Rote-Hand-Brief: Tofacitinib

Samstag, den 20. April 2019

Sicherheitsbedenken - Xeljanz®

Aktuell informiert der pharmazeutische Unternehmer Pfizer Pharma in Absprache mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) via Rote-Hand-Brief hierzulande über Sicherheitsbedenken in Zusammenhang mit dem Arzneimittel Xeljanz®.

Xeljanz® enthält den wirksamen Bestandteil Tofacitinib und kann in Deutschland in drei Anwendungsgebieten zum Einsatz kommen. Der Januskinase-Inhibitor ist zur Behandlung von Erwachsenen mit rheumatoider Arthritis (RA) sowie Psoriasis-Arthritis indiziert. Die empfohlene Dosis beträgt für diese Indikationen zweimal täglich 5 mg. Zusätzlich ist Xeljanz® zur Behandlung von Colitis ulcerosa zugelassen, bei der die empfohlene Dosis in den ersten acht Wochen zweimal täglich 10 mg und anschließend zweimal täglich 5 mg beträgt. Diese Empfehlungen sollten auch streng eingehalten werden.

Seit Februar dieses Jahres warnt die amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) vor einem erhöhten Risiko von Lungenembolien und Mortalität bei Patienten mit RA, die statt 5 mg Tofacitinib zweimal täglich 10 mg einnehmen. Nun veröffentlichen auch die hiesigen Institutionen eine Warnung.
Hintergrund zu den Meldungen ist die laufende Studie A3921133, die von der FDA bei der Zulassung von Tofacitinib für RA angefordert wurde. In dieser wird das Risiko von kardiovaskulären Ereignissen unter Tofacitinib im Vergleich zu einer Therapie mit einem Tumornekrosefaktor-Inhibitor (TNFi) bei RA-Patienten ab dem 50. Lebensjahr untersucht, die mindestens einen zusätzlichen kardiovaskulären Risikofaktor aufweisen. Dabei wird auch die Sicherheit von Tofacitinib 5 mg zweimal täglich oder Tofacitinib 10 mg zweimal täglich getrennt bewertet. Studienteilnehmer erhalten neben Tofacitinib eine stabile Dosis von Methotrexat als Hintergrundtherapie. Die Auswertung vorläufiger Ergebnisse zeigte bei den Teilnehmern, die zweimal täglich 10 mg Tofacitinib zur Behandlung der RA erhalten, ein erhöhtes Risiko für gefährliche Blutgerinnsel in den Lungen und ein erhöhtes Risiko der Gesamtmortalität im Vergleich zur TNFi-Gruppe. So war die Gesamtinzidenz unter dieser, in der Europäischen Union nicht zur Anwendung bei rheumatoider Arthritis zugelassenen Dosierung, um mehr als das Fünffache höher als im Kontrollarm unter TNFi und um mehr als das Dreifache höher als in anderen Studien mit Tofacitinib.
Ärzte sollten daher die in der Fachinformation zugelassene Dosierung dringend einhalten. Diese beträgt für die Indikation rheumatoide Arthritis 5 mg zweimal täglich.
Angesichts der möglichen Folgen wird behandelnden Ärzten empfohlen, das potentielle Risiko einer Lungenembolie vor Einleitung einer Therapie mit den Patienten bzw. ihren Betreuern zu besprechen. Zudem sollten Patienten und ihre Betreuer auf die Anzeichen und Symptome selbiger achten und gegebenenfalls einen Arzt aufsuchen.

Quellen:
[1] Rote-Hand-Brief Xeljanz®; Pfizer Pharma; 20. März 2018: Erhöhtes Risiko von Lungenembolie und Mortalität bei Patienten mit rheumatoider Arthritis, die in einer klinischen Prüfung 10 mg zweimal täglich erhalten
[2] Fachinformation Xeljanz® 5mg/10mg Filmtabletten; Pfizer Pharma; November 2018.
[3] Drug Safety Communication FDA; 25. Februar 2019: Safety trial finds risk of blood clots in the lungs and death with higher dose of tofacitinib (Xeljanz®, Xeljanz XR®) in rheumatoid arthritis patients; FDA to investigate