Rote-Hand-Brief zu Otezla® - Fälle suizidalen Verhaltens

Dienstag, den 08. November 2016

Das pharmazeutische Unternehmen Celgene informiert in Abstimmung mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sowie der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) in einem Rote-Hand-Brief über neue Sicherheitshinweise für das Medikament Otezla®. In Verbindung mit dem darin enthaltenen Wirkstoff Apremilast wurden Suizidgedanken und suizidales Verhalten beobachtet (Häufigkeit ≥ 1/1.000 bis ≤ 1/100).

Otezla® Filmtabletten sind zur Behandlung der aktiven Psoriasis-Arthritis bei Erwachsenen zugelassen, die auf eine Therapie mit krankheitsmodifizierenden antirheumatischen Arzneimitteln (DMARDs) nicht ausreichend ansprachen oder diese nicht vertrugen. Es kann in dieser Indikation als Monotherapie oder zusammen mit DMARDs verwendet werden. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die mittelschwere bis schwere chronische Plaque-Psoriasis erwachsener Patienten, die andere Therapien inkl. Psoralen in Kombination mit UVA-Licht (PUVA) nicht vertrugen, nicht auf diese ansprachen oder bei denen andere Behandlungen kontraindiziert sind.

Bei mit Apremilast behandelten Patienten wurden nach Markteinführung, aber auch bereits in klinischen Studien, Fälle von suizidalem Verhalten und Suizidgedanken berichtet. Das Unternehmen Celgene weist darauf hin, dass die Grunderkrankung der Psoriasis bzw. Psoriasis-Arthritis bereits mit einer erhöhten Häufigkeit für das Auftreten von Depressionen und Suizidverhalten einhergeht, aber dennoch Hinweise für einen Kausalzusammenhang zu Apremilast bestehen. Zu diesem Ergebnis führten die Untersuchungen der zuständigen Behörden.

Innerhalb der kontrollierten klinischen Studien mit Apremilast konnte nur eine leichte Differenz zwischen dem Auftreten von suizidalen Gedanken und Verhalten im Vergleich zu Placebo festgestellt werden. Nach Markteinführung bis zum 20. März 2016 wurden ca. 105.000 Personen mit Otezla® behandelt. In dieser Zeit wurden 65 Fälle gemeldet, darunter fünf vollendete Suizide, vier versuchte Suizide, 50 Patienten mit Suizidgedanken, fünf welche eine Depression und Suizidgedanken entwickelten sowie ein Fall von suizidalem Verhalten. Eine Besserung nach dem Absetzen der Medikation wurde von 32 der 65 Patienten, mit vorliegenden Daten berichtet.  

Zudem wurden einige Fälle von teils schwerwiegenden Depressionen nach Markteinführung beobachtet. Bereits während der klinischen Phase-III-Studien mit Psoriasis-Patienten wurde bezüglich des Auftretens von Depressionen ein Unterschied zu Placebo festgestellt. Unter Apremilast berichteten 1,2% der Patienten über eine Depression gegenüber 0,5% unter Placebo. Diese Depressionen wurden nicht als schwerwiegend eingestuft und führten nicht zum Ausscheiden aus der Studie.

Es wird nun empfohlen, bei Patienten die neue psychiatrische Beschwerden oder eine Verschlechterung bereits bestehender Symptome unter Otezla® entwickeln, die Behandlung abzubrechen. Dies gilt ebenso bei Auftreten suizidaler Gedanken oder eines Suizidversuchs. Eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung sollte erfolgen, bevor eine Behandlung von Patienten begonnen wird, die psychiatrische Störungen in der Anamnese aufweisen oder aber andere Medikamente einnehmen, die wahrscheinlich psychiatrische Symptome verursachen.

Der Arzt sollte Patienten und Pflegekräfte darüber aufklären, dass er über sämtliche Änderungen des Verhaltens oder der Stimmung sowie Anzeichen suizidaler Gedanken informiert werden sollte.

Ein Warnhinweis bezüglich des Risikos für Depressionen und Suizidverhalten und -gedanken wird zukünftig in die Produktinformation von Otezla® aufgenommen.

Quellen:

[2] Fachinformation Otezla® Filmtabletten; Celgene; Juli 2016