Rote-Hand-Brief zu Mycophenolatmofetil

Dienstag, den 10. November 2015

Nachdem bereits Ende Oktober die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) vor der Anwendung von Mycophenolatmofetil in der Schwangerschaft warnte und weitere Maßnahmen zur Prävention empfahl, informiert nun der pharmazeutische Hersteller Roche mittels eines Rote-Hand-Briefes in Abstimmung mit der EMA und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) über wichtige Hinweise zur Schwangerschaftsverhütung für Frauen und Männer bei Anwendung des Produktes CellCept®.

Das Immunsuppressivum Mycophenolatmofetil wird zur Prävention akuter Abstoßungsreaktionen bei organtransplantierten Patienten eingesetzt. Dass der Wirkstoff teratogene Eigenschaften besitzt und im Vergleich zu anderen Immunsuppressiva mit einer erhöhten Zahl an Spontanaborten und kongenitalen Missbildungen assoziiert ist, konnte bereits bestätigt werden. So ergaben kumulative Review-Daten von organtransplantierten Schwangeren, dass etwa 45 bis 49% der Schwangerschaften unter Mycophenolat-Therapie in einem Spontanabort endeten, verglichen mit 12 bis 33% unter anderen Immunsuppressiva. Die Inzidenz für Fehlbildungen bei lebend geborenen Babys lag bei 23 bis 27%, bei anderen Therapien waren es nur 4 bis 5%. Die am häufigsten gemeldeten Missbildungen betrafen Ohren (z. B. anormal geformtes oder fehlendes Außen-/Mittelohr, Herz (z. B. artriale und ventrikuläre Septumdefekte), Gesicht (z. B. Lippenspalte, Gaumenspalte), Augen (z.B. Kolobom), Finger (z. B. Polydaktylie, Syndaktylie), tracheoösophageale Bereiche (z. B. ösophageale Atresie), Nervensystem (z. B. Spina bifida) und Nieren.

In die Fachinformation wurden folgende neue Kontraindikationen aufgenommen. CellCept® soll nicht bei Schwangeren zum Einsatz kommen, außer es steht keine geeignete Alternative zur Verhinderung einer Transplantatabstoßung zur Verfügung. Frauen im gebärfähigen Alter, die keine hochwirksame Verhütungsmethode verwenden, dürfen nicht mit Mycophenolatmofetil behandelt werden. Zusätzlich muss bei diesen Frauen vor Therapiebeginn ein negatives Schwangerschaftstestergebnis vorliegen, um eine unbeabsichtigte Einnahme in der Schwangerschaft zu verhindern. 

Im Detail bedeutet dies, dass eine Anwendung von Mycophenolatmofetil bei Frauen im gebärfähigen Alter nur angezeigt ist, wenn diese simultan zwei zuverlässige Verhütungsmethoden bis sechs Wochen nach Therapieende verwenden. Die Urin- oder Serum-Schwangerschaftstests sollten eine Sensitivität von mindestens 25 mIE/ml aufweisen und acht bis zehn Tage, sowie direkt vor Therapiebeginn durchgeführt werden. Bei klinischer Indikation (z. B. durch Verhütungslücke) sollten weitere Tests folgen. Männlichen, sexuell aktiven Patienten, inklusive Vasektomierten, wird empfohlen bis zu 90 Tage nach Therapieende Kondome zu benutzen. Dementsprechend sollten für den Zeitraum deren Partnerinnen auf eine effektive Verhütungsmethode achten. Weiterhin sollte bis sechs Wochen nach der Einnahme von Mycophenolatmofetil kein Blut und bis 90 Tage danach kein Samen gespendet werden.

Der Arzt sollte sicherstellen, dass Männer und Frauen, die Mycophenolatmofetil einnehmen, über die Risiken für ein ungeborenes Kind aufgeklärt sind und verstehen, dass sie auf einen effektiven kontrazeptiven Schutz achten müssen. Die Einnahme von CellCept® sollte nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt beendet werden. Falls eine Schwangerschaft vermutet wird, sollte dieser unverzüglich aufgesucht werden. Schulungsmaterialien mit Warnhinweisen zur Teratogenität und Ratschlägen zur Verhütung vor Beginn, während und nach einer Behandlung, sowie Anweisungen über die Notwendigkeit von Schwangerschaftstests werden zur Verfügung gestellt.

Quellen:

[2] Veröffentlichung EMA; 23. Oktober 2015: EMA recommends additional measures to prevent use of mycophenolate in pregnancy