Rote-Hand-Brief zu neuen Warnhinweisen über das Risiko von Hypogammaglobulinämie und Bronchiektasie unter Mycophenolatmofetil

Freitag, den 12. Dezember 2014

In Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittel Agentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informiert das Pharmaunternehmen Roche über wichtige Sicherheitsinformationen zur Anwendung von Mycophenolatmofetil (CellCept®).

Mycophenolatmofetil, mit dem aktiven Metaboliten Mycophenolsäure, ist in Kombination mit Ciclosporin und Corticosteroiden zur Prophylaxe von akuten Transplantatabstoßungsreaktionen bei Patienten mit allogener Nieren-, Herz- oder Lebertransplantation angezeigt. Mycophenolatmofetil ist der 2-Morpholinoethylester von Mycophenolsäure (MPA), welche ein hoch wirksamer, selektiver, nicht kompetitiver und reversibler Hemmer der Inosinmonophosphat-Dehydrogenase ist. Durch MPA wird der De-Novo-Weg der Guanosin-Nucleotidsynthese gehemmt, ohne in die DNA eingebaut zu werden. MPA wirkt stärker zytostatisch auf Lymphozyten als auf andere Zellen, da für die Proliferation von T- und B-Lymphozyten die De-Novo-Synthese von Purinen unerlässlich ist. Andere Zellarten hingegen sind in der Lage den Wiederverwertungsstoffwechsel zu benutzen.

Eine Auswertung von Fallberichten und veröffentlichen Studien hat ergeben, dass es bei der Anwendung von Mycophenolatmofetil in Kombination mit anderen Immunsuppressiva zu Hypogammaglobulinämie und Bronchiektasie kommen kann. Dies betrifft sämtliche Produkte, die Mycophenolsäure als Wirkstoff freisetzen.

Patienten, die eine Bronchiektasie entwickelten, wiesen einen anhaltenden Husten mit Auswurf auf. In einigen Fällen kam es ebenfalls zu rezidivierenden Infektionen der Atemwege. Aufgrund einer relativ langen Latenzzeit (einige Monate bis zu mehreren Jahren) ist es nicht möglich, eine verlässliche Einstufung der Inzidenz der Bronchiektasie aus klinischen Kurzzeitstudien abzuleiten. Das Risiko zur Entwicklung einer Bronchiektasie kann eine Auswirkung der MPA auf die Lunge sein oder mit einer Hypogammaglobulinämie assoziiert sein.

Es wurde zusätzlich von Einzelfällen berichtet, bei denen Patienten interstitielle Lungenerkrankungen entwickelten, wovon einige einen tödlichen Ausgang hatten. Länger anhaltende, pulmonale Beschwerden sollten daher als möglicher Teil einer Differentialdiagnose in Betracht gezogen werden.

Bei einer Hypogammaglobulinämie kommt es zu einem Abfall des Serumimmunglobulinspiegels, bei welchem Patienten unter rezidivierenden Infektionen leiden. Die Häufigkeit des Auftretens ist jedoch nicht bekannt, da in den klinischen Studien Serumimmunglobulinspiegel nicht routinemäßig gemessen wurden. Falls bei Patienten rezidivierende Infektionen auftreten, sollten die Serum-Immunglobuline bestimmt werden. Bei anhaltender Hypogammaglobulinämie sollten entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden, eine Umstellung auf ein alternatives Immunsuppressivum kann in Erwägung gezogen werden.

Die Produktinformationen zu CellCept® werden in Kürze bezüglich der Informationen zur Verschreibung sowie zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen entsprechend aktualisiert.


Quellen:
[1] Rote-Hand-Brief Mycophenolatmofetil; Dezember 2014: Neue Warnhinweise über das Risiko von Hypogammaglobulinämie und Bronchiektasie.
[2] Fachinformation CellCept®; Roche Pharma AG; Juli 2013