Rote-Hand-Brief: Einschränkung von Vertrieb und Indikation aufgrund nicht gesicherter Sterilität

Montag, den 20. August 2018

Thiopental Rotexmedica®, Thiopenthal Inresa® und Trapanal®

Thiopental ist ein Anästhetikum aus der Gruppe der Barbiturate und wird zur Kurznarkose sowie zur Einleitung einer Allgemeinanästhesie eingesetzt. Desweiteren ist eine Senkung des zerebralen Sauerstoffbedarfs und der Hirndurchblutung an die Anästhesiewirkung gekoppelt, wodurch der Wirkstoff einen erhöhten Hirndruck sowie Augeninnendruck herabsetzen kann.

Mittels Rote-Hand-Brief informieren die pharmazeutischen Unternehmen Rotexmedica und Inresa Arzneimittel aktuell über vorsorgliche Maßnahmen, die einige Produkte mit dem Wirkstoff Thiopental aus ihrem Sortiment betreffen. Einer Forderung der Aufsichtsbehörde folgend beschlossen die Zulassungsinhaber in Abstimmung mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Einschränkung der Anwendung auf strenge Indikationsstellung sowie eine Vertriebseinschränkung auf Krankenhäuser und Kliniken für bestimmte Thiopental-haltige Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung in den Stärken 500 mg/1000 mg.

Hintergrund für diese Maßnahme ist die Nichteinhaltung der Guten Herstellungspraxis (Good Manufacturing Practice, GMP) beim Wirkstoffhersteller Lampugnani Pharmaceutici SPA, die im Juli dieses Jahres von der italienisch Behörde AIFA festgestellt wurde. Demnach kann die Sterilität der betroffenen Arzneimittel nicht mehr als gesichert bewertet werden. Bis zur Wiederherstellung der GMP-Konformität kann das Produkt nicht über den Großhandel, sondern ausschließlich von Krankenhäusern und Kliniken über den Direktvertrieb erworben werden.

Behandelnde Ärzte sollen beachten, dass Propofol als Alternativsubstanz meist möglich ist. Ausnahmen sind die in den Produktinformationen aufgeführten Kontraindikationen (z.B nachgewiesene Soja-Allergie) und eine Anwendung in der Kinderanästhesie, da für Propofol keine Zulassung für Neu- und Frühgeborene vorliegt. Zudem wird Thiopental in der Neurochirurgie immer noch als Reservemedikament zur Hirndrucksenkung eingesetzt. Hier gilt das Arzneimittel laut Brain Traumata Foundation als unverzichtbar bei vorliegender Therapieresistenz. Zu beachten gilt außerdem, dass Etomidat nicht als gängiges Einleitungshypnotikum anzuwenden ist, da es die Nebennierenrindenfunktion stark supprimiert. Ebenso sind Ketamin oder S-Ketamin keine Einleitungshypnotika. Diese Substanzen müssen i.d.R. noch mit Benzodiazepinen oder Propofol ergänzt werden, um Halluzinationen zu vermeiden.

Betroffen von der möglichen GMP-Konformitätsabweichung sind Chargen, die mit Wirkstoff des Herstellers Lampugnani Pharmaceutici SPA produziert wurden.

Thiopental Rotexmedica® Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung:

500 mg: 304679 und 304680 (Verfall 07/2020)

1000 mg: 304017 (Verfall 09/2019), 304382 (Verfall 02/2020), 304952 und 304953 (Verfall 12/2020)

Thiopental Inresa® Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung:

0,5 g: Alle auf dem Markt befindlichen Chargen

1,0 g: Alle auf dem Markt befindlichen Chargen

Trapanal® Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung: 

0,5 g: Alle auf dem Markt befindlichen Chargen

Die Zulassungsinhaber weisen ferner darauf hin, dass diese Informationen dem behandelnden Arzt bekannt werden müssen. Dazu werden allen zukünftig ausgelieferten Packungen bis zur Wiederherstellung der GMP-Konformität des Wirkstoffherstellers informative Merkblätter beigelegt.

Quellen:

[3] Fachinformation Thiopental Rotexmedica® Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung; Rotexmedica; März 2017