SGLT-2-Hemmer als möglicher Auslöser einer Ketoazidose

Donnerstag, den 09. Juli 2015

Bereits im Mai dieses Jahres berichteten wir über die Diskussionen der Amerikanischen Zulassungsbehörde (FDA) bezüglich der Anwendung von SGLT-2-Hemmern, für die ein Risiko für die Entstehung einer Ketoazidose ermittelt wurde. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informierte über die Einleitung eines europäischen Risikobewertungsverfahrens zu den SGLT-2-Inhibitoren. In Deutschland sind derzeit die Wirkstoffe Dapagliflozin, Canagliflozin und Empagliflozin verfügbar. Anlass für die Initiierung dieses Verfahrens waren mehr als 100 Meldungen schwerer Fälle von Ketoazidose in der europäischen Nebenwirkungsdatenbank EudraVigilance.
    
SGLT-2-Inhibitoren, Hemmstoffe des  Natrium-abhängigen Glucose-Cotransporters 2 (Sodium dependent glucose co-transporter), sind als Monopräparat oder in Kombination mit Metformin zur Behandlung eines Diabetes mellitus Typ-2 bei Erwachsenen zugelassen, ergänzend zu Diät und Bewegung. SGLT-2 ist der Haupttransporter für die Rückresorption von Glucose aus dem glomerulären Filtrat zurück in den Kreislauf. Durch die selektive Hemmung des Natrium-Glucose-Cotransporters im proximalen Tubuli wird durch die vermehrte Ausscheidung von Glucose der Blutzuckerspiegel gesenkt. Dieser Wirkmechanismus ist daher abhängig von der Filtrationsleistung der Niere (GFR) sowie der initialen Blutglucose-Konzentration.

Diabetische Ketoazidose kann lebensbedrohlich sein; Alle beschriebenen Fälle waren schwerwiegend und erforderten eine Krankenhauseinweisung der Patienten. Typischerweise treten Ketoazidosen beim Diabetes mellitus Typ 1 auf und gehen mit einem drastischen Anstieg der Blutzuckerwerte einher. Dabei kann die Glucose aufgrund von Insulinmangel nicht aus der Blutbahn in die Zelle aufgenommen und zur Energiegewinnung herangezogen werden. Es werden deswegen alternativ Fette abgebaut, was mit einer gleichzeitigen Erzeugung von Ketonkörpern einhergeht. Atypisch waren bei einigen Fällen Blutglucosewerte, die nicht oder nur mäßig erhöht waren. Diese untypischen Blutwerte können eine korrekte Diagnose und damit die notwendige Therapie verzögern.

Empfohlen wird, dass die behandelnden Ärzte bei typischen Anzeichen, beispielsweise in Form von Atembeschwerden, Verwirrung, extremem Durstgefühl, Appetitverlust, Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen, Schwindel wie auch ungewöhnlicher Müdigkeit, eine Ketoazidose in Betracht ziehen, auch wenn Blutglucosespiegel nur mäßig erhöht sind.

Patienten mit Bedenken bezüglich ihrer Diabetes--Medikation sollten diese mit ihrem betreuenden Arzt besprechen. Ein Absetzen der Medikamente ohne vorherige Abklärung mit dem Arzt sollte nicht erfolgen.

AstraZeneca, Boehringer Ingelheim und Janssen-Cilag, die Zulassungsinhaber der Präparate Invokana®, Vokanamet®, Forxiga®, Xigduo®, Jardiance® und Synjardy®, informieren im Einvernehmen mit dem BfArM und der EMA über Sicherheitsbedenken und Empfehlungen diesen Sachverhalt betreffend mittels Herausgabe einer Informationsbriefes.

Quellen:    
[1] Veröffentlichung EMA; 12. Juni 2015: Review of diabetes medicines called SGLT2 inhibitors started
[2] Pharmakovigilanznachricht BfArM; 16. Juni 2015: SGLT2-Hemmer: Einleitung eines europäischen Risikobewertungsverfahrens zur Untersuchung diabetischer Ketoazidosen
[3] Fachinformation Forxiga®; AstraZeneca; Oktober 2014.

[4] Informationsbrief AstraZeneca, Boehringer Ingelheim, Janssen-Cilag; Informationsbrief Risiko einer diabetischen Ketoazidose während der Behandlung mit SGLT2‐Inhibitoren; 09. Juli 2015