Rote-Hand-Brief Pirfenidon: Sicherheitsupdate und Anwendungsempfehlung

Dienstag, den 03. November 2020

Das Pharmaunternehmen Roche gibt in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Empfehlungen zur Prävention von arzneimittelinduzierten Leberschäden bei der Anwendung von Esbriet® heraus.

Hintergrund der Maßnahme sind Berichte über schwerwiegende hepatische Nebenwirkungen, die in Einzelfällen tödlichen Verlauf nahmen und mit der Anwendung von Esbriet® assoziiert sein könnten. Das antifibrotische und entzündungshemmende Arzneimittel mit dem Wirkstoff Pirfenidon ist indiziert zur Behandlung erwachsener Patienten mit leichter bis mittelschwerer idiopathischer pulmonaler Fibrose (IPF). Bereits in klinischen Studien vor Markteinführung traten unter IPF-Patienten, die mit Pirfenidon behandelt wurden, häufiger unerwünschte Arzneimittelwirkungen hinsichtlich der Leber auf als im Placebo-Arm (9,5% vs. 4.3%); meist in Form von abweichenden Laborwerten.

Als Ursache für die arzneimittelinduzierten Leberschäden (drug-induces liver injury, DILI) werden idiosynkratische Überempfindlichkeitsreaktionen auf die Behandlung mit Pirfenidongesehen. Der wahrscheinlichste Zeitpunkt für das Auftreten der hepatischen Ereignisse konnte, unter Betrachtung der verfügbaren Daten einschließlich Literatur und Erfahrungen nach Markteinführungen, bisweilen auf die ersten Monate der Therapie eingegrenzt werden.

Aus diesem Grund soll fortan eine Untersuchung der Lebertransaminasen (AST, ALT) und der Bilirubinspigel vor Beginn der Behandlung sowie im ersten halben Jahr der Therapie in monatlichen Abständen durchgeführt werden. Im weiteren Verlauf ist eine Wiederholung der Leberfunktionstests alle drei Monate ausreichend. Sollten aber bei Patienten Symptome einer DILI, wie z. B. Müdigkeit, Anorexie, Beschwerden im rechten Oberbauch, dunkler Urin oder Gelbsucht auftreten, müssen diese unverzüglich klinisch abgeklärt und Leberfunktionstests durchgeführt werden. Werden im Rahmen einer Untersuchung erheblich erhöhte hepatische Transaminasen oder klinische Anzeichen eines Leberschadens festgestellt, so ist die Dosis von Esbriet® gemäß den Angaben der Produktinformation anzupassen. Im Falle eines Transaminasenanstiegs auf über 5 x ULN (Upper Limit Normal) oder auf 3 bis 5 x ULN in Verbindung mit Hyperbilirubinämie oder klinischen Symptomen, die auf Leberschäden hinweisen, ist die Behandlung sogar dauerhaft abzubrechen.

Angehörige von Gesundheitsberufen werden außerdem darauf hingewiesen, dass die Meldung von Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Esbriet®, auch wenn es sich nur um Verdachtsfälle handelt, von großer Wichtigkeit ist um eine weitere Bewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses zu ermöglichen. Entsprechende Hinweise können an den Zulassungsinhaber oder die zuständige Arzneimittelbehörde übermittelt werden.

Quellen:
[1] Rote-Hand-Brief Esbriet® (Pirfenidon); 29. Oktober 2020; Wichtiges Sicherheitsupdate und neue Empfehlungen zur Prävention arzneimittelinduzierter Leberschäden (drug-induced liver ijury, DILI) unter Anwendung von Esbriet® (Pirfenidon)
[2] Fachinformation Esbriet® Filmtabletten; Roche Registration; Januar 2020.