Rote-Hand-Brief zu Cladribin

Freitag, den 01. Dezember 2017

Risiko einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) unter Cladribin-Behandlung

Mittels Rote-Hand-Brief informieren derzeit die pharmazeutischen Unternehmen Lipomed und Janssen-Cilag im Einvernehmen mit der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) über das Risiko einer PML im Zusammenhang mit Cladribin.

Hintergrund für die Sicherheitsbedenken sind die berichteten Fälle von PML im Zusammenhang mit der Anwendung von Cladribin bei onkologischen Indikationen. Der Wirkstoff ist derzeit in Form von drei Arzneimitteln auf dem deutschen Markt erhältlich. Litak® und Leustatin® sind beide zur Behandlung der Haarzell-Leukämie indiziert, wohingegen Mavenclad® zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit hochaktiver schubförmiger Multipler Sklerose (MS), definiert durch klinische oder bildgebende Befunde angewendet wird. 

Bei einer PML handelt es sich um eine seltene, unter Umständen tödlich verlaufende Demyelinisierungserkrankung des Gehirns, die durch eine Reaktivierung des JC-Virus verursacht wird. Da Cladribin eine Myelosuppression, eine Immunsuppression wie auch eine mehrere Monate andauernde Lymphopenie auslösen kann, besteht für die behandelten Patienten ein erhöhtes Risiko an einer PML zu erkranken. 

Aus diesem Grund werden nun folgende Änderungen in die Produktinformationen von Litak® und Leustatin® aufgenommen:

Fälle von progressiver multifokaler Leukenzephalopathie (PML), darunter auch Fälle mit tödlichem Ausgang, wurden im Zusammenhang mit einer Cladribin-Therapie berichtet

das Auftreten einer PML wurde sechs Monate bis zu mehreren Jahren nach einer Behandlung mit Cladribin berichtet

Berichte zeigen einen Zusammenhang zwischen Cladribin und einer anhaltenden Lymphopenie

eine PML als Differenzialdiagnose ist bei Patienten mit neu auftretenden oder sich verschlechternden neurologischen oder kognitiven Anzeichen oder Symptomen oder Verhaltensauffälligkeiten in Betracht zu ziehen

Cladribin darf bei Verdacht auf eine PML nicht weiter eingesetzt werden

Die aktuelle Produktinformation von Mavenclad® weist bereits auf das Risiko einer PML hin, obwohl es bisher in den klinischen Studien zur MS keine Fallberichte dazu gibt. Dennoch wird weiter darauf aufmerksam gemacht, dass vor Therapiebeginn eine Eingangsuntersuchung mittels Magnetresonanztomographie (MRT) erfolgen (üblicherweise innerhalb von drei Monaten) durchgeführt werden soll. 

Die Fach- und Gebrauchsinformationen für Angehörige von Gesundheitsberufen und Patienten der Arzneimittel Litak® und Leustatin® werden bereits aktualisiert.

Quellen:

[2] Fachinformation Leustatin®; Janssen-Cilag; August 2017

[3] Fachinformation Litak®; Lipomed; Dezember 2009 

[4] Fachinformation Mavenclad®; Merck Serono; September 2017