Sicherheitsüberprüfung des MS-Therapeutikums Zinbryta®

Mittwoch, den 28. Juni 2017

Anfang Juni startete die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) eine Überprüfung des Sicherheitsprofils des humanisierten monoklonalen Antikörpers Daclizumab. Hintergrund waren z.T. letale unerwünschte Ereignisse, welche während einer Beobachtungsstudie auftraten und die Leber betrafen.

Daclizumab, vermarktet unter dem Namen Zinbryta®, ist seit dem vergangenen Jahr auf dem europäischen Markt zur Behandlung der schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose (RMS) bei Erwachsenen zugelassen.
Das Risiko für Leberschädigungen war zum Zeitpunkt der Genehmigung zum Inverkehrbringen bereits bekannt; daher wurden geeignete Maßnahmen im Vorfeld zur Risikominimierung getroffen und Schulungsmaterial für Angehörige des Gesundheitswesens bereitgestellt. So verweist auch die Fachinformation von Zinbryta® auf das bestehende Risiko für Leberfunktionsstörungen. Dementsprechend soll beispielsweise von einem Therapiebeginn bei Patienten mit bereits bestehenden erhöhten Alaninaminotransferase (ALT) oder Aspartataminotransferase (AST) - Werten größer als das 2-Fache des Normalwerts (ULN) oder bei Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz (Child-Pugh C) abgesehen werden. Auch während der Behandlung wird eine regelmäßige Überwachung der Leberfunktion empfohlen, insbesondere, wenn gleichzeitig andere hepatotoxische Arzneimittel eingesetzt werden.

Obwohl Leberenzym- und Bilirubinwerte, wie empfohlen kontrolliert wurden, kam es dennoch, wie oben erwähnt, bei einer Beobachtungsstudie zum Tod einer Patientin aufgrund von akutem Leberversagen nach Injektion von Zinbryta®. Ferner wurden vier weitere Fälle von schweren Leberschädigungen registriert. Der Ausschuss für Risikobewertung in der Pharmakovigilanz der EMA (PRAC) wird daher nun sämtliche verfügbaren Daten auswerten und über die weitere Vorgehensweise beraten. Ein Beschluss wird für September erwartet.

Bis dahin wird verordnenden Ärzten geraten, ihre Patienten engmaschig zu überwachen und über die Risiken wie auch mögliche Anzeichen einer Leberschädigung zu informieren. Sollten Patienten jegliche Symptome von Leberfunktionsstörungen wahrnehmen, wie unerklärliche Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Müdigkeit oder gelbstichige Verfärbung von Haut und Augen sowie dunkle Urinverfärbungen, sollten diese umgehend ihren behandelnden Arzt kontaktieren.


Quellen:
[1] Veröffentlichung Referral EMA; 09. Juni 2017: EMA reviews multiple sclerosis medicine Zinbryta® Review follows case of fulminant liver failure
[2] AkdÄ Drug Safety Mail 2017-21; 28. Juni 2017: Zinbryta® (Daclizumab): Europäische Arzneimittel-Agentur startet Schiedsverfahren
[3] Produktinformation (EMA) Zinbryta®; Biogen Idec; Juli 2016