Rote-Hand-Brief zu Gilenya®

Montag, den 06. November 2017

Fingolimod

Im Rahmen eines Rote-Hand-Briefes möchte das pharmazeutische Unternehmen Novartis in Absprache mit der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) über Verschärfungen in den Rubriken Kontraindikationen bzw. Warnungen und Vorsichtsmaßnahmen des Arzneimittels Gilenya® informieren. 

Indiziert ist Gilenya® bei Erwachsenen als krankheitsmodifizierende Monotherapie von hochaktiver schubförmig-remittierend verlaufender Multipler Sklerose mit der Voraussetzung einer hochaktiven Erkrankung trotz Behandlung mit einem vollständigen und angemessenen Zyklus mit mindestens einer krankheitsmodifizierenden Therapie oder einer rasch fortschreitenden schweren schubförmig-remittierend verlaufenden Multiplen Sklerose (definiert durch zwei oder mehr Schübe mit Behinderungsprogression in einem Jahr, und mit einer oder mehr Gadolinium anreichernden Läsionen im MRT des Gehirns oder mit einer signifikanten Erhöhung der T2-Läsionen im Vergleich zu einer kürzlich durchgeführten MRT).

Das Arzneimittel gehört zu der pharmakologischen Gruppe der selektiven Immunsuppressiva. Der Wirkstoff von Gilenya®, Fingolimod, fungiert dabei als Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor-Modulator. Sein aktiver Metabolit bindet bereits in niedrigen Konzentrationen an lymphozytäre Sphingosin-1-Phosphat(S1P)-Rezeptoren und gelangt leicht ins zentrale Nervensystem (ZNS), wo es ebenfalls an S1P-Rezeptoren auf Nervenzellen bindet. Insgesamt führt es so zu einer Umverteilung der Lymphozyten, wodurch wiederum das Eindringen pathogener Lymphozyten im ZNS reduziert wird, die vermutlich für neuronale Entzündungs- und Zerstörungsprozesse verantwortlich sind. 

Obwohl bereits bekannt war, dass Fingolimod zu schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen, einschließlich polymorphen ventrikulären Arrhythmien (PVA), führen kann, kam es dennoch zu Fällen dieser Nebenwirkungen, Todesfälle miteingeschlossen. Aufgrund dessen und um das Risiko schwerer unerwünschter Ereignisse bei Patienten mit kardialen Erkrankungen zu senken, werden nun die Gegenanzeigen folgendermaßen erweitert: Fingolimod ist künftig kontraindiziert bei Patienten mit

  • Myokardinfarkt, instabiler Angina pectoris, Schlaganfall, transitorisch ischämischer Attacke, dekompensierter Herzinsuffizienz (stationäre Behandlung erforderlich) oder New York Heart Association (NYHA) Klasse III/IV-Herzinsuffizienz in den vorhergehenden sechs Monaten
  • schweren Herzrhythmusstörungen, die eine Behandlung mit Antiarrhythmika der Klasse Ia (z. B. Chindin, Procainamid, Disopyramid) und Klasse III (Kaliumkanalblocker, z. B. Amiodaron, Sotalol, Ibutilid, Dofetilid) erfordern
  • AV-Block 2. Grades Typ Mobitz II oder AV-Block 3. Grades, oder Sick-Sinus-Syndrom, die keinen Herzschrittmacher tragen
  • bestehendem QTc-Intervall ≥ 500 Millisekunden

Da Fingolimod als Immunsuppressivum wirkt und das Risiko von schwerwiegenden Infektionen und Krebs nicht ausgeschlossen werden kann, werden diese Effekte ebenfalls in den Produktinformationen unter Warnungen und Vorsichtsmaßnahmen angepasst.

Treten im Zusammenhang mit der Einnahme von Gilenya® weitere Nebenwirkungen auf, sollen diese an den pharmazeutischen Unternehmer selbst oder das BfArM schnellstmöglich gemeldet werden. Das Arzneimittel unterliegt zudem einer zusätzlichen Überwachung durch die EMA.

 

Quellen:

[2] AkdÄ Drug Safety Mail 2017-36; 07. November 2017: Rote-Hand-Brief zu Fingolimod (Gilenya®): Kontraindikationen bei Patienten mit kardialen Erkrankungen 

[3] Fachinformation Gilenya®; Novartis Pharma; Mai 2017