Schädliche Überdosierung mit Vitamin D

Donnerstag, den 30. November 2017

Mittels einer Drug Safety Mail möchte die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) durch zwei Fallberichte auf die Gefahr einer Überdosierung mit Vitamin D und den daraus resultierenden Risiken aufmerksam machen. 

Mit den Wintermonaten wächst der Irrglaube in der Bevölkerung nicht mehr genügend mit Vitamin D versorgt zu sein. Denn das u. a. für die Knochengesundheit beteiligte Vitamin kann insbesondere in den Sommermonaten durch die körpereigenen Vitamin D-Bildung in der Haut durch Sonnenlicht (UVB-Strahlen) gebildet werden. Obwohl die Sonnenbestrahlung in den Monaten von Oktober bis März nicht als ausreichend gilt um die Bildung zu gewährleisten, besitzt der Körper Speicher für Vitamin D, welche zur Versorgung im Winter beitragen. 

Dennoch gibt es spezielle Bevölkerungsgruppen (Pflegeheimbewohner, geriatrische Patienten, Osteoporose- und sturzgefährdete Senioren, Säuglinge) bei denen durchaus eine zusätzliche Vitamin D-Versorgung zur u. a. Vorbeugung von Rachitis, Osteomalazie, zur unterstützenden Behandlung der Osteoporose indiziert ist, was jedoch immer eine ärztliche Abklärung voraussetzt.

Die AkdÄ rät davon ab, vermeintlich harmlose Vitamin-D-haltige Nahrungsergänzungsmittel oder Präparate eigenständig einzunehmen, da es dadurch zu Gesundheitsschäden kommen kann. So entwickelte sich bei einer 78-jährigen Patientin und einem 60-jährigen Patienten ein akutes Nierenversagen bei ausgeprägter Hypercalcämie, nachdem sich beide ohne Abklärung Vitamin-D-haltige Präparate besorgt und täglich hohe Dosen eingenommen hatten. 

Die Kausalität zwischen den Symptomen und Vitamin D wurde durch Ausschluss alternativer Ursachen wie primären Hyperparathyreoidismus, Sarkoidose oder Tumorerkrankung, hergestellt. 

Bei der 78-Jährigen konnte der Zustand durch eine forcierte diuretische Therapie und mittels peroraler Cortisongabe verbessert werden. Bei dem 60-Jährigen entwickelten sich hingegen schwere Komplikationen, die schließlich in einer dialysepflichtigen Niereninsuffizienz endeten. 

Bei der Einnahme von hohe Dosen Vitamin D bedarf es daher stets einer ärztlichen Aufsicht und regelmäßiger Kontrollen des Vitamin-D-Spiegels. Bei Fragen sollte sich der Patient an seinen Arzt oder Apotheker wenden. In Deutschland gelten Fertigarzneimittel mit Tagesdosen von über 1000 IE als verschreibungspflichtig. Jedoch können wie in den Fallberichten hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel im Internet erworben werden und damit unkontrolliert die Risiken einer Überdosierung steigen. 

Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät Verbraucherinnen und Verbrauchern sowohl im Sommer als auch im Winter oft an die frische Luft zu gehen. Bei ausreichendem Aufenthalt im Freien und entsprechender Sonnenbestrahlung der Haut, wie auch durch eine ausgewogene Ernährung kann eine gute Vitamin-D-Versorgung ohne die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten gewährleistet werden. 

Quellen:

[1] AkdÄ Drug Safety Mail 2017-42; 30. November 2017: Hyperkalzämie durch Überdosierung mit Vitamin D

[2] Website Bundesinstitut für Risikobewertung: Ausgewählte Fragen und Antworten zu Vitamin D [zugegriffen am 04.12.2017]

[3] Fachinformation Vigantol®; Merck; Februar 2017