Sicherheitsbedenken gegenüber Zydelig®

Freitag, den 11. März 2016

Wie die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) kürzlich mitteilte, wurde eine Neubewertung der Sicherheitsrisiken des Zytostatikums Zydelig® (Idelalisib) auf Ersuchen der Europäischen Kommission veranlasst.
Seit September 2014 in Europa zugelassen, wird Zydelig® zum einen in Kombination mit Rituximab zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit chronisch lymphatischer Leukämie (CLL) eingesetzt, zum anderen findet es als Monotherapeutikum zur Therapie erwachsener Patienten mit therapie-refraktärem (zwei vorausgegangene Therapielinien), follikulärem Lymphom (FL) Anwendung.

Die chronisch lymphatische Leukämie wie auch das follikuläre Lymphom, das zu den Non-Hodgkin-Lymphomen zählt, sind Krebserkrankungen der sog. B-Lymphozyten. Eine zu schnelle Vermehrung und ein verlangsamtes Absterben dieser weißen Blutkörperchen führen dazu, dass zu viele dieser Zellen im Falle der CLL im Blut und im Falle der FL im Lymphknoten vorkommen. Die Prozesse der Vermehrung, das Überleben und die Retention der bösartigen weißen Blutkörperchen, werden durch verschiedene komplexe Signalwege gesteuert, welche wiederum durch unterschiedliche Enzyme beeinflusst werden.
Eine entscheidende Rolle spielt hierbei das sog. Enzym Phosphatidylinositol-3-Kinase, das insbesondere in den bösartigen B-Lymphozyten eine außerordentlich hohe Aktivität besitzt.
Der Wirkstoff Idelalisib besitzt die Fähigkeit diese Kinase zu hemmen, wodurch die Vermehrung der malignen B-Lymphozyten in Knochenmark und Lymphknoten unterbunden und der Zelltod eingeleitet werden kann. In Deutschland ist Zydelig® als Filmtablette in den Wirkstärken 100mg und 150mg erhältlich.

Wie nun bekannt wurde ist unter der Anwendung von Zydelig® in drei klinischen Studien über eine erhöhte Rate schwerwiegender unerwünschter Ereignisse berichtet worden, die auch Todesfälle, meist infolge von Infektionen, einschließen. Während eine Studie Idelalisib in Kombination mit neuen, noch nicht zugelassenen Krebs-Medikamenten zur Behandlung der chronisch lymphatischen Leukämie untersuchte, schließen die beiden anderen Studien bei Non-Hodgkin-Lymphomen Patienten ein, deren Krankheitscharakteristika von denen abweichen, die bereits über die zugelassenen Indikationen abgedeckt werden.

Die Untersuchungsleiter aller klinischen Studien zu Zydelig® werden aktuell über Maßnahmen und Vorkehrungen bezüglich der weiteren Durchführung laufender Studien informiert.
Unter Verwendung der Studiendaten will die EMA nun beurteilen, ob die bisherigen Ergebnisse eine Auswirkung auf die bestehenden Indikationsgebiete von Zydelig® besitzen.

Es wird dazu geraten Patienten, die eine Behandlung mit Idelalisib beginnen oder bereits begonnen haben sorgfältig auf Anzeichen einer Infektion hin zu überwachen. Wird Zydelig® gut vertragen, sollte kein Therapieabbruch erfolgen. Sollten betroffene Patienten Fragen bezüglich ihrer Behandlung mit Zydelig® haben, wird diesen zur Kontaktaufnahme mit ihrem behandelnden Arzt geraten.

Während dem Prozess der Neubewertung wird derzeit geprüft, ob weitere sofortige Maßnahmen nötig sind. Die EMA wird diesbezüglich Ärzte, wie auch Patienten weiter informieren und auf dem Laufenden halten.

Quellen:
[1] Veröffentlichung EMA; 11. März 2016: EMA reviews cancer medicine Zydelig- Review follows concerns over serious adverse events in ongoing clinical trials
[2] Gebrauchsinformation Zydelig®; GileadScience; September 2014
[3] Fachinformation Zydelig®; GileadScience; September 2014