauer aufmerksam macht. Das Risiko einer fehlerhaften Anwendung soll durch Tuben, die nur noch 25 Gramm fassen und damit einen längeren Gebrauch verhindern, weiter beschränkt werden.


Um eine Entscheidung über die Umsetzung der PRAC-Empfehlungen zu treffen, werden diese nun an die Koordinierungsgruppe CMDh, ein Gremium, das die EU-Mitgliedstaaten sowie Island, Liechtenstein und Norwegen vertritt, übermittelt.

Quellen:
[1] Risikobewertungsverfahren Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte; 07. Oktober 2019: Hochdosierte, estradiolhaltige Cremes: Neue Überprüfung der Risiken
[2] Fachinformation Linoladiol N; Dr. August Wolff GmbH & Co. KG Arzneimittel; Mai 2019