Rote- Hand- Brief betreffend BCR-ABL Tyrosinkinaseinhibitoren

Freitag, den 08. April 2016

Information über das Risiko einer Hepatitis- B- Reaktivierung

In Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur ( EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) möchten die pharmazeutischen Unternehmen Novartis Pharma, Bristol-Myers Squibb, Pfizer Pharma und ARIAD Pharmaceuticals mittels eines Rote- Hand- Briefes über das Risiko einer Hepatitis- B- Reaktivierung bei folgenden Arzneimitteln  informieren: Glivec® (Imatinib), Sprycel® (Dasatinib), Tasigna® (Nilotinib), Bosulif® (Bosutinib) und Iclusig® (Ponatinib).

Bei all den oben genannten Produkten handelt es sich um sog. BCR- ABL Tyrosinkinaseinhibitoren (BCR-ABL TKIs), welche zur Therapie von malignen Tumoren eingesetzt werden, speziell zur Behandlung der Leukämie.
Sie hemmen die enzymatische Aktivität der Tyrosinkinase und verhindern dadurch die Aktivierung verschiedener zellulärer Vorgänge, die über die Kinase vermittelt werden.

Hintergrund der Sicherheitsbedenken und Empfehlungen war eine vor kurzem durchgeführte umfassende Überprüfung der Daten aus klinischen Prüfungen und aus Berichten nach der Zulassung.
Hierbei stellte sich heraus, dass eine Behandlung mit BCR-ABL TKIs zu einer Hepatitis- B- Reaktivierung bei Patienten führen kann, die chronische Träger des Hepatitis- B- Virus sind. Des Weiteren zeigten die Fallberichte, dass die Reaktivierung zu jedem Zeitpunkt während der Behandlung mit TKIs auftreten und zu einem akutem Leberversagen oder einer fulminanten Hepatitis führen kann, die wiederrum eine Lebertransplantation oder sogar den Tod zur Folge haben können.
Da die HBV- Reaktivierung alle Vertreter der BCR- ABL TKIs einschließt, wird sie als Klasseneffekt eingestuft. Mechanismus und Häufigkeit sind bisher jedoch noch nicht auszumachen.

Die Fachinformation und Packungsbeilage aller betroffenen Arzneimittel wird entsprechend der Empfehlung der EMA und des BfArM wie folgt aktualisiert:
Es wird empfohlen alle Patienten die mit einem BCR-ABL TKI behandelt werden sollen vor Therapiebeginn auf eine HBV- Infektion zu untersuchen.
Wird vor bzw. während der Behandlung mit TKIs ein Patienten positiv auf eine HBV- Infektion getestet ist ein Facharzt für Lebererkrankungen mit Erfahrung in der Behandlung von HBV- Infektionen zurate zu ziehen.
Eine engmaschige Überwachung auf Zeichen und Symptome einer aktiven HBV- Reaktivierung wird Trägern von HBV nahe gelegt, die eine Behandlung mit BCR-ABL TKIs benötigen. Dies gilt sowohl für die Dauer der Behandlung, wie auch einige Monate nach dem Absetzten der Medikation.

Weiterhin wird dazu aufgefordert jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung in Verbindung mit Glivec®, Sprycel®, Tasigna®, Bosulif® und Iclusig® an das BfArM oder die pharmazeutischen Unternehmen zu melden.

 

Quellen:
[1] Rote- Hand- Brief Glivec®, Sprycel®, Tasigna®, Bosulif® und Iclusig®; Novartis Pharma, Bristol-Myers Squibb, Pfizer Pharma und ARIAD Pharmaceuticals; 08 April 2016: Wichtige Information zu den BCR-ABL Tyrosinkinaseinhibitoren Glivec® (Imatinib), Sprycel® (Dasatinib), Tasigna® (Nilotinib), Bosulif® (Bosutinib) und Iclusig® (Ponatinib) - Risiko einer Hepatitis-B-Reaktivierung: Notwendigkeit der Untersuchung von Patienten auf Hepatitis-B-Viren vor Behandlungsbeginn
[2] Fachinformation Glivec®; Novartis Pharma GmbH; Februar 2015
[3] Fachinformation Sprycel®; Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA; November 2013