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Rote-Hand-Brief Zydelig® (Idelalisib)

Mittwoch, den 23. März 2016

In Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informiert der pharmazeutische Unternehmer Gilead Science in einem Rote-Hand-Brief über wichtige Vorsichtsmaßnahmen bei der Anwendung des Zytostatikums Zydelig®.

Nachdem es in drei klinischen Studien zur Indikationserweiterung von Zydelig® zu einer erhöhten Anzahl infektionsbedingter Todesfälle kam, wurde, wie berichtet, eine Neubewertung der Sicherheitsprofils durch den Ausschuss für Pharmakovigilanz (PRAC) in die Wege geleitet.
Während die Daten der mittlerweile abgebrochenen Studien ausgewertet und die Auswirkungen der Ergebnisse auf die bestehenden Indikationen beurteilt werden, gab die EMA bereits vorläufigen Empfehlungen zur Risikominimierung bekannt. Die Vorsichtsmaßnahmen sind nun ebenfalls in dem Rote-Hand-Brief zusammengefasst:

Was die Indikation der chronisch lymphatischen Leukämie (CLL) betrifft, so sollte Idelalisib nicht in der First-Line Therapie bei Patienten angewandt werden, die eine 17p-Aberation oder eine TP53-Mutation aufweisen.
Wurde Zydelig® bei CLL-Patienten mit diesen Merkmalen bereits als First-Line-Therapeutikum verabreicht, so ist nach eingehender, individueller Nutzen-Risiko-Abwägung durch den behandelnden Arzt eine Entscheidung zu treffen, ob die Behandlung fortgeführt werden soll oder nicht.
Weiterhin gilt für alle behandelten Patienten, egal ob eine Behandlung der CLL oder des follikuläres Lymphom (FL) vorliegt:
Die Patienten sollen über das Risiko schwerwiegender und/oder tödlich verlaufender Infektionen aufgeklärt werden. Besteht der Verdacht auf eine bestehende systemische Infektion mit Bakterien, Pilzen oder Viren, so sollte eine Therapie mit Idelalisib nicht begonnen werden.
Zur Vorbeugung einer Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie (PJP) sind alle Patienten prophylaktisch mit Antibiotika zu behandeln. Auf Anzeichen und Symptome von Atemwegserkrankungen ist während der gesamten Behandlungsdauer zu achten, im Falle neu auftretender Atemwegssymptome sind Patienten darauf hinzuweisen, diese unverzüglich zu melden.
Ferner sind regelmäßige klinische Laboruntersuchungen auf eine Infektion mit dem Cytomegalievirus (CMV) durchzuführen, bei Verdacht auf eine Infektion oder Virämie ist die Therapie abzubrechen.

Einen wichtigen Aspekt stellt auch die Überwachung der absoluten Neutrophilenzahl (ANZ) dar. Generell sollte diese in den ersten sechs Behandlungsmonaten bei allen Patienten mindestens im Abstand von zwei Wochen überprüft werden, wenn nicht sogar einmal pro Woche, falls die ANZ weniger als 1.000 pro Kubikmillimeter beträgt.
Liegt die ANZ über 500 pro Kubikmillimeter vor, so kann die Einnahme von Zydelig® fortgesetzt werden. Sinkt die ANZ unter 500 pro Kubikmillimeter, so ist die Behandlung zu unterbrechen und die ANZ mindestens einmal pro Woche zu überprüfen, bis die ANZ einen Wert von ≥ 500 pro Kubikmillimeter erreicht hat. Anschließend kann die Einnahme mit einer Dosierung von zweimal täglich 100mg Idelalisib wieder aufgenommen werden.

Unverändert bleiben die Anwendungsgebiete der Kombinationstherapie mit Rituximab zur Behandlung von Patienten mit CLL, die bereits mindestens eine vorangehende Therapielinie erhalten haben. Die Behandlung kann bei diesen Patienten begonnen bzw. fortgesetzt werden.
Eine Idelalisib-Monotherapie kann ebenfalls unverändert zur Behandlung erwachsener Patienten mit FL, das refraktär nach zwei vorausgegangenen Therapielinien ist, angefangen oder fortgesetzt werden.

Wie Gilead Science mitteilt, wird die Fachinformation derzeit um die oben erläuterten, vorläufigen Vorsichtsmaßnahmen aktualisiert. Während dem derzeitigen Prozess der Neubewertung werden weitere, neue Empfehlungen unverzüglich durch die EMA mitgeteilt werden.

Quelle:
[1] Rote-Hand-Brief Zydelig® (Idelalisib) ; 23. März 2016: Wichtige Information zu Zydelig- Einschränkungen für die Anwendung von Zydelig (Idelalisib) zur Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) und des rezidivierten follikulären Lymphoms (FL) aufgrund neuer Erkenntnisse aus klinischen Studien