Rote-Hand-Brief: Neue Maßnahmen und Einschränkungen für die Behandlung von Uterusmyomen mit Ulipristalacetat

Freitag, den 10. August 2018

Esmya®

Bereits im Februar dieses Jahres wurde via Rote-Hand-Brief auf das Risiko von schweren Leberschädigungen bei der Behandlung mit Esmya® (Ulipristalacetat) hingewiesen und vorläufige Maßnahmen eingeleitet. Nun veröffentlicht das pharmazeutische Unternehmen Gedeon Richter Pharma in Übereinstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erneut einen Rote-Hand-Brief zu diesem Sachverhalt. Ab sofort gelten bei der Anwendung von Esmya® (Ulipristalacetat) 5 mg Tabletten eine eingeschränkte Indikation, neue Kontraindikation sowie die Notwendigkeit zu Überwachung der Leberfunktion. 

Als oral wirksamer, synthetischer, selektiver Progesteronrezeptor-Modulator (SPRM) ist Ulipristalacetat charakterisiert durch einen gewebespezifischen partiellen Progesteron-Antagonisten-Effekt. Somit übt der Modulator des Genitalsystems einen direkten Effekt auf das Endometrium und auf Myome aus, die durch die Hemmung der Zellteilung und die Auslösung einer Apoptose in ihrer Größe reduziert werden. 

Entsprechend ist Ulipristalacetat indiziert zur präoperativen Behandlung mittlerer bis starker Symptome durch Gebärmutter-Myome bei erwachsenen Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter, für die eine Operation vorgesehen ist. Überdies wird der SPRM zur Intervall-Therapie in diesem Anwendungsgebiet verschrieben. Die nun geltenden Maßnahmen schränken die Indikation folgendermaßen ein: Esmya® darf nur noch bei erwachsenen Patientinnen im fortpflanzungsfähigen Alter angewendet werden, für die eine Operation nicht infrage kommt und bleibt weiterhin indiziert für ein einmaliges Behandlungsintervall von bis zu drei Monaten zur präoperativen Behandlung mittlerer bis starker Symptome durch Myome der Gebärmutter. Auch eine neue Kontraindikation muss jetzt berücksichtigt werden. Aufgrund des Risikos von schweren Leberschädigungen, die eine Behandlung mit Esmya® mit sich bringen kann, darf das Medikament nicht bei Frauen mit bestehenden Leberfunktionsstörungen eingesetzt werden. Überdies wird im Rote-Hand-Brief betont, dass die Therapie mit Esmya® von Ärzten eingeleitet und überwacht werden muss, die mit der Diagnose und Behandlung von Gebärmutter-Myomen vertraut sind. Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Anforderungen zur Überwachung der Leberfunktion. Vor Beginn jedes Behandlungsintervalls, einmal monatlich während der ersten beiden Behandlungsintervalle und zwei bis vier Wochen nach Beendigung der Behandlung ist die Durchführung von Leberfunktionstests unabdingbar. Es darf keine Therapie begonnen werden, wenn die Transaminasen Alanin-Aminotransferase (ALT) oder Aspartat-Aminotransferase (AST) den oberen Normwert (ULN) um mehr als das Zweifache überschreiten (isoliert oder in Kombination mit einem Bilirubinwert, der den oberen Normwert um mehr als das Zweifache überschreitet (> 2 x ULN)). Ein Behandlungsabbruch muss erfolgen, wenn die ALT oder AST den ULN um mehr als das Dreifache überschreitet. Zusätzlich sollen Patientinnen auf Symptome einer möglichen Leberschädigung, wie beispielsweise Müdigkeit, Gelbfärbung der Haut, dunkler Urin, Übelkeit und Erbrechen achten. Jegliche Anzeichen oder Symptome, die auf einen Leberschaden hinweisen könnten, müssen einen Abbruch der Therapie mit Esmya® und entsprechende Kontrollen zur Konsequenz haben. Weitere Informationen bezüglich Leberfunktionstests stehen zur Verfügung und sollen der Patientin ausgehändigt werden, bis die Esmya®-Packungen die entsprechenden Hinweise tragen. 

Nach Untersuchungen des Risikos einer Leberschädigung wurde gefolgert, dass Esmya® (Ulipristalacetat) ein Risiko für schwere Leberschäden bergen kann. Während weiterhin Unsicherheiten bezüglich der Kausalität bestehen bleiben, wird das Auftreten von schweren Leberschäden bei den gemeldeten Fällen als sehr schwerwiegend eingestuft. Nach Abwägung mit den Vorteilen der Therapie mit Esmya® von mittleren bis starken Symptomen von Uterusmyomen sprach sich die EMA nun für die zuvor aufgeführten Maßnahmen aus. 

Quellen:

[2] Fachinformation Esmya®; Gedeon Richter; Februar 2018 & Juli 2018