Schwere Leberschäden unter kombinierter Hepatitis C Therapie

Donnerstag, den 22. Oktober 2015

Mittels einer „Drug Safety Communication“ warnt die Amerikanische Arzneimittelbehörde (FDA) vor dem Auftreten von schwerwiegenden Leberschäden bei der Anwendung von Kombinationstherapien gegen chronische Hepatitis C, welche die Wirkstoffe Dasabuvir, Ombitasvir, Paritaprevir, und Ritonavir enthalten.

Die Meldung der FDA bezieht sich auf die in den USA zugelassenen Medikamente Viekira Pak® und Technivie®. Bei beiden handelt es sich um Kombinationspräparate, wobei Viekira Pak® die Wirkstoffe Dasabuvir, Ombitasvir, Paritaprevir und Ritonavir enthält und als Monotherapie oder mit Ribavirin eingesetzt wird. Technivie® ist aus Ombitasvir, Paritaprevir und Ritonavir zusammengesetzt und wird mit Ribavirin kombiniert. In Deutschland stehen die Präparate Viekirax® und Exviera® zur Verfügung, die je nach vorliegendem Hepatitis C-Genotyp gemeinsam und teilweise kombiniert mit Ribavirin verabreicht werden können. Viekirax® ist aus Ombitasvir, Paritaprevir und Ritonavir zusammengesetzt; in Exviera® ist Dasabuvir enthalten.

An die Datenbank der FDA für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (FAERS) und an den pharmazeutischen Unternehmer Abbvie wurden einige Fälle von hepatischer Dekompensation und Leberversagen unter Anwendung der Präparate Technivie® und Viekira Pak® gemeldet. In manchen Fällen war eine Lebertransplantation als lebensrettende Maßnahme erforderlich oder sie endeten tödlich. Die meisten betroffenen Patienten wurden mit Viekira Pak® behandelt und litten bereits vor Therapiebeginn an fortgeschrittener Leberzirrhose.

Seit der Zulassung der beiden Präparate (Dezember 2014 und Juli 2015) in den USA wurden weltweit mindestens 26 Fälle von Leberschädigung über FAERS gemeldet, die wahrscheinlich oder möglicherweise mit den beiden Präparaten assoziiert waren. Meistens trat die Leberschädigung ein bis vier Wochen nach Therapiebeginn auf. Bei manchen betroffenen Patienten waren die Medikamente kontraindiziert oder die Anwendung nicht empfohlen.

Eine sorgfältige Überwachung der Patienten auf Anzeichen und Symptome einer fortschreitenden Lebererkrankung wird nun von der FDA empfohlen. Diese kann sich in Form eines Aszites, einer hepatischen Enzephalopathie, Varizenblutungen und erhöhten Bilirubinspiegeln im Blut zeigen. Auch die Patienten sollten auf mögliche Beschwerden einer Leberschädigung, wie Schwäche, Abgeschlagenheit, Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen, helle Stuhlverfärbungen und Gelbfärbung von Haut oder Augen achten. Falls entsprechende Symptome auftreten, sollten sie sich umgehend an ihren Arzt wenden. Die Therapie darf keinesfalls selbstständig abgebrochen werden, da dies auch das Risiko einer Resistenzbildung gegenüber anderen Hepatitis C-Medikamenten erhöhen kann.

Der pharmazeutische Unternehmer wurde von der FDA aufgefordert die Informationen über mögliche Leberschäden in die Produktinformationen der beiden Präparate aufzunehmen.

Quellen:

[1] FDA Drug Safety Communication; 22. Oktober 2015; Hepatitis C Treatments Viekira Pak® and Technivie®: Drug Safety Communication - Risk of Serious Liver Injury

[2] Fachinformation Viekirax® 12,5 mg/75 mg/50 mg Filmtabletten; Abbvie; Januar 2015

[3] Fachinformation Exviera® 250 mg Filmtabletten; Abbvie; Januar 2015